Landesausstellung Sachsen 2020
Bildrechte: PR/Malte Burkhardt

Konzept für 4. Landesausstellung vorgestellt Boom - 500 Jahre Industriegeschichte Sachsen

Ne Dampfmaschin in ´ner Nusschale - das ist nur eines der spektakulären Objekte für die nächste Landesausstellung. 2020 wollen die Kuratoren in Zwickau, Chemnitz, Crimmitschau, Freiberg und Oelsnitz/Erzg. Industriegeschichte zum Erlebnis machen.

Landesausstellung Sachsen 2020
Bildrechte: PR/Malte Burkhardt

Ein prägnanter Titel und knalliges Gelb für das Plakat: Unter der Überschrift "Boom" sollen im kommenden Jahr 500 Jahre Industriekultur lebendig werden. "Das ist die zeitgenössische Übersetzung eines alten Wortes in der Region: das Berggeschrey", sagte Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums, am Freitag in Zwickau, wo er das Konzept für die vierte sächsische Landesausstellung der Öffentlichkeit vorstellte. Das Dresdner Museum ist für die Ausrichtung und Koordination des Projekts zuständig.

Dass dieser Prozess in Sachsen bereits mit dem Bergbau der Renaissance eingesetzt hat - also vor rund 500 Jahren - unterscheidet diesen international vernetzten Kulturraum von anderen industriell geprägten Regionen Europas.

Klaus Vogel Direktor Deutsches Hygienemuseum

Immer auch der Mensch im Mittelpunkt

Mit dem Titel wollen die Organisatoren das Auf und Ab in der industriellen Entwicklung des Freistaats sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen aufzeigen. Man wolle nicht nur Technik-Freaks anziehen, sondern zeigen, dass Industriegeschichte von jeher auch Strukturwandel mit sich bringe, ergänzte Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange. "Und mit Industrie 4.0 sind wir bereits mittendrin in der nächsten Etappe."

Die rund 500-jährige Industriekultur Sachsens ist eine Abfolge von verschiedenen Wirtschaftsaufschwüngen in diversen Branchen. Sie wird darstellen, wie die industrielle Entwicklung das Land und die Menschen geprägt hat.

Eva-Maria Stange Wissenschaftsministerin Sachsen

Bildergalerie Die Orte der 4. Sächsischen Landesausstellung

Was können die Besucher wo erleben? Einen Überblick gibt es hier.

