Erfurt-Marbach Baubeginn für Moschee frühestens 2019

Der erste Neubau einer Moschee in Thüringen kann errichtet werden. Nach Angaben der Gemeinde der Ahmadiyya Muslim Jamaat hat das Bauamt der Stadt Erfurt den Bauantrag für ein Grundstück im Ortsteil Marbach genehmigt. Allerdings rechne die Gemeinde nicht vor Ende dieses Jahres mit dem Baubeginn, sagte der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Uwe Wagishauser, am Freitagabend in Erfurt.

"Wir haben mehrere Bauprojekte in Deutschland. Da müssen wir Prioritäten setzen", sagte Wagishauser. Die haben laut Wagishauser zunächst die beiden Moscheen in Fulda und Wiesbaden, da diese Gemeinden mehr Mitglieder hätten als die in Erfurt. Da beiden Gotteshäuser etwa 1,5 Millionen Euro kosten sollen, sei das Erfurter Projekt auch eine Frage der verfügbaren Mittel. Die Ahmadiyya-Gemeinde finanziert die Neubauten vollständig aus Spenden. Auch der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen, Suleman Malik, erklärte, die Erfurter Moschee werde nicht vor dem geplanten Neubau in Leipzig errichtet. Vielmehr sollten die Gotteshäuser parallel entstehen. In Leipzig liegt allerdings noch keine Baugenehmigung für den Neubau im Stadtteil Gohlis vor.

Nach Angaben der Ahmadiyya-Gemeinde ist der Moscheebau von der Stadt Erfurt mit Auflagen genehmigt worden. Dazu zähle, dass die komplette Dachfläche begrünt werden soll. Außerdem muss die Gemeinde das Gelände umzäunen und Grünanlagen anlegen. Unverändert geblieben seien ein rund acht Meter hohes Zierminarett ohne Lautsprecher und eine Kuppel mit dreieinhalb Metern Durchmesser. Für den Bau mit zwei Gebetsräumen und einer Wohnung für den Imam rechnet die Gemeinde in Erfurt mit Baukosten in Hohe von 650.000 Euro.

Geteiltes Echo auf Baugenehmigung

Das Echo auf die erteilte Baugenehmigung ist geteilt. So begrüßt etwa die Landesregierung die Entscheidung für den Moscheebau in Erfurt. Regierungssprecher Günter Kolodziej sagte, das Gotteshaus werde die religiöse Vielfalt in Thüringen bereichern. Jeder Glaube brauche Räume und Orte, um sich betätigen zu können. "Das gilt gleichermaßen für Kirchen, Synagogen, Moscheen und buddhistische Tempel", so der Regierungssprecher.

Auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland äußerte sich zustimmend: "Wir begrüßen die Entscheidung für den Moscheebau", sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann. Man hoffe, dass nun Ruhe in die Debatte um die Moschee komme und auch die Gegner gegenüber der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit Respekt zeigen. "Denn unsere Verfassung ist hier eindeutig: Religionsgemeinschaften haben das Recht auf die freie Ausübung ihrer Religion. Dieses Recht gilt selbstverständlich auch, wenn sich Religion in Architektur ausdrückt", sagte die Bischöfin.

Marion Walsmann CDU Erfurt Oberbürgermeisterwahl
CDU-Kreisvorsitzende Marion Walsmann Bildrechte: dpa

Ganz anders sehen das CDU und AfD. So sagte die CDU-Kreisvorsitzende Marion Walsmann: "Wir bedauern die heute bekanntgewordene Entscheidung zum Moschee-Neubau im Ortsteil Marbach sehr." Oberbürgermeister Bausewein habe die Chance einer Vermittlung zwischen den berechtigten Interessen und Sorgen der Bürger und den Wünschen der Gemeinde verpasst, sagte Walsmann. Nun hätten sich alle Bemühungen erübrigt, mit den Bürgern nach einem Kompromiss zu suchen. Walsmann warnte: "Den gesellschaftlichen Frieden in unserer Stadt erhält man nicht gegen den Willen der betroffenen Bürger."

Auch der Vize-Landessprecher der Thüringer AfD, Stefan Möller, äußerte sich ähnlich. Die rot-rot-grüne Rathauskoalition wolle Islamisten eine Moschee in Erfurt bauen lassen - gegen den Willen der Erfurter, gegen den Naturschutz und gegen den gesunden Menschenverstand, sagte er. Hier zeige sich auch auf kommunaler Ebene die Bereitschaft von SPD, Linken und Grünen, "unser Land und unsere Werte der multikulturellen Einwanderung vollständig zu opfern".

Seit Monaten Proteste gegen Moscheebau-Pläne

Gegen den Bau in einem Gewerbegebiet im Norden Erfurts hatte es seit Bekanntwerden der Baupläne im Mai 2016 Auseinandersetzungen gegeben. So wurden auf dem vorgesehenen Grundstück Teile von Tierkadavern abgelegt. In unmittelbarer Nähe errichtete eine Gruppe mit dem Namen "Bürger für Erfurt" gemeinsam mit dem Verein "Ein Prozent" mehrere überdimensionale Holzkreuze. Zu den Gründungsmitgliedern und Unterstützern von "Ein Prozent" gehören Vertreter der sogenannten Neuen Rechten, Rechtsextremisten und Mitglieder der AfD. "Bürger für Erfurt" wurde von der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag unterstützt. Der Ortsteil Marbach gilt in der Frage des Moscheebaus als gespalten.

Die Ahmadiyya-Gemeinde ist seit 1922 aktiv und gilt als älteste muslimische Gemeinde Deutschlands. Ihre rund 40.000 Mitglieder sind auf etwa 220 Gemeinden verteilt. Es gibt bereits mehr als 50 Moscheen. Die Ahmadiyya gilt als Reformbewegung innerhalb des Islam. Hessen hat der Ahmadiyya-Gemeinde 2013 den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts verliehen. Hamburg vollzog den Schritt 2014.

Quelle: epd/MDR THÜRINGEN / epd / dpa

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Januar 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 20:27 Uhr

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