Im Amazon Logistikzentrum laufen 2017 Pakete auf einem Band zum Versand.
Beim Online-Versandhandel werden vier Prozent der Retouren entsorgt. Bildrechte: dpa

Onlinehandel Studie: 7,5 Millionen Retoure-Artikel unnötig entsorgt

3,9 Prozent der Retouren im Onlinehandel werden vernichtet. Das sind etwa 20 Millionen Artikel. Jetzt haben Wissenschaftler untersucht, ob wirklich alles Schrott ist, was verschrottet wird. Bei schätzungsweise 7,5 Millionen Artikeln, so folgern sie nun, ist das offenbar nicht der Fall.

Im Amazon Logistikzentrum laufen 2017 Pakete auf einem Band zum Versand.
Beim Online-Versandhandel werden vier Prozent der Retouren entsorgt. Bildrechte: dpa

Im vergangenen Jahr haben Onlinehändler rund 7,5 Millionen Retour-Artikel ohne Mängel vernichtet. Das entspricht 40 Prozent der zurücksendeten Waren, wie Wissenschaftler der Universität Bamberg berichten. Sie kritisieren: Die Artikel hätten gespendet oder wiederverwertet werden können.

Weiterverwertung zu teuer

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie Antworten von knapp 140 Onlinehändlern ausgewertet, die einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro oder 8,4 Prozent des deutschen E-Commerce-Umsatzes auf sich vereinen. Demnach sei die Weiterverwertung der 7,5 Millionen Produkte zu teuer und insbesondere für kleine Händler zu aufwendig. Spenden wiederum seien ebenfalls zu aufwendig, zu teuer oder steuerrechtlich zu risikoreich. Manche wüssten auch nicht, wer eine Spende überhaupt gebrauchen könne und welchen Wert die Ware noch habe. Die meisten Produkte, die am Ende weggeworfen würden, kosteten weniger als 15 Euro. Die Entsorgung wiederum koste im Schnitt lediglich 85 Cent.

Müll in 53 Prozent der Fälle alternativlos

Für die Entsorgung weiterer 53 Prozent der Retouren (rund 10 Millionen Produkte) gebe es keine Alternativen, halten die Wissenschaftler fest. Ihrer Umfrage zufolge können sie nicht mehr aufbereitet werden oder sind defekt. In fünf Prozent der Fälle (rund eine Million Produkte) hätten die Marken- und Patentinhaber die weitere Verwertung aktiv untersagt, sie müssen also entsorgt werden. Das kritisieren die Forscher als unnötige Verschwendung und als unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit als äußerst bedenklich.

Rund vier Prozent der Retouren werden entsorgt

In einer ersten Studie hatten die Bamberger Forscher zunächst über das Ausmaß der Retouren-Entsorgung berichtet, nicht über die Gründe. Das war das Ziel der nun vorliegenden Nachfolgeuntersuchung. Palette der betroffenen Produkte reicht dabei von Kleidung über Elektro- und Freizeitartikel bis hin zu Produkten des täglichen Bedarfs. 

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 10:26 Uhr