Crowdfunding Spendensammlung für Storchenfamilie

Seit Jahrzehnten nisten Storche auf einem Schornstein in Pretzsch im Kreis Wittenberg. Doch nun machen sich Anwohner Sorgen: Mehrere Stürme haben Nest und Schornstein beschädigt. Mithilfe einer Spendenaktion im Internet soll der Schaden behoben werden.

Stroche in einem Nest auf einem Schornstein
Bei Stürmen wurde der Schornstein und das Nest der Störche beschädigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Pretzsch an der Elbe am Rand der Dübener Heide leben etwa 1.500 Menschen – und aktuell ein Storchenpaar und ihre drei Jungen. Sie nisten schon seit Jahrzehnten auf dem Schornstein einer alten Bäckerei, der auf dem Grundstück von Sieglinde Heede steht. Seit 1982 sind fast 70 Jungstörche in Pretzsch aufgewachsen. Heede sagt, dass es jedes Frühjahr ein Highlight für den Ort sei, wenn der Storch zurückkomme. Meist werde sie von Nachbarn darauf aufmerksam gemacht.

Sieglinde Heede und  Axel Mitzka
Sieglinde Heede und Axel Mitzka beobachten die Störche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn es stürmt, macht sich Heede Sorgen um das Storchennest auf ihrem Grundstück. Sie hofft dann, dass der Wind das Nest ihrer "Untermieter" nicht zerstört. "Man möchte ja, dass sie bleiben." Bei starken Stürmen im vergangenen November und Januar waren allerdings Teile des Nests heruntergefallen. Auch der Schornstein wurde beschädigt. Ein Stahl-Korsett soll jetzt helfen, das Nest stabiler zu machen. Aber das kostet Geld.

Naturverein hat Experiment gestartet

Die nötigen knapp 2.500 Euro sollen nun durch Spenden zusammenkommen – und zwar über eine Online-Spendensammlung: durch Crowdfunding. Axel Mitzka vom Naturpark Dübener Heide hatte die Idee dazu: "Crowdfunding kommt ja eher aus der Kunst- und Kulturszene; aus dem urbanen Raum und den Großstädten", sagt er. Daher habe sich der Naturverein die Frage gestellt, ob Crowdfunding auf dem Dorf und für den Naturschutz überhaupt funktionieren könne.

Andererseits ist der Storch ein Sympathieträger, der bekanntlich den Frühling, das Glück und natürlich die Kinder bringe. "Wenn es beim Storch nicht funktioniert, wie soll es dann woanders funktionieren", fasst Mitzka zusammen.

Naturschutz soll Spaß machen

Der Erfolg gibt seiner Vermutung Recht: Schon jetzt sind mehr als 1.700 Euro gespendet worden, vor allem von Spendern aus der Region. Mitzka sieht im Crowdfunding ein Zukunftsmodell für den Naturschutz: "Naturschutz soll Spaß machen und ich soll auch mithelfen können, Dinge umzusetzen", sagt er. Das Schlagwort sei "Selbstwirksamkeit": "Ich kann mit meinen 20 Euro helfen, dass es hier am Storchennest besser wird."

Im August werden sich die Störche wieder Richtung Süden aufmachen. Wenn alles klappt, soll ab September mit den Spenden der Schornstein und damit das Storchennest abgesichert werden. Im nächsten Jahr könnte dann eine grundsanierte "Wohnung" auf Meister Adebar und Co. warten.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Juli 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2018, 16:24 Uhr