Was richtet Covid-19 im Körper an?

Selbst nach einem Jahr Pandemie ist vielen noch nicht klar, welche Schäden der Sars-CoV-2-Erreger verursachen kann. Hier die Übersicht.

Coronavirus, umgeben von anderen Krankheitserregern
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Bei rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland ist inzwischen eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Erreger nachgewiesen worden. Rund 55.000 davon sind gestorben, manche „mit“ und viele „an“ Corona. Ein Blick auf die Zahlen macht klar, dass längst nicht jede Infektion einen schweren Verlauf nimmt. Doch wenn das der Fall ist, dann haben Mediziner auch nach einem Jahr Pandemie und all den Erfahrungen, die sie in dieser Zeit gesammelt haben, Schwierigkeiten, die Erkrankung in Schach zu halten – und das hat damit zu tun, wie massiv das Virus in diesen Fällen im Körper wütet.

Prinzipiell lässt sich eine Covid-19-Erkrankung in drei Phasen einteilen. Nachdem der Sars-Cov-2-Erreger in den Körper gelangt ist, bringt er zunächst die Zellen in den Schleimhäuten von Mund und Nase dazu, zahllose Kopien von ihm herzustellen. Dabei werden die Körperzellen unter der Last der Kopierarbeit irgendwann zerstört. Die Viren werden freigesetzt und greifen weitere Zellen an. Die Vervielfältigung nimmt Fahrt auf. Der Infizierte ist zu dieser Zeit ansteckend, auch wenn er davon gar nichts weiß.

Wenn er Symptome spürt, fühlt sich der Patient in dieser Phase womöglich etwas angeschlagen, aber dramatisch ist das alles noch nicht. Vielleicht ein bisschen Fieber, vielleicht ein bisschen Husten. Auch Geruchs- oder Geschmacksverlust sowie Kopf- und Gliederschmerzen gelten als klassische Covid-Symptome.

Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren

Die Mehrzahl der Fälle bleibt in diesem Stadium. Die Symptome zeigen vor allem, dass das Immunsystem aktiv ist, um die Eindringlinge zu vernichten. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass ihnen das auch gelingt: Im Idealfall sind die Betroffenen so isoliert, dass sie niemanden anstecken - und ihr Immunsystem bekommt die Sache nach und nach in den Griff. Dann können sie die Krankheit hoffentlich ohne größere Blessuren auskurieren.

Dramatischer wird es, wenn sich das Virus aus dem Rachen ausbreitet und die Lunge befällt. Das passiert - wenn es denn passiert - etwa acht bis zehn Tage nach der Infektion. Die Patienten entwickeln dann eine massive Lungenentzündung. Flüssigkeit sammelt sich im Lungengewebe, außerdem bilden sich große Mengen Schleim, der nicht mehr abfließen kann. Die Organe können so nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden. Im Krankenhaus sollte man diesen Patienten helfen können, unter anderem in dem sie Sauerstoff erhalten.

Bei der künstlichen Beatmung wird dem Patienten über einen Schlauch im Hals hochkonzentrierter Sauerstoff zugeführt. Das geht auch mit einer Maske, dann nennt man es nicht-invasive Beatmung

erklärt der Lungenfacharzt Wolfgang Schütte vom Krankenhaus Martha-Maria in Halle.

Ein Arzt in Schutzkleidung
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Bei einem Teil der Patienten verschlechtert sich die Lage aber weiter. Bei ihnen versucht das Immunsystem einen verzweifelten und fatalen Gegenangriff. Die Folge sind Entzündungen verschiedenster Organe. Auch das Herz-Kreislaufsystem ist schwer belastet. Der Erreger kann verschiedene Organe auch direkt angreifen, so etwa Herz, Blutgefäße, besonders oft die Niere, aber auch Darm - und das Gehirn.

Auch Herzinfarkte können ausgelöst werden

Auch Thrombosen können auftreten, also Verstopfungen wichtiger Blutgefäße. In der Lunge droht eine Embolie, im Hirn ein Schlaganfall. Die wohl größte Gefahr aber gibt es für das Herz:

Die Entzündung, die Inflammation im Körper, kann Herzinfarkte triggern und auslösen

Diese Erkrankten müssen auf jeden Fall auf der Intensivstation behandelt werden. Ihr Risiko zu versterben ist beachtlich. Ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für solch einen schweren Verlauf. Das ist auch der Grund, warum sie bei der Impfung jetzt als erste dran sein sollen. Doch auch junge Patienten ohne Vorerkrankungen können schwere Verläufe entwickeln. Warum das so ist, ist noch immer nicht klar – womöglich sind bei ihnen aber größere Virusmengen direkt in die Lunge gelangt, ohne den Umweg über Mund und Nase.

Massive Langzeitfolgen drohen

Und auch wer die Erkrankung scheinbar mit nur leichten Blessuren übersteht, ist vor Langzeitfolgen nicht gefeit. Der Problemkreis wird unter dem Begriff „Long Covid“ zusammengefasst. Teils monatelang leiden Patienten unter Atemproblemen, Müdigkeit und Schmerzen und sind nicht belastbar. Diese Menschen klagen oft darüber, dass sie ihren Alltag nicht mehr ohne weiteres bestreiten können - oder sich erst Schritt für Schritt wieder herantasten müssen.

Was bei Covid schon früh aufgefallen ist, ist, dass viele Menschen auch nach mehreren Wochen noch über anhaltende Symptome berichtet haben. Das häufigste genannte Symptom war die Fatigue

sagt auch die Immunologin Carmen Scheibenbogen von der Charité Berlin. Fatigue nennt man eine krankhafte Erschöpfung.

Eine Person bekommt eine Impfung mit einer Impfspritze, in der sich der Impfstoff Comirnaty ( BNT162b2, Biontech / Pfizer ) befindet, in den Oberarm gespritzt.
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Und das bedeutet: Spätestens, weil sie von „Long Covid“ betroffen sein können, müssen sich auch junge Leute und Menschen ohne Vorerkrankung Gedanken um Covid-19 machen. Andererseits: Wer sich nicht infiziert, muss auch keine Angst vor Langzeitfolgen haben. Und dabei helfen die nervigen Corona-Regeln. Und vor allem - wenn man mal dran ist - die Impfung.