Abreißen oder Sanieren? Zukunft des sowjetischen Ehrenmals in Suhl sorgt für Diskussionen

von Bettina Ehrlich

Es ist acht Meter hoch und nicht gerade eine Schönheit. Das sowjetische Ehrenmal direkt neben der Feuerwehr in der Suhler Aue. Drumherum ein etwas liebloser Park mit einer vor sich hin bröckelnden Mauer. Das Denkmal selbst besteht aus großen, rötlichen Vulkansteinen. Die Fugen dazwischen sind so porös, dass es wohl komplett neu aufgebaut werden muss. Sogar ein Laie sieht: hier muss etwas passieren.

In diesem Jahr feiert Suhl seine Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Kaluga. Spätestens wenn die russische Delegation in Suhl ankommt, soll das Ehrenmal wieder einen besseren Eindruck machen. Doch ob das so schnell geht, steht in den Sternen. Grob geschätzt kostet die Sanierung von Denkmal, Park und Mauer mindestens 120.000 Euro.

Sowjetisches Ehrenmal in Suhl
Das sowjetische Ehrenmal in der Suhler Aue muss saniert werden. "Ehre den ruhmreichen Helden der Sowjetarmee. Dank den Völkern der Sowjetunion" lautet die Inschrift. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

"Als diese Schätzung bekannt wurde, hat sich so mancher Stadtrat an seinem Frühstücks-Kaffee verschluckt", sagt Linken-Stadtrat Philipp Weltzien. "Viele hatten wohl gedacht, das wird billiger und denken jetzt über einen Abriss oder eine kleinere Variante für das Denkmal nach". Für Weltzien jedoch ist das keine Alternative. "Das Denkmal ist ein Symbol der Befreiung vom Faschismus, ein Ort des Erinnerns und Gedenkens", verlas er in einer Erklärung der Linksfraktion auf der letzten Stadtratssitzung.

"Niemand spricht von Abriss", sagt Marc Trommer von der Stadtverwaltung. Die Stadt wolle jetzt erst einmal ein Gutachten in Auftrag geben, um zu klären, wie teuer das Ganze wirklich wird. Und Suhl wolle alle möglichen Fördertöpfe ausnutzen. Das Mahnmal steht unter Denkmalschutz, gut möglich, dass allein schon deshalb Landesmittel fließen.

Bund hatte sich zur Erhaltung der Kriegerdenkmale verpflichtet

Es kann aber auch sein, dass sogar der Bund Geld für die Sanierung des sowjetischen Ehrenmals gibt. Zumindest die sowjetischen Kriegerdenkmale waren ein wichtiger Verhandlungspunkt der russischen Seite für die Zwei-plus-Vier-Verträge zur Deutschen Wiedervereinigung. Die Bundesrepublik verpflichtete sich, ihren Bestand dauerhaft zu sichern, sie zu reparieren und zu unterhalten. "Auch das werden wir prüfen und entsprechende Anträge stellen", sagte Finanzdezernent Erik Reigl. Aber ob tatsächlich Geld fließt, sei noch völlig offen. Das Mahnmal ist erst 1971 eingeweiht worden.

In Suhl hat es zuvor auf dem Hauptfriedhof einen Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegsgefangene gegeben. Die sterblichen Überreste wurden umgebettet. Wohin - konnte die Stadt Suhl kurzfristig nicht beantworten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 15. April 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 15:53 Uhr

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