Landesausstellung Sachsen 2020
Industriemuseum Chemnitz Im Industriemuseum Chemnitz geht es um die Fragen: was ist eine Maschine und welche Rolle spielen Maschinen im Leben der Menschen? Ausgewählte Exponate verdeutlichen markante Entwicklungen und die wechselvolle Geschichte des sächsischen Maschinenbaus. Bildrechte: PR/W. Schmidt
Landesausstellung Sachsen 2020
Industriemuseum Chemnitz Im Industriemuseum Chemnitz geht es um die Fragen: was ist eine Maschine und welche Rolle spielen Maschinen im Leben der Menschen? Ausgewählte Exponate verdeutlichen markante Entwicklungen und die wechselvolle Geschichte des sächsischen Maschinenbaus. Bildrechte: PR/W. Schmidt
Landesausstellung Sachsen 2020
Audi-Bau Zwickau In einem Wettbewerb setzte sich schließlich diese Containerlösung durch. Sie stammt von einer Gemeinschaft, zu der eine Berliner Architekten-Gesellschaft und ein Chemnitzer Architekturbüro gehören. Bildrechte: PR/AFF-Architekten
Landesausstellung Sachsen 2020
Silberbergwerk Freiberg Der sächsische "Silberboom" war ein Meilenstein auf dem Weg zur Industrialisierung. Er wird in Freiberg hautnah zu erleben sein. Bildrechte: PR/Malte Burkhardt
Lokführer Siegfried Fuchs vom Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz rangiert einen Kohletender.
Eisenbahnmuseum Chemnitz Um die Jahrhundertwende wächst der Zugverkehr in Chemnitz und Umgebung so stark an, dass Personen- und Güterverkehr getrennt werden mussten. Damit verbunden erfolgte 1897 bis 1900 der Bau eines der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands in Chemnitz-Hilbersdorf. Ein Teil davon, das Bahnbetriebswerk für Güterzuglokomotiven, beherbergt heute das Sächsische Eisenbahnmuseum, und der ehemalige Rangierbahnhof, das heutige Technikmuseum Seilablaufanlage. Zusammen präsentieren beide Häuser die Schauplatzausstellung EisenbahnBoom. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die letzte erhaltene Duroplast-Anlage der Welt, in der Mitte steht ein Prototyp Trabant P70
August Horch Museum Zwickau Die Gestalter im August Horch Museum werden der Frage nachgehen, warum der Mensch seit jeher nach Mobilität strebte und welche Auswirkung die Erfindung des Automobils auf unsere Mobilität hatte und bis heute hat. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Landesausstellung Sachsen 2020
Industriemuseum Chemnitz Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise zu den Stationen der sächsischen Maschinenbaukunst, von den ersten Maschinen aus der Pionierzeit bis zu zeitgenössischen Utopien "menschenleerer Werkhallen" im Zeitalter der Industrie 4.0. Bildrechte: PR/W. Schmidt
Zwei Mädchen stehen am hölzernen Antrieb einer historischen Spinnereimaschine.
Industriemuseum Chemnitz Begleitet wird die Ausstellung von einem museumspädagogischen Programm. Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden/Wolfgang Schmidt
Ein Trabi auf einer Säule vor dem Ausstellungsgebäude.
Im Audi-Bau Zwickau, einer früheren Produktionshalle, wird die zentrale Ausstellung stattfinden. Um in das historische Gebäude - einen roten Ziegelbau - nur minimal eingreifen zu müssen, wurde nach einer anderen Lösung gesucht. Bildrechte: MDR/Gert Friedrich
Landesausstellung Zwickau - Audi-Bau
Blick in den Innenraum des temporären Empfangsgebäudes. Bildrechte: AFF Architekten
Das Zechengelände der Reichen Zeche Freiberg
Silberbergwerk Freiberg "Schauplatz Erz" der 4. Sächsischen Landesausstellung ist deshalb das heutige Forschungs- und Lehrbergwerk der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und Silberbergwerk auf der "Reichen Zeche". Bildrechte: Stadt Freiberg/Ralf Menzel
Landesausstellung Sachsen 2020
Silberbergwerk Freiberg In 150 Metern "Teufe" gewährt eine neu konzipierte Entdeckertour Einblicke in den sächsischen Erzbergbau. Bildrechte: PR/Malte Burkhardt
Landesausstellung Sachsen 2020
Silberbergwerk Freiberg Eine neue Forschertour zeigt entlang ausgewählter Untertagelabore zukunftsweisende natur- und geowissenschaftliche Forschung. Bildrechte: PR/Malte Burkhardt
Landesausstellung Sachsen 2020
Silberbergwerk Freiberg Entdecken und erforschen untertage – zur Landesausstellung können sich die Besucher in dem noch heute betriebenen Bergwerk, ausgestattet mit Helm und Geleucht, auf die Spuren der Vergangenheit begeben, dabei aber auch Gegenwart und Zukunft erkunden. Bildrechte: PR/Malte Burkhardt
Außenansicht des Bergbaumuseums Oelsnitz mit Förderturm und Eingangsschild.
Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge Das Haus beteiligt sich als Schauplatz Kohle und präsentiert Einblicke in die Jahrhunderte währende Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus. Die Beteiligung des Hauses an der Landesausstellung ist eine wichtige Etappe im Zuge der Generalsanierung und Erneuerung der Dauerausstellung bis 2023. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
In der Ausstellungshalle der Crimmitschauer Museums Tuchfabrik Gebrüder Pfau herrscht Besucherandrang.
Tuchfabrik Pfau Crimmitschau Die Tuchfabrik Pfau ist ein authentischer Standort mit einem einzigartigen Maschinenbestand und historisch wertvoller Industriearchitektur. Im Jahr 1859 gründeten Friedrich und Antonie Pfau eine Handweberei in der Leipziger Straße 49. Mit ihrem kleinen Unternehmen waren sie so erfolgreich, dass sie 1885 in die neugebaute Maschinenweberei am heutigen Standort der Tuchfabrik Pfau umziehen konnten. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Horch Zwickau
August Horch Museum Zwickau Das August Horch Museum greift in der Landesausstellung zunächst Utopien und Dystopien der Mobilität auf, rückt den mobilen Menschen und seine Technik mit deren Veränderungen, Krisen und Möglichkeiten in den Fokus. Neben der zurückschauenden Darstellung, soll auch der Blick in die Zukunft der automobilen Mobilität geworfen werden. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
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In sechs thematisch und zeitlich gegliederten Abschnitten werden unter anderem der Bergbau, die Textiltradition, Karl Marx und Karl May oder auch die DDR-Zeit mit Trabi und Treuhand beleuchtet. Darüber hinaus richtet sich der Blick aber auch auf Zukunftsentwürfe und Visionen. Zudem wird immer wieder der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die Industrialisierung auf die Menschen hatte. Auch die sechs Begleitausstellungen sind demnach mehr als bloße Rückschau.

