Trotz Gerichtsurteil Eierlikör aus Altenweddingen bleibt wie er ist

Ein Eierlikör darf keine Milch enthalten – das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Eine Firma aus Altenweddingen in der Nähe Magdeburg will ihrer Familientradition aber treu bleiben und sucht nun einen Weg, die ursprüngliche Likörrezeptur zu behalten.

Seit Jahrzehnten produziert Familie Brandt aus Altenweddingen im Landkreis Börde ihren Likör nach alten überlieferten Vorgaben. Das soll nun nicht mehr möglich sein.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) darf Eierlikör keine Milch enthalten. Lediglich Eigelb, Eiweiß, Zucker, Honig und gegebenenfalls Aromastoffe seien erlaubt, sonst könnte der Verbraucherschutz sowie der gute Ruf europäischer Spirituosen leiden, urteilten die Richter.

Die Geschäftsführerin des Altenweddinger Geflügelhofs Braune, Antje Brandt, erklärte dagegen MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir arbeiten mit dem Rezept der Ur-Ur-Großmutter und dieses Rezept sieht vor, dass im Eierlikör Mich- und oder Sahneprodukte verarbeitet werden." Dieses Rezept habe es auch schon vor dem EuGH gegeben.

Wenn das jetzt aber anders bewertet werde, dann müsse man damit als Unternehmen umgehen und sich darauf einstellen. "Das heißt, die Aufmachung des Produkts muss anders werden", so Brandt. Sie unterstrich aber zugleich: "Von den Inhaltsstoffen und der Zusammensetzung her werden wir unser Produkt nicht verändern." Der Kunde, der bisher den Eierlikör gekauft habe, könne sich sicher sein, dass das Produkt in der Rezeptur nicht verändern werde.

Klage eines Konkurrenten

Arne Lietz
Arne Lietz hat im Europaparlament für eine Veränderung der Alkoholverordnung gestimmt. Bildrechte: IMAGO

Der Wittenberger SPD-Abgeordnete im Europaparlament, Arne Lietz, hofft, dass das Urteil auf der Basis der alten Alkoholverordnung nicht rechtskräftig wird. Er sagte MDR SACHSEN-AHALT, er hoffe für die Bäuerin, dass die neue Alkoholverordnung Europas, Milch und Sahne auch in den Eierlikör hineinnehmen zu können, rechtzeitig wirksam werde.

Eine Entscheidung darüber sei aber erst im Frühjahr 2019 zu erwarten. "Sollte der Entscheid des Gerichtes vor der neuen politischen Fassung kommen, dann tut es mir für die Bäuerin leid. Kaum auszudenken, was das für diesen Betrieb und auch andere Betriebe in Europa bedeuten würde", so Lietz.

Hintergrund der Entscheidung des höchsten EU-Gerichts war ein Streit vor dem Landgericht Hamburg. Das Unternehmen aus Altenweddingen in Sachsen-Anhalt hatte Eierliköre vertrieben, die auch Milch enthielten. Ein Konkurrent aus Brandenburg hatte dagegen geklagt.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 10:46 Uhr