Winterreifenwechsel in der Werkstatt
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Sieben-Grad-Regel für Winterreifen Sind Autofahrer verpflichtet, bei sehr niedrigen Temperaturen am Morgen Winterreifen aufzuziehen?

Noch ist nicht mal offiziell Herbst und trotzdem ist es morgens schon richtig kalt. Die Temperaturen liegen oft deutlich unter der Sieben-Grad-Marke. Die kennen viele Autofahrer als Richtwert für den Reifenwechsel. Kann sich die Versicherung quer stellen, wenn man bei unter sieben Grad mit Sommerreifen einen Unfall verursacht?

Winterreifenwechsel in der Werkstatt
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Situative Winterreifenpflicht

In Deutschland hat der Gesetzgeber eine situative Winterreifenpflicht festgelegt. Das bedeutet, es muss mit Winterreifen gefahren werden, wenn die Witterungsverhältnisse es erfordern. Cornelius Blanke vom ADAC Hessen-Thüringen sagt:

Wenn Glatteis, Schnee, Schneematsch, Eis oder Reifglätte herrschen, darf ich keine Sommerreifen nutzen. Dann muss ich mit Winterreifen fahren oder den Wagen stehen lassen.

Entscheidend sei das M+S-Zeichen auf der Flanke des Reifens. Wer ohne die entsprechende Ausrüstung unterwegs ist, wird im Ernstfall mit bis zu 120 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft. Anders herum dürfen Autofahrer an einem sehr warmen und trockenen Tag im Januar auch problemlos mit Sommerreifen fahren.

 Sieben-Grad-Marke

Autofahrer wissen es: Fallen die Temperaturen dauerhaft unter sieben Grad, fahren sie mit Winterreifen oder auch Ganzjahresreifen deutlich sicherer. Unser Experte sagt:

Die Marke hat die Reifenindustrie als Richtwert eingeführt. Um deutlich zu machen: Bei ungefähr sieben Grad wird es so kalt, dass sich das Gummi des Sommerreifen auch langsam verhärtet.

Bei solch tiefen Werten sei die Bodenhaftung von Sommerreifen einfach nicht mehr gut genug. Für die Polizei spielt der Richtwert aber keine Rolle. Sie wird also selbst an einem bitterkalten Morgen ohne Schnee keine Bußgelder wegen fehlender Winterreifen verhängen. ADAC-Experte Blanke wechselt privat grundsätzlich am ersten Oktober auf Winterreifen, um sich möglichen Ärger mit überlasteten Werkstätten zu ersparen.

Riskieren Autofahrer mit Sommerreifen ihren Versicherungsschutz?

In vergangenen Wintern hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mehrfach darauf hingewiesen: Autofahrer haben auch dann Haftpflichtschutz, wenn sie mit Sommerreifen unterwegs sind. Die Haftpflicht springt ein, wenn Autofahrer ein fremdes Fahrzeug beschädigen. Die Aussage der Versicherer gilt nicht nur bei Tiefschnee und Glatteis sondern auch für bitterkalte Herbstmorgen.

Unfall mit Sommerreifen wird vor Gericht verhandelt

Sicher unterwegs: Bei Schnee mit Winterreifen.
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Anders sieht es beim Vollkaskoschutz aus, der für Schäden am eigenen Auto gilt. Hier können Versicherer durchaus Zahlungen kürzen, wenn am Fahrzeug trotz Schnee noch Sommerreifen aufgezogen sind. Darauf weisen Verkehrsrechts-Experten hin und zitieren einen Fall vom Amtsgericht Papenburg (AZ: 20 C 322/15). Das musste entscheiden, ob ein Autofahrer nach einem Unfall den kompletten Schaden oder nur einen Teil ersetzt bekommt. Die Versicherung wollte nur 50 Prozent der Schadenssumme übernehmen, weil der Mann bei zwei Grad und trockener Straße mit Sommerreifen unterwegs war. Die Richter sahen keine grobe Fahrlässigkeit des Autofahrers und wiesen die Versicherung an, die volle Schadenssumme zu übernehmen. Offen bleibt, ob die Richter bei schlechteren Straßenbedingungen mit Schnee oder Schneeregen anders entschieden hätten.

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP Morningshow | 21.09.2017 | 5:50 Uhr

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