Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Bildrechte: Bundesforst

Wölfin in Thüringen Werden Lebendfallen für die Wolfmischlinge eingesetzt?

Es gibt immer noch keine Lösung für die Mischwölfe in Ohrdruf in Thüringen. Die Hybriden aus Wolf und Hund sollen bislang dutzende Schafe und Ziegen gerissen haben. Es wird diskutiert, die Wölfe abzuschießen. Jetzt kommt das Umweltministerium in Erfurt mit einer neuen Idee: eine sogenannte Lebendfalle.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Bildrechte: Bundesforst

Schon seit Wochen wird über die Wolfsmischlinge in Ohrdruf diskutiert. Thüringens einzige nachgewiesene Wölfin mit einem Revier rund um den Bundeswehrübungsplatz in Ohrdruf hatte sich mit einem Haushund eingelassen. Ihr sechsköpfiger Mischlingsnachwuchs soll nun des Artenschutzes wegen aus der freien Wildbahn entfernt werden: Entweder kommen die Tiere in ein Gehege oder sie werden getötet. Das Umweltministerium tendiert aktuell dazu, die Wolf-Hund-Mischlinge möglichst nicht abzuschießen. Laut Ministerium werde eine Lebendentnahme präferiert, um sowohl Artenschutz als auch Tierschutz gerecht zu werden. Dennoch sei die Tötung der Tiere noch nicht vom Tisch.

Lebendfallen für die Wolfmischlinge?

Mitte Oktober hatte die Europäische Union grünes Licht für die sogenannten Soft Catch Traps signalisiert. Dabei handelt es sich um Tellereisen mit Kunststoffpolstern an den Bügeln. Tiere sollen so weitgehend unverletzt festgehalten werden. Weil die Fallen als normale Tellereisen eingestuft werden, sind sie in der EU aus Tierschutzgründen bislang verboten. Sie bestehen aus zwei Bügeln, die breit aufgespannt werden. Tritt ein über Köder angelocktes Tier hinein, schlagen die Bügel zusammen - was bei den alten, mitunter sogar gezahnten Modellen zu schwersten, qualvollen Verletzungen führt.

Die Soft Catch Traps hingegen seien eine harmlose Methode, um die Tiere zu fangen, erklärte der Wolfexperte des Nabu Thüringen, Silvester Tamás. Sie sendeten zudem Signale, wenn sie zuschnappen. So könne innerhalb einer halben Stunde jemand vor Ort sein. Allerdings könnten auch andere Tiere hineintreten.

Wir wünschen uns, dass man so schnell wie möglich handelt, damit die Tiere aus der Landschaft raus kommen. Aber Entnahme heißt nicht gleich Abschuss.

Silvester Tamás, NABU

Vor allem im Sinne des Artenschutzes sei es wichtig, die Wolfs-Hybride aus der Natur zu nehmen. Auch die Schäfer würde es freuen. Dem Vorwurf die Wölfin und ihre Jungen seien bisher zu sanft behandelt worden, wiederspricht Tamás jedoch:

Wenn man den Herdenschutz richtig macht, funktioniert wer. Sachsen ist ein gutes Beispiel. Dann geht der Wolf auch nicht in die Herden. Wenn Schafe schlecht geschützt sind, das ist natürlich eine Einladung für die Wölfe.

Was mit den Wolfmischlingen passiert, sollten sie mit den Lebendfallen gefangen werden, ist derzeit noch nicht klar.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 07. November 2017 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2017, 16:46 Uhr

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