Paket
Viele Pakete werden vom Kunden wieder zurück gesendet. Bildrechte: Colourbox

Onlinehandel Jede achte Bestellung wird zurückgesendet

Online bestellen ist einfach, meist genügen wenige Klicks. Auch Rücksendungen sind nicht schwierig. Insgesamt geht jede achte Onlinebestellung als Retoure zurück. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom. Noch vor zwei Jahren war es nur jedes zehnte Paket. Doch was passiert eigentlich mit den Rücksendungen?

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

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Viele Pakete werden vom Kunden wieder zurück gesendet. Bildrechte: Colourbox

Ob Kleider, Oberteile oder Schuhe: Kerstin Heinrich* bestellt gern im Internet. "Wir wohnen in einer Kleinstadt. Da hat man nicht so die Gelegenheit, mal eben nach der Arbeit shoppen zu gehen. Dafür muss man sich immer einen Tag freinehmen und in die Stadt fahren. Das ist halt sehr aufwendig."

Deswegen kauft die 28-Jährige viel online. Gerade bei Kleidung gehe davon aber auch allerhand wieder zurück, sagt sie. Das Problem sei, dass die Kleidungsmarken unterschiedlich ausfielen. "Ich weiß nie, ob mir die 38 passt. Das liegt auch an den Herstellern."

Was passiert mit Rücksendeware?

Wird ein Stück zurückgesendet, dann muss der Händler prüfen, ob es noch neuwertig ist. Oliver Prothmann ist Präsident des Bundesverbands Onlinehandel, er vertritt vor allem Mittelständler. Nach seinen Worten kostet die Rücksendung den Händler vor allem Zeit und Geld, manchmal sogar mehr, als das Produkt selbst kostet.

DHL-Paket auf Förderband
Zurückgesendete Ware wird nur selten weggeworfen. Bildrechte: dpa

Die Ware werde zunächst vom Händler gekauft, erklärt Prothmann. Dann werde die Ware an den Käufer verkauft, hinzu kämen Versandkosten. "Dann kommt die Ware zurück. Auch diese Kosten trägt manchmal der Händler. Und dann gibt es noch die Kosten, um diese Ware wieder aufzubereiten, um sie wieder zu verkaufen."

Schätzungsweise zehn Euro kostet eine Rücksendung durchschnittlich. Und je günstiger das Produkt, desto weniger lohne sich das Aufarbeiten, sagt Prothmann. Trotzdem sei der Anteil weggeschmissener Ware so gering, dass er nicht mal gemessen werde.

Versandhändler Otto: Nichts wird weggeworfen

Beim Onlinehändler Otto könne die "ganz große Mehrheit" der retournierten Waren wieder zum Verkauf angeboten werden, erklärt Otto-Pressesprecher Nick Marten. Wenn nötig, würden Kleidungsstücke auch gereinigt – zum Beispiel, weil beim Anprobieren Schminke am Kragen gelandet sei.

Das Logo der Otto Group an der Konzernzentrale in Hamburg
Der Otto-Versand verwertet Rücksendeware immer weiter. Bildrechte: dpa

Nur ein geringer Prozentanteil der Rücksendungen könne nicht mehr in neuwertigen Zustand gesetzt werden. Diese Ware werde dann über spezialisierte Betriebe weiterverwertet. Weggeworfen werde bei Otto nichts, beteuert der Sprecher.

Onlinehändler Amazon hingegen soll ZDF-Recherchen zufolge massenhaft Rücksendungen vernichtet haben. Und das, obwohl Herstellung und Transport der Produkte viel Geld kosten.

Verantwortung liegt auch bei den Kunden

Julia Miosga vom Branchenverband Bitkom kritisiert das Verhalten von Amazon. Rücksendungen kosteten viel Geld und Ressourcen. "Es wird natürlich auch immer über die Verantwortung der Wirtschaft gesprochen."

Aber die Verantwortung liegt natürlich auch bei mir selber. Immer zu hinterfragen: Wie ist mein eigenes Verhalten eigentlich?

Julia Miosga, Bitkom

Laut Bitkom-Umfrage plant jeder zweite Kunde von vornherein, Teile seiner Bestellung wieder zurückzuschicken. Eine Lösung könnten noch detailliertere Fotos und Größenangaben sein - oder eben etwas Enthaltsamkeit beim Onlineshopping.

*Name geändert

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 05:00 Uhr