Drittligist in Finanznot Rot-Weiß Erfurt beantragt Insolvenz

Fußball-Drittligist Rot-Weiß Erfurt hat Insolvenzantrag gestellt. Wie der Verein auf seiner Homepage mitteilt, wurde der Antrag am Dienstagabend beim Amtsgericht Erfurt eingereicht. Der Erfurter Rechtsanwalt Marko Harraß sei mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt. Das Hoffen auf den Klassenerhalt sei nicht mehr realistisch, heißt es. Der hoch verschuldete Verein steht damit praktisch als erster Absteiger in die Regionalliga fest.

Mit einer geordneten Insolvenz wolle man einen klaren Schnitt machen und die Grundlagen für einen Neuanfang schaffen. In den Reihen der Fans, aber auch in der Thüringer Wirtschaft und Politik waren in den vergangenen Wochen immer mehr Stimmen laut geworden, die eine Insolvenz als richtigen Weg und Chance erachteten. "Uns ist bewusst, dass dieser Schritt für unsere Gläubiger ein schmerzhafter ist. Gleichwohl bitten wir um Verständnis, dass wir ihn nun gegangen sind", so RWE-Präsident Frank Nowag.

Erfurt drücken Verbindlichkeiten von über acht Millionen Euro. Dem Verein war durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits ein Punkt wegen des Verstoßes gegen die Zulassungsbestimmungen abgezogen worden. Eine erhebliche Liquiditätslücke konnte nicht geschlossen werden.

Laut Fanrat hat es zum Insolvenzantrag keine Alternative gegeben. Die Möglichkeiten für eine Rettung in der Liga seien nur noch theoretischer Natur. Es komme nun darauf an, dass der Verein zusammenhält und mit Fans und Sponsoren einen zukunftsfähigen Weg geht, sagte Fanrat-Sprecher Michael Kummer.

Wie es jetzt weitergeht:

  • Der DFB wird eine schriftliche Stellungnahme des Klubs anfordern. Anschließend wird der DFB-Spielausschuss über die Folgen der Erfurter Entscheidung für die laufende Saison der 3. Liga entscheiden. Derzeit belegt der RW Erfurt nach 28 Spielen und 18 erzielten Punkten Platz 20.
  • Paragraf 6 der Spielordnung sieht im Falle eines Insolvenzantrags den Abzug von neun Punkten vor. Nur in besonderen Ausnahmefällen kann von diesem Punktabzug abgesehen werden, beispielsweise wenn gegen den Hauptsponsor zuvor ein Insolvenzverfahren eröffnet worden ist. Dies ist bei Erfurt nicht der Fall. Weitere spieltechnische Konsequenzen über einen Punktabzug hinaus sind nicht vorgesehen.
  • Sollte Erfurt die neun Punkte verlieren, würde der Verein nach aktuellem Stand den Abstiegsplatz 20 festigen. Mit 21 Zählern Rückstand auf Nichtabstiegsrang 17, der den sportlichen Klassenverbleib bedeutet, wäre dies der sichere Abstieg.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. März 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2018, 10:27 Uhr