Einbrecher bei Einbruch in Wohnhaus
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Studie Einbrecher verraten, worauf sie achten

Zwei Wissenschaftlerinnen haben mit verurteilten Einbrechern gesprochen und untersucht, wie die Täter vorgehen, wonach sie ihre Ziele aussuchen und wie man sich am besten schützen kann.

Einbrecher bei Einbruch in Wohnhaus
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Die Kriminalstatistik der Polizei war in den vergangen Jahren ernüchternd, was Wohnungseinbrüche angeht. Von 2006 bis 2015 gab es einen Anstieg um 57,52 Prozent. Die Aufklärungsquote ist mit 15 Prozent eher gering. Noch geringer sind jedoch die tatsächlichen Verurteilungen: In nur 2,6 Prozent der Fälle wurde ein Einbrecher von einem deutschen Gericht verurteilt.

Gerade weil so wenig Täter ermittelt werden, weiß man oft wenig über sie. Die Soziologinnen Gina Rosa Wollinger und Nadine Jukschat vom Kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen haben nun mit 30 verurteilten Tätern ausführliche Interviews geführt. Die Ergebnisse haben sie in ihrer Studie "Reisende und zugereiste Täter des Wohnungseinbruchs" veröffentlicht.

Der Einbruch

Gelegenheit schafft Diebe - diese platte Wahrheit trifft tatsächlich auf den Großteil der Täter zu. Die Suche nach der günstigen Gelegenheit sei ein zentraler Aspekt, erklärt Soziologin Wollinger.

Täter sehen mit einem Blick, ob ein Fenster offen steht oder gekippt ist. Beliebt sind auch billige Kunststofffenster und -türen, da diese sich leicht aufhebeln lassen, wenn sie keine zusätzliche Sicherung haben. Es wird auch überprüft, zum Beispiel durch Klingeln an der Haustür, ob jemand zu Hause ist:

Das sind alles Faktoren, die dem Einbrecher zeigen: Hier kann man sehr schnell die Tat durchführen. Und eine schnelle, leise Tatdurchführung bedeutet auch immer: Das Entdeckungsrisiko ist gering.

Natürlich möchte der Einbrecher nicht erwischt werden. Die Angst davor, dass gleich jemand nach Hause kommt, führt oft auch zur Verwüstung der Wohnung:

Primär geht es den Tätern darum, etwas zu finden, was sie klauen können und nicht Vandalismus anzurichten. Aber da sie so unter Zeitdruck stehen, bleiben Verwüstungen oft nicht aus.

Neben dem Aspekt der "günstigen Gelegenheit" spielt auch die Aussicht auf lukrative Beute eine Rolle. Manche Täter arbeiten auch mit Auftraggebern, die ihnen Tipps geben.


Die Täter

Wollinger und Jukschat unterscheiden in drei verschiedene Tätertypen.

Ein Einbrecher versucht durch ein offenes Fenster mit einer Brechstange einzubrechen
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1. Einbruch aus der Not heraus

1. Einbruch aus der Not heraus

Zum einen gibt es den Täter, der aus einer materiellen Not heraus handelt, erklärt Wollinger. Er schafft es nicht auf legalem Weg sein Leben zu finanzieren. Der Einbruch sichert ihm seine Grundversorgung: "Ihm geht es vor allem darum, dass er sein Lebensunterhalt damit finanzieren möchte. Kein luxuriöses Leben, sondern einfach über die Runden kommen."

Ein maskierter Mann, hebelt mit eine Kuhfuß ein fenster auf.
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2. Einbruch als einfacher Weg zu schnellem Geld

2. Einbruch als einfacher Weg zu schnellem Geld

Ein zweiter Tätertyp ist da ganz anders. Wollinger bezeichnet ihn als "Einbruch als einfacher Weg zum schnellen Geld". Er macht Wohnungseinbrüche, um sich einen luxuriösen und extravaganten Lebensstil zu finanzieren. "Diese Täter haben früh gemerkt, dass man mit Wohnungseinbruch innerhalb kurzer Zeit sehr viel Geld bekommen kann", so Wollinger.

Einbrecher öffnet im Schutz der Dämmerung eine Wohnungstür.
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3. Einbruch als "Beruf"

3. Einbruch als "Beruf"

Der dritte Tätertyp ist der Professionellste. Er sieht Einbrecher als Beruf und zieht das ganze so professionell und geschäftlich auf, wie es geht. Er hat sogar "Lehrlinge", denen er sein "Handwerk" beibringt und gegebenenfalls auch Auftraggeber, für die er gezielt Sachen stiehlt.

Und was ist mit Banden? Die in der Studie befragten Täter agierten vor allem als Einzeltäter und allenfalls in "losen Netzwerken", Banden waren bei der Befragung nicht dabei. Die Studie sei nicht repräsentativ, betont Wollinger, aber sie gebe einen guten Einblick in die Handlungslogik von Tätern und liefert viele Hintergründe.


Der Schutz

Das Beste, das man machen kann, um sich vor Wohnungseinbrüchen zu schützen, ist, es dem Einbrecher besonders schwer zu machen in die Wohnung zu kommen, erklärt Wollinger:

Zusätzliche mechanische Sicherungen, zusätzliche Türschlösser, zusätzliche Fensterschlösser. Und dann kann man auch einiges dafür tun, damit die Wohnung nicht verlassen aussieht, zum Beispiel mit der Nachbarschaft Kontakt aufnehmen, wenn man in den Urlaub fährt, damit der Briefkasten gelehrt wird.

Kleine Maßnahmen, die direkt etwas bewirken können. Das beweist auch die Statstik. Denn schaut man auf die Zahlen, gibt es einen kleinen Lichtblick: Von 2015 auf 2016 gab es einen Rückgang von Wohnungseinbrüchen um knapp 10 Prozent. Für Wollinger ist das ein Zeichen dafür, dass Prävention wirkt. Wer seine Wohnung zusätzlich schützt, ist sicherer.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Abend | 15.06.2017 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 14:20 Uhr

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