Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Bildrechte: Bundesforst

Wolfshybriden in Thüringen Halb Wolf, halb Hund, bald tot?

In Ohrdruf in Thüringen hat eine Wölfin von einem Hund sechs Junge bekommen. Die Kleinen müssen wahrscheinlich getötet werden, aus Artenschutzgründen.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Bildrechte: Bundesforst

Die Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen sorgt wieder für Trubel. Sie hat sechs Junge bekommen. Allerdings sind es Wolf-Hund-Mischlinge. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) empfiehlt, die Jungen zu entnehmen.

Juristisch komplizierte Prozedur

Hintergrund sind vor allem Artenschutzüberlegungen. Der Genpool des Wolfs soll möglichst rein bleiben. Mischlinge würden die Hundegene über Generationen weitergeben. Deshalb nun die geplante "Entnahme". Allerdings unterliegen auch die Mischlinge dem Artenschutzabkommen, weshalb die Entnahme juristisch kompliziert ist.

Wolf läuft in Fotofalle
Die Wölfin aus Ohrdruf in der Fotofalle. Bildrechte: NABU Thüringen

Wie genau diese Maßname aussehen soll, ist noch völlig offen, erklärt Petra Kahle, eine Sprecherin des Thüringer Umweltministeriums. "Entnahme bedeutet nicht zwangsläufig erschießen." Was genau getan werden soll, berät das Umweltministerium gerade mit noch mit dem Wolfskompetenzzentrum, der Landesanstalt für Umwelt und Geologie, dem Bundesforst und der Bundeswehr, der das Gelände gehört, auf dem die Wölfin und die Welpen zu Hause sind. Wann eine Entscheidung fällt, sei ebenfalls noch offen.

Ein Abschuss scheint wahrscheinlich

Trotz allem wird es wohl auf den Abschuss der Welpen hinauslaufen. Das Umweltministerium sprach in einer Pressemitteilung vor zwei Wochen schon von einer "letalen Entnahme", also der Tötung der Jungtiere. Erfahrungen aus Sachsen hätten gezeigt, dass die Betäubung der Mischlinge und ihr Transport in ein Gehege keine Alternative sei. Die Tiere in Sachsen hätten unter der Gehege-Haltung sehr gelitten.

Allerdings hätten sich beim Ministerium auch Leute gemeldet, die "meinen Erfahrung mit sowas zu haben" und die angeboten hätten, die Tiere bei sich aufzunehmen.

Petitionen gegen den Abschuss

Unterdessen haben Tierschützer mehrere Petitionen auf den Weg gebracht, mit denen sie verhindern wollen, dass die Tiere abgeschossen werden. Ein Vorschlag sieht vor, die Welpen zu kastrieren und dann wieder in Freiheit zu entlassen. Aus Sicht des Umweltministeriums ist das schwierig, weil Erfahrungen aus anderen Ländern gezeigt hätten, dass Wolf-Hund-Mischlinge weniger Scheu vor Menschen hätten und deutlich aggressiver seien.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 25. Oktober 2017 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 10:35 Uhr