Ein Mensch mit Behinderung fährt mit seinem Rollstuhl an dem aufgestellten Wort «Arbeit» entlang.
Im Schnitt ist ein Arbeitsloser mit Behinderung fünf Monate länger ohne Job als der Durchschnitt. Bildrechte: dpa

Thüringen Mehr als 1.000 Schwerbehinderte ohne Arbeitsstelle

In Thüringen leben immer mehr Schwerbehinderte. Viele von ihnen sind gut qualifiziert, finden ab keinen Job. Die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote für Schwerbehinderte erfüllen längst nicht alle Unternehmen.

Ein Mensch mit Behinderung fährt mit seinem Rollstuhl an dem aufgestellten Wort «Arbeit» entlang.
Im Schnitt ist ein Arbeitsloser mit Behinderung fünf Monate länger ohne Job als der Durchschnitt. Bildrechte: dpa

In Thüringen leben immer mehr Schwerbehinderte. Vor allem ältere Menschen sind betroffen. Das teilten das Arbeitsministerium und die Arbeitsagentur Erfurt anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Schwerbehinderung mit.

Nur zwei Prozent der Behinderungen sind angeboren. Die meisten Menschen sind erst beeinträchtigt, wenn sie älter werden. Schuld daran sind meist Krankheiten. Zum Beispiel Krebs oder Diabetes.

Schwerbehinderte länger ohne Job

Ein Kunde geht durch die Tür eines Jobcenters.
Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit, sind Menschen mit Schwerbehinderung überdurchschnittlich gut qualifiziert. Bildrechte: dpa

Die Arbeitskraft der Betroffenen ist oft nur teilweise eingeschränkt. Trotzdem können sie nicht im selben Maße vom allgemeinen Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren, wie Arbeitnehmer ohne Beeinträchtigung. Hinzu kommt: Im Schnitt ist ein Arbeitsloser mit Behinderung fünf Monate länger ohne Job als der Durchschnitt.

Dabei sind arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung oft besser qualifiziert als andere Arbeitslose. So steht es in einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach haben knapp 60 Prozent von ihnen eine betriebliche, schulische oder akademische Ausbildung. Bei allen anderen Arbeitslosen seien es knapp 50 Prozent.

Gesetzliche Quote - Vorgaben nicht erfüllt

Allein in Mittelthüringen sind mehr als 1.000 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Unternehmen stellen nicht genügend Behinderte ein. Die gesetzlich vorgeschriebene Quote von fünf Prozent wird in Thüringen mit 4,8 Prozent unterschritten. Rechnet man Behörden, Ämter und weitere staatliche Arbeitgeber heraus, sinkt die Prozentzahl sogar auf 3,8 Prozent.

Die Quote ist für alle Unternehmen verpflichtend, die mindestens 20 Mitarbeiter beschäftigen. Wird diese Zahl nicht erreicht, müssen betroffene Unternehmen eine Ausgleichsabgabe an das zuständige Integrationsamt entrichten.

Definition Behinderung (Definition laut Sozialgesetzbuch) Menschen sind behindert, "wenn sie eine körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigung haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichtberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können." Als schwerbehindert gelten Menschen, deren Grad der Behinderung mindestens 50 ist. Mit dem Grad wird die Schwere der Behinderung durch das Versorgungsamt festgestellt. Schwere Behinderungen entstehen beispielsweise infolge von Krebserkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Diabetes, Epilepsie, Herzkrankheiten, Transplantationen, Rheuma oder Psychosen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 14:10 Uhr

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