13.02.2020 | 23:28 Uhr | Update Steinmeier in Dresden: Geschichtsfälschern die Stirn bieten

Kerzen, stilles Gedenken und Protest: Dresden erinnert am Donnerstag 75 Jahre nach der Bombennacht des 13. Februar an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Immer wieder klangen dabei auch Warnungen vor einem Wiedererstarken von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Nationalismus an. Auf dem Altmarkt wurde eine Gedenkveranstaltung der AfD von lautstarken Protesten begleitet. Mit dem Läuten der Kirchenglocken der Stadt ging der Gedenktag am Abend weitgehend friedlich zu Ende.

Menschenkette Gedenken Dresden
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Gedenken an die Bombardierung Dresdens vor 75 Jahren zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Gefahren wie Menschenverachtung, Antisemitismus und Rassenwahn seien bis heute nicht gebannt, sagte er am Donnerstag bei einer Gedenkfeier im Dresdner Kulturpalast.

Steinmeier und Herzog von Kent in der Menschenkette

Wir erleben, wie auch in unserem Land Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit das öffentliche Leben wieder zu vergiften beginnen, wie Rechtsstaat und demokratische Institutionen verächtlich gemacht und ihre Repräsentanten beleidigt und angegriffen werden.

Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident

Es reiche nicht, wenn Demokraten erschauerten und sich angewidert abwendeten. "Wer wider besseres Wissen historische Fakten verfälscht, dem müssen wir als Demokratinnen und Demokraten die Stirn bieten, dem müssen wir laut und entschieden widersprechen." Zugleich warnte er vor einer von Aufrechnung von Schuld. Viel zu oft und viel zu lange sei die Geschichte der Luftangriffe auf Dresden ideologisch und politisch vereinnahmt worden.

Michael Kretschmer steht während einer Kranzniederlegung auf dem Alten Annenfriedhof an einer Gedenkstätte
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Was wir miteinander, als die demokratische Mitte des Landes und dieser Stadt, leisten müssen, ist, dass es keine Umdeutung, keine Verfälschung der Geschichte gibt. Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, weil sich Geschichte dann nicht wiederholt, wenn wir sie kennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Dpa berichtet von linken Störern an der Menschenkette

Am Abend reihte sich das Staatsoberhaupt mit Tausenden Menschen in eine kilometerlange Menschenkette auf beiden Seiten der Elbe ein. Die Menschenkette, in die sich unter anderem auch der Herzog von Kent als Vertreter Großbritanniens einreihte, steht als Zeichen für Frieden und Versöhnung. Trotz Regens reichten sich um 18.00 Uhr nach Angaben der Stadt rund 11.000 Menschen die Hand, um auf beiden Seiten der Elbe einen Ring um die Innenstadt zu bilden.

Störer versuchten, das Gedenken in der Menschenkette mit Feuerwerk und Sprechchören zu behindern. Nach Angaben eines dpa-Reporters handelte es sich um linke Störer.

13.02.2020 Die Bilder des Tages - Gedenken in Dresden

In Dresden jährt sich der Angriff der Alliierten zum 75. Mal. Aus diesem Anlass gibt es in der Stadt zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Eine Auswahl davon finden Sie in unserer Bildergalerie.

Gedenken Dresden - Gegenprotest AfD
Gedenken auf dem Altmarkt - Protest gegen die AfD Bildrechte: Tino Plunert
Gedenken Dresden - Gegenprotest AfD
Gedenken auf dem Altmarkt - Protest gegen die AfD Bildrechte: Tino Plunert
Gedenken in Dresden - Altmarkt
Gedenken auf dem Altmarkt - Protest gegen die AfD Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken in Dresden - Altmarkt
Gedenken auf dem Altmarkt - AfD Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken Dresden - AfD auf dem Altmarkt
Gedenken auf dem Altmarkt - AfD Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken in Dresden
Polizeieinsatz an der Wilsdruffer Straße - Linke Demonstranten versuchen, eine Polizeieskorte zu durchbrechen Bildrechte: Tino Plunert
Gedenken Dresden - Polizeieskorte
Polizeieinsatz an der Wilsdruffer Straße - Linke Demonstranten versuchen, eine Polizeieskorte zu durchbrechen Bildrechte: Konstantin Henß
Gedenken Dresden - Sebastian Krumbiegel
Sebastian Krumbiegel auf dem Altmarkt bei einer Veranstaltung von Hope Bildrechte: Christine Reißing
Bundespräsident Steinmeier bei Gedenken in Dresden
Bundespräsident Steinmeier zu Besuch in Dresden Bildrechte: Tino Plunert
Gedenken in Dresden
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette und zünden Kerzen an Bildrechte: Tino Plunert
Gedenken in Dresden
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette Bildrechte: Tino Plunert
Menschenkette Gedenken Dresden
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette Bildrechte: xcitePRESS
Menschenkette Gedenken Dresden
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette Bildrechte: xcitePRESS
Menschenkette Gedenken Dresden
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette Bildrechte: xcitePRESS
Viele Menschen stehen Hand in Hand auf dem Dresdner Altmarkt am 13.2.2020. Sie sind Teil der Menschenkette, die still den Kriegsopfern und der Zerstörung Dresdens gedenkt.
Tausende Dresdner und Gäste bilden eine Menschenkette Bildrechte: Christine Reißing
Gedenkveranstaltung auf dem Neumarkt
Besuch des Bundespräsidenten Bildrechte: xcitepress
Dirk Hilbert auf einer Bühne
Bühne Neumarkt Bildrechte: Tino Plunert
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Glockenläuten in der ganzen Stadt

