Zwei Frauen stehen in einem Geschäft an einer Kasse. Eine Verkäuferin kassiert Ware ab.
Auch sonntags shoppen zu können, finden viele bequem. Doch solche Aktionen sind wegen des Sonntagsschutzes umstritten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diskussion um Sonntagsöffnung "Mitarbeiter prügeln sich um Sonntagsarbeit"

Das Magdeburger Verwaltungsgericht hat mehreren Geschäften für das kommende Wochenende eine Sonntagsöffnung verboten. Vom Handel kommt nun Gegenwind. Vertreter können den Vorstoß von Verdi nicht nachvollziehen. Die Stadt will auf Forderungen der Gewerkschaft derweil eingehen. Die Hürden für die Genehmigung von Sonntagsöffnungen sollen demnach in Zukunft höher liegen.

Zwei Frauen stehen in einem Geschäft an einer Kasse. Eine Verkäuferin kassiert Ware ab.
Auch sonntags shoppen zu können, finden viele bequem. Doch solche Aktionen sind wegen des Sonntagsschutzes umstritten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den Magdeburger Stadtteilen Reform und Hopfengarten hatten Geschäfte für das kommende Wochenende eine Sonntagsöffnung geplant. Doch daraus wird nun nichts. Das Verwaltungsgericht hat die Öffnungen gestoppt. Grund ist die Gewerkschaft Verdi. Sie hatte sich gegen die Öffnungen eingesetzt.

Eines der betroffenen Geschäfte ist das Möbelgeschäft Maco. Die Verantwortlichen können das Verbot für die Sonntagsöffnung nicht nachvollziehen. Hausleiter Matthias Utermark sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Maco sei "kalt erwischt" worden. Die Mitarbeiter hätten sich auf diesen Tag bereits gefreut. Man werde über die Situation noch einmal nachdenken und möglicherweise gemeinsam mit der Stadt Schlüsse ziehen.

Nach Angaben von Utermark bekommen die Maco-Mitarbeiter für vier Stunden Sonntagsarbeit zwei Tage frei. Darauf müssten die Angestellten nun verzichten, das fänden sie "nicht so toll". Der Hausleiter sagte weiter, man habe verkaufsoffene Sonntage in den vergangenen Jahren immer mit Feierlichkeiten und Aktionstagen begleitet, etwa mit Natur- und Bauernmärkten oder Tanzfestivals. All das könne jetzt nicht mehr stattfinden.

Ich glaube, das ist bahnbrechend. Seit 27 Jahren haben wir die Veranstaltungen ohne Probleme durchgeführt und von heute auf morgen soll das alles nicht mehr sein. Die Frage stellt sich: Warum? Wen will man damit schützen? Möglicherweise sägt sich da auch jemand selber den Ast ab.

Matthias Utermark, Möbelgeschäft Maco

Utermark verwies auch auf die Konkurrenz zum Online-Handel. Im Internet könne rund um die Uhr eingekauft werden. Dem versuche der Einzelhandel zu begegnen. Der Maco-Hausleiter fürchtet, in diesem Jahr an keinem Sonntag öffnen zu können: "Das würden wir sehr bedauern". Man wolle sich in den nächsten Tagen mit der Stadt Magdeburg in Verbindung setzen.

Allee-Center kann wie geplant öffnen

Das Allee-Center in der Magdeburger Innenstadt ist vom Verbot der Sonntagsöffnung nicht betroffen. Gegen die dort geplante Sonderöffnung am kommenden Wochenende hat Verdi bislang nicht geklagt. Dennoch kann Center-Managerin Margaret Stange das Vorgehen der Gewerkschaft nicht nachvollziehen.

Stange sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man müsse in der Gesellschaft eine grundsätzliche Diskussion führen. Am Wochenende gehe jeder gerne ins Restaurant, Kino oder auch in den Zoo. Das seien alles Tätigkeiten, die nicht unbedingt notwendig seien. Nur das Einkaufen am Sonntag sei verboten. Diese Regelung passe nicht mehr in diese Zeit.

Die Mitarbeiter prügeln sich regelrecht darum, an einem Sonntag arbeiten zu können, weil die Bedingungen sehr lukrativ sind.

Margaret Stange, Managerin Allee-Center

Die Centermanagerin erklärte weiter, im Handel würden viele Menschen arbeiten. Für diese Menschen sei es angesichts der Konkurrenz zum Online-Handel wichtig, dass sich der stationäre Handel gut darstellen und mit Service überzeugen könne.

Gesetz über Ladenöffnungszeiten in Sachsen-Anhalt In Sachsen-Anhalt dürfen Geschäfte an höchstens vier Sonn- und Feiertagen pro Jahr öffnen. Ausgenommen sind der Neujahrstag, der Karfreitag, der Ostersonntag, der Ostermontag, der Volkstrauertag, der Totensonntag, der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sowie der Heiligabend, wenn dieser auf einen Sonntag fällt.

Voraussetzung für die Öffnung ist laut Gesetz ein besonderer Anlass. In Einzelfällen können Geschäfte auch dann öffnen, "wenn dies im öffentlichen Interesse notwendig ist".

Für anerkannte Kur- und Erholungsorte gibt es Sonderregeln, ebenso für bestimmte Branchen – etwa Bäckereien.

Gericht sieht keinen besonderen Anlass

Das Magdeburger Verwaltungsgericht begründete seine Entscheidung in einer Erklärung am Mittwochabend damit, dass Verkaufsstellen nur aus besonderem Anlass an Sonntagen geöffnet werden dürfen. Die geplanten Aktionstage der betroffenen Geschäften erfüllen die Kriterien demnach nicht. Es sei nicht erkennbar, ob die erwarteten Besucherzahlen wegen der Veranstaltungen oder wegen der geöffneten Geschäfte erwartet würden.

Das Möbelgeschäft Maco kündigte an, den für den 7. Januar geplanten Aktionstag zum Thema Gesundheit dennoch durchzuführen. Allerdings werde es wegen der Gerichtsentscheidung keine Beratung und keinen Verkauf geben. Von dem Sonntag-Verkaufsverbot sind neben dem Maco-Markt im Stadtteil Hopfengarten auch Geschäfte des Börde Parks in Magdeburg-Reform betroffen.

Stadt will auf Verdi-Forderung eingehen

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi hatte es im Jahr 2017 in Magdeburg insgesamt 13 verkaufsoffene Sonntage gegeben. Gestattet seien laut Gesetz nur vier. Die Kommune habe aber die Möglichkeit genutzt, die Genehmigungen auf verschiedene Stadtgebiete aufzuteilen. Die Stadt müsse die Anträge als Genehmigende in Zukunft genauer prüfen.

Darauf will die Stadt eingehen. Das Ordnungsamt teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Mittwoch mit, die Hürden sollten in Zukunft höher liegen. Bisher habe sich aber auch niemand an den verkaufsoffenen Sonntagen gestört und dagegen geklagt.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2018, 10:06 Uhr