Produktion von Antriebswellen für die Automobilindustrie bei der IFA Maschinenbau GmbH in Haldensleben
IFA-Wellen sind weltweit gefragt. Nun soll das Unternehmen offenbar verkauft werden. Bildrechte: IMAGO

Autozulieferer aus Haldensleben IFA sucht offenbar neuen Besitzer

Die IFA in Haldensleben hat als Gelenkwellen-Hersteller nicht nur die Wende überlebt, sondern sich zu einem der größten Autozulieferer Europas gemausert. Nun soll das Traditionsunternehmen offenbar verkauft werden.

Produktion von Antriebswellen für die Automobilindustrie bei der IFA Maschinenbau GmbH in Haldensleben
IFA-Wellen sind weltweit gefragt. Nun soll das Unternehmen offenbar verkauft werden. Bildrechte: IMAGO

Der Automobilzulieferer IFA in Haldensleben soll verkauft werden. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Sie beruft sich auf zwei Insider. Demnach haben die Familieneigner eine Bank damit beauftragt, einen Käufer für den Gelenkwellen-Hersteller zu suchen. Die Gründe sind noch unbekannt.

Ende März war bekannt geworden, dass am Hauptsitz Haldensleben mehr als 50 Stellen abgebaut werden sollen. Die IG Metall warf IFA daraufhin vor, Managementfehler auf dem Rücken der Beschäftigten in Haldensleben auszutragen.

IFA beschäftigt derzeit weltweit 3.000 Mitarbeiter – neben Deutschland auch in den USA, China und Polen. Der Jahresumsatz des Unternehmens, das Autozulieferer weltweit beliefert, lag zuletzt bei 650 Millionen Euro.

Gewerkschaft: Verkauf wurde zuletzt bestritten

Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte einen möglichen Verkauf des Automobilzulieferers. Die Geschäftsführerin der IG Metall Halberstadt, Tatjana Stoll, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wenn sich das bewahrheitet, dann ist die Belegschaft in den letzten Wochen ganz schön hinters Licht geführt worden." Auf der Betriebsversammlung am 31. Mai habe der Geschäftsführer die Anfrage des Betriebsrats nach einem möglichen Verkauf vehement bestritten. Mit den derzeitigen Personalabbaumaßnahmen solle IFA wohl für den Verkauf hübsch gemacht werden. Die IG Metall setze alles daran, dass es für die Beschäftigten in Haldensleben keine Nachteile gebe und das vor allem die Arbeitsplätze erhalten blieben.

Betriebsrat fühlt sich überfahren

Betriebsratsmitglied Thomas Rauchbach sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag: "Die Katze ist aus dem Sack." Der Betriebsrat sei am Mittwoch auf einer Sitzung von der Gewerkschaft IG Metall über die Pressemeldung informiert worden, dass die IFA-Eigentümerfamilie einen Käufer suche: "Wir waren natürlich mächtig schockiert. Wir fühlten uns echt verarscht, verraten und verkauft." Man sei enttäuscht über die Art des Vorgehens und die Respektlosigkeit, die hier gegenüber den Beschäftigten an den Tag gelegt werde: "Umso schlimmer ist es für uns, dass bisher kein Vertreter der Geschäftsführung auf die Belegschaft oder den Betriebsrat zugegangen ist und uns weiter in der Luft hängen lässt", sagte Rauchbach weiter. Der Betriebsrat könne den Mitarbeitern deshalb auch keine Informationen geben, wie es weitergehe. Das Unternehmen hat eine schriftliche Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT vom Mittwoch auch bis Donnerstag Nachmittag nicht beantwortet. Vom Wirtschaftsministerium gab es zu dem Vorgang ebenfalls keinen Kommentar. Und aus dem Rathaus Haldensleben hieß es auf Anfrage, man beteilige sich nicht an Spekulationen.

Traditionsunternehmen aus der Börde

IFA Flaggen vor dem Betriebsgelände in Haldensleben
IFA-Werk in Haldensleben Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Wurzeln des Industrieverbands Fahrzeugbau reichen bis ins Jahr 1959, als das Unternehmen in der DDR entstand. Dort führten einst alle Fahrzeughersteller die Abkürzung IFA im Namen. 1992 kaufte die Unternehmerfamilie Nathusius den das Gelenkwellenwerk von der Treuhandanstalt und sanierte das Unternehmen. Ende 2009 übernahm die IFA Haldensleben den süddeutschen Gelenkwellenspezialisten Rotorion von Daimler und wurde damit zum europäischen Marktführer von Längswellen. 2017 strich das Unternehmen den Beinamen "Rotorion" und läuft seitdem wieder nur unter IFA.

Fall MIFA: Klage gegen von Nathusius

Von Nathusius, der zwischenzeitlich auch Geschäftsführer der MIFA in Sangerhausen war, liegt unterdessen im Clinch mit dem Insolvenzverwalter des Fahrradherstellers. Nach Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" wurde Klage eingereicht. Es geht um den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Den Angaben zufolge fordert Insolvenzverwalter Flöther im Auftrag der Gläubiger zehn Millionen Euro. Laut von Nathusius gibt es hingegen Gutachten, die den Vorwurf der Insolvenzverschleppung widerlegen.

Quelle: Reuters,MDR/ap

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Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Juni 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 20:33 Uhr