Zahlen & Fakten zur 4. Sächsischen Landesausstellung
Wann? 25. April bis 1. November 2020  
Wo? Die zentrale Ausstellung findet im Audi-Bau Zwickau statt. Die Begleitausstellungen werden in Chemnitz (Industriemuseum & Eisenbahnmuseum Hilbersdorf), Oelsnitz/Erzgebirge (Bergbaumuseum), Crimmitschau (Tuchfabrik Pfau), Freiberg (Forschungs- und Lehrbergwerk) und in Zwickau (August Horch Museum) gezeigt.  
Was ist zu sehen? Mehr als 500 historische Objekte, Kunstwerke, Fotografien, Filme oder Installationen sollen die Besucher überraschen und die reiche Industriekultur des Landes auf unkonventionelle Weise präsentieren. Es werden viele Erlebnismomente geschaffen.  
Spektakuläre Exponate Annaberger Bergaltar, Knappschaftsbüchse aus dem Jahr 1546, barocke Lottotrommel, Edvard Munch - Porträt von Herbert Eugen Esche, Wolfgang Mattheuers Sysyphos, Dampfmaschine in der Nussschale  
Themenbereiche in der zentralen Ausstellung Die Ausstellung ist in sechs thematisch und zeitlich gegliederte Abschnitte eingeteilt. Sie sollen in unerwartete Zusammenhänge gesetzt werden: Barock & Berggeschrey, Garn & Globalisierung, Karl Marx & Karl May, Schockensöhne Zwickau & Sachsenstolz, Trabi & Treuhand, Industriekultur 5.0  
Themen der Begleitausstellungen Erstmals beteiligen sich insgesamt sechs Museen als sogenannte Schauplätze neben der zentralen Ausstellung: Chemnitz: Maschinenboom & Eisenbahnboom, Oelsnitz/Erzgebirge: Kohleboom, Crimmitschau: Textilboom, Freiberg: Silberboom, Zwickau: Autoboom  
Kosten rund 18 Millionen Euro  

Ab Februar sollen die Bauarbeiten am zentralen Ausstellungsort in dem für die Schau angemieteten Fabrikgebäude beginnen, in dem einst auch der Trabant produziert wurde. Unter anderem ist ein temporäres Empfangsgebäude geplant. Über Rampen aus Seecontainern sollen die Besucher zur Ausstellung im ersten Obergeschoss gelangen, die von Oktober an in die Räume einzieht.

Unsere Ausstellung heißt nicht umsonst 'Boom'. Denn in einem solchen Auf-und-ab und Immer-wieder-neu kann man das Wesen der sächsischen Industriegeschichte und des hier typischen Innovationsklimas erkennen. Immer wenn das tiefe Tal eines wirtschaftlichen Zyklus´ erreicht schien, fand man hier wegweisende Antworten und tragfähige Zukunftsperspektiven - und so ist das bis heute geblieben.

Thomas Spring Kurator

Quelle: MDR/tfr/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.01.2019 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz
MDR SACHSENSPIEGEL | 11.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 21:07 Uhr

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