Lehrer aus Leipzig und den umliegenden Landkreisen haben sich an einer Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz beteiligt.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Trillerpfeife statt Schulkreide Hunderte Lehrer demonstrieren in Leipzig

In Leipzig und dem Umland ist an vielen Schulen der Unterricht ausgefallen. Grund: Viele nichtverbeamtete Lehrer haben für bessere Bezahlung und Gleichstellung gestreikt. In Leipzig gab es eine große Kundgebung, an der sich Hunderte Lehrer und Bedienstete beteiligt haben.

Lehrer aus Leipzig und den umliegenden Landkreisen haben sich an einer Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz beteiligt.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Rund 3.000 Lehrer und Beschäftigte haben sich in Leipzig versammelt, um für bessere Löhne und gegen Ungleichbehandlung im öffentlichen Dienst zu demonstrieren. Das gaben die Veranstalter während einer Kundgebung auf dem Richard-Wagner-Platz bekannt. Die Forderungen richten sich vor allem an die derzeit laufende Tarifverhandlung für den öffentlichen Dienst in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern rund sechs Prozent mehr Lohn. Das halten die Verhandlungsführer der Länder für überzogen.

Lohnausgleich und bessere Arbeitsbedingungen

Ein Lehrer hält ein Schild mit der Aufschrift "Gleiches Geld für gleiche Arbeit!" in die Luft. Andere klatschen zu den Redebeiträgen.
Hunderte Lehrer und Bedienstete haben mit Trillerpfeifen, Rasseln und Schildern in Leipzig demonstiert. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Zur Kundgebung in Leipzig waren Lehrer und Bedienstete aus der Stadt und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen aufgerufen. Verbeamtete Lehrkräfte durften an dem Protest nicht teilnehmen, da sie in Deutschland nicht streiken dürfen. So lässt es sich erklären, dass vor allem ältere Arbeitnehmer dem Aufruf der Gewerkschaften und Verbände folgten.

"Mich stört die Ungerechtigkeit, die wir alten Lehrer aushalten müssen", sagt eine Grundschullehrerin aus Kyhna. "Wir müssen eine hohe Stundenzahl erbringen und leisten in der Grundschule Schwerstarbeit, die überhaupt nicht wertgeschätzt wird." Problematisch ist, dass gerade die älteren Lehrer den jüngeren gegenüber das Nachsehen haben. Um den akuten Lehrermangel zu beheben, hat der Freistaat Sachsen damit begonnen, junge Lehrkräfte bis zum Alter von 42 Jahren zu verbeamten. Damit bekommen die Betroffenen auch mehr Geld, als die älteren Kollegen.

"Meine älteren Kollegen müssen auch die Chance haben, einen Lohnausgleich zu bekommen", sagt eine junge Gymnasiallehrerin aus Leipzig, die sich ebenfalls am Streik beteiligt hat. "Außerdem brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen. Es ist furchtbar, was teilweise an den Schulen los ist."

Ein Signal, das bis nach Dresden reicht

Gleich mehrere Gewerkschaften und Verbände hatten zur Kundgebung gebeten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Verdi, DBB Beamtenbund und Tarifunion, der sächsische Lehrerverband sowie die Gewerkschaft der Polizei. Bei den Redebeiträgen war immer wieder zu hören, dass die Altersdiskriminierung abgeschafft und die Löhne erhöht werden müssen. "Wir sorgen dafür, dass dieses Gemeinwesen funktioniert und das sollte der Gesellschaft auch sechs Prozent mehr Lohn wert sein", sagte Uwe Preuß von der GEW Sachsen. Einer von vielen Sätzen, die von der Masse bejubelt wurden. Manuela Schmidt von Verdi meinte, dass die Steuerüberschüsse von Bund und Ländern auch an die Beschäftigten weitergegeben werden müssten.

Auch junge Lehrkräfte haben sich an der Kundgebung in Leipzig beteiligt und mit Trillerpfeifen und Rasseln Lärm gemächt.
Auch junge Lehrer haben sich am Streik beteiligt. Sie fordern für ihre älteren Kollegen Lohnausgleich. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Froh über die vielen Demonstranten zeigte sich auch Ursula-Marlen Kruse, Landesvorsitzende der GEW Sachsen. "Ich bin sehr erfreut, dass so viele Kolleginnen und Kollegen unserem kurzfristigen Aufruf gefolgt sind", resümiert sie nach der knapp einstündigen Veranstaltung. Auf die Frage, ob der Protest auch bis nach Potsdam reichen würde, sagte sie MDR SACHSEN: "Das Signal reicht zumindest bis nach Dresden und dort sitzt der sächsische Finanzminister, der in Potsdam am Verhandlungstisch sitzt."

Leipzig ist nur der Auftakt einer Streikwoche in Sachsen. Bis zum Donnerstag haben die Gewerkschaften noch in Chemnitz, Zwickau, Dresden und Bautzen zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.02.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 16:00 Uhr

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