Waggonbau Niesky
Bildrechte: WBN Waggonbau Niesky GmbH

Nach der Insolvenz Waggonbauer in Niesky hoffen auf neue Chance

Nach dem Schock über die Insolvenz hoffen die Waggonbauer in Niesky, dass es mit dem Werk weitergeht. Auch die Großgläubiger wollen den Weiterbestand des Schienenfahrzeugbauers, aber nur mit einem neuen Eigentümer.

Waggonbau Niesky
Bildrechte: WBN Waggonbau Niesky GmbH

Draußen auf dem Werksgelände des Waggonbaus Niesky ist an diesem Mittwoch kaum ein Mensch zu sehen. Doch in den Hallen wird weiter rangeklotzt, trotz der schlechten Nachrichten vom Vortag. Die Insolvenz war für viele Mitarbeiter ein Schock. Trotzdem bleiben sie relativ gelassen, schließlich sind sie krisenerprobt. Sie hätten ja schon mehrere schlechte Erfahrungen gemacht, sagt einer der Mitarbeiter. Er hoffe eben, dass es auch diesmal positiv ausgehe.

Probleme mit neuen Zulieferern

An Aufträgen mangelt es jedenfalls nicht – allerdings sind sie kein Garant für gutgehende Geschäfte. Denn am Ende brachten sie dem Waggonbau keine Gewinne, sondern Verluste ein. Schuld daran seien unter anderem Fehler der Geschäftsführung bei der Vertragsgestaltung gewesen, sagt Betriebsrat Peter Jurke. Aber auch die Entscheidung für neue, billigere Zulieferer aus China und der Türkei habe dem Werk Probleme bereitet. Es sei zu großen Lieferverzögerungen bei den Projekten gekommen. "Dadurch laufen natürlich auch extreme Kosten auf, die dann in einem Mittelstandsunternehmen in unserer Größenordnung nicht mehr stemmbar sind."

Keine Investitionen vom Eigentümer

Auch bei der Qualität gab es Abstriche, so dass die Waggonbauer in Niesky nacharbeiten mussten. Jurke ist auf den Eigentümer des Werkes – den Finanzinvestor Quantum aus München – jedenfalls nicht gut zu sprechen. Quantum habe seit der Übernahme Mitte 2014 keinen Cent in den Waggonbau investiert, sondern nur Geld rausgezogen. Auch die Oberbürgermeisterin der Stadt Niesky, Beate Hoffmann, sieht einen Finanzinvestor als Eigentümer des traditionsreichen Waggonbaus kritisch.

Es ist niemand, der aus dem Schienenfahrzeugbau kam. Und wenn man nicht mit Herz dort dabei ist, dann ist es schwierig.

Beate Hoffmann, Oberbürgermeisterin von Niesky

Guter Anfang, schlechtes Ende

Dabei hatte sich alles so gut angelassen: Die Auftragsbücher füllten sich, es wurden sogar neue Mitarbeiter eingestellt, die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von 270 auf aktuell 320. Doch die vielen neuen Aufträge hatten wohl auch ein Ziel: Der Waggonbau sollte für potenzielle Käufer attraktiv werden. Denn die Quantum-Gruppe hatte von Anfang an klar gemacht, dass sie den Waggonbau irgendwann wieder verkaufen will.

Nun wird der Verkauf wohl kommen, allerdings im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Zumindest seien auch die Großgläubiger daran interessiert, dass der Waggonbau in Niesky erhalten bleibt, sagt Betriebsrat Peter Jurke. Er sitzt mit im vorläufigen Gläubigerausschuss. Eine Zukunft gebe es aber nur mit einem neuen Investor und nicht mehr mit dem jetzigen Eigentümer Quantum. Das hätten die Gläubiger deutlich gemacht.

Quellen: MDR/vis

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 03.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2018, 09:06 Uhr