Am Abend gab es unter anderem noch eine Podiumsdiskussion im Albertinum und Gedenkkonzerte der beiden großen Orchester von Dresden. Die im Krieg zerstörte und nach der deutschen Einheit wieder aufgebaute Frauenkirche blieb als Symbol der Versöhnung zum stillen Gedenken geöffnet. Zum Zeitpunkt der ersten Angriffswelle gegen 21.45 Uhr läuteten alle Kirchenglocken in Dresden. Auf dem Altmarkt legte die AfD zum Glockenläuten Kränze für die Kriegsopfer nieder - begleitet von lautstarken Gegenprotesten aus dem linken Lager. Nach Angaben der Polizei, die die beiden Lager trennte, blieb das Gedenken bis zum späten Abend friedlich.

Die Spitze der Dreikönigskirche 1 min
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Do 13.02.2020 21:54Uhr 00:58 min

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Insgesamt wurden im Laufe des Tages zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet - eines wegen Sachbeschädigung sowie ein weiteres wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Protest linker Demonstranten auf dem Heidefriedhof

Gedenken Dresden
Protest auf dem Heidefriedhof Bildrechte: MDR/Jürgen Stiehl

Das Gedenken an die Zerstörung der Stadt hatte am Donnerstagvormittag auf verschiedenen Friedhöfen begonnen. Zum Auftakt versammelten sich rund 200 Menschen zur traditionellen Kranzniederlegung für die Opfer der alliierten Bombenangriffe auf dem Heidefriedhof im Norden der Landeshauptstadt, darunter Landtagspräsident Matthias Rößler sowie Abgeordnete von Landtag und Stadtrat. Erstmals wurden auch die Namen von 3.867 Toten der Luftangriffe verlesen.

Dagegen gab es allerdings lautstarke Proteste linker Demonstranten. Sie warfen den Organisatoren vor, mit der Lesung auch Nazi-Täter zu würdigen. "Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, weil sich Geschichte dann nicht wiederholt, wenn wir sie kennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Es sei richtig, dass junge Menschen keine Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten treffe. "Sie und wir alle tragen aber Verantwortung für einen verantwortlichen Umgang mit der Geschichte im Hier und Heute."

Der Regierungschef nahm am Morgen einer Kranzniederlegung auf dem Alten Annenfriedhof teil, bevor er Steinmeier und den Herzog von Kent begrüßte. In der Stadt gab es tagsüber auch bunten und lautstarken Protest gegen Rechtsextremisten, die immer wieder versuchen, das Gedenken für ihre Zwecke zu instrumentalisieren - in diesem Jahr etwa ist ein Marsch für Samstag durch die Innenstadt angekündigt.

Friedensengel rollen durch Dresden

Große weiße Figuren mit Flügeln auf dem Rücken stehen vor dem Kulturpalast Dresden. Die Betonfiguren sollen Freidensengel sein und stehen symbolisch für die ermordeten Juden, die durch Nazi-Terror umgekommen sind und für alle Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges. EIne dänische Künstlerin hat die Objekte am 13.2.2020 in Dresden aufgebaut.
Friedensengel in Dresden Bildrechte: Konstantin Henss

Am Donnerstag waren die "Rolling Angels" der dänischen Künstlerin Benthe Norheim an verschiedenen Plätzen der Stadt unterwegs - das Kunstprojekt steht für Hoffnung, Frieden und Trost. Einige der insgesamt 17 Engel-Betonskulpturen auf Rollbrettern tauchten am Altmarkt auf, wo Demonstranten in pinkfarbenen Kostümen gegen Nazis protestierten, lautstark mit Trommeln. Direkt gegenüber erinnerte die AfD an die Kriegsopfer.

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bombern schwer zerstört worden. Bis zu 25.000 Menschen starben im Bombenhagel und einem daraus folgenden Feuersturm.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2020 | ganztägig im Programm

MDR SACHSENSPIEGEL | 13.02.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 23:28 Uhr