Eine junge Frau schaut traurig durch eine regennasse Fensterscheibe.
Bildrechte: Colourbox.de

Nach dem Tod von Chester Bennington Wie kann man Freunden oder Verwandten mit Depressionen helfen?

Der Tod von Chester Bennington hat Fans weltweit geschockt. Der Sänger hatte immer wieder offen über seinen Kampf gegen Depressionen gesprochen. Jetzt wurde mit dem Segen seiner Ehefrau ein Video veröffentlicht, in dem der Sänger mit seiner Band lachend, singend und offenbar glücklich durch Los Angeles fährt. Nur eine Woche später war Chester Bennington tot.

Eine junge Frau schaut traurig durch eine regennasse Fensterscheibe.
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Im jetzt veröffentlichten Video sitzt der Linkin Park-Sänger am Steuer eines Autos und fährt seine Band und Comedian Ken Jeong durch Los Angeles. Sie singen laut die Hits der Band, reden über das Leben und reißen Witze. Nur Woche später ist Chester Bennington tot. Er hat sich offenbar wegen Depressionen das Leben genommen. Beides passt scheinbar überhaupt nicht zusammen.

Depression kann jeden treffen

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe engagiert sich in der Aufklärung rund um Depressionen. Nicole Koburger ist Psychologin und stellvertretende Geschäftsführerin dieser Stiftung. Sie sagt:

Was viele nicht wissen, dass Suzidgedanken und -versuche sehr eng mit der Erkrankung Depression verbunden sind. Es ist also ein Symptom von der Depression. Und wir möchten, dass das bekannter wird.

Bekanntheit soll helfen, dass Depressionen früh erkannt werden, damit schnell die geeignete Hilfe geleistet werden kann. So sollen Leben gerettet werden, denn eine Depression kann jeden treffen.

Das kann der Nachbar von nebenan sein, der erfolgreiche Geschäftsmann, ein Politiker. Auch Kinder können schon betroffen sein und Jugendliche. Aber auch alte Menschen. Man kann nicht sagen: Diese Person bekommt eine Depression, sie ist besonders anfällig.

Auslöser sind noch unbekannt

Bisher ist noch unklar, welche konkreten Auslöser eine Depression verursachen. Es wird vermutet, dass viele Faktoren die Entstehung beeinflussen - genetische, Umweltfaktoren und aktuelle Ereignisse.

Bei Menschen wie Chester Bennington ist es vielleicht in gewisser Weise auch der Erfolgsdruck oder das "im Rampenlicht stehen" gewesen. Aber das ist spekulativ, denn es kann tatsächlich jeden treffen.

Doch es gibt Warnsignale: Wenn sich jemand über einen längeren Zeitraum stark verändert, könnte das auf eine Depression hindeuten.

Zum Beispiel wenn die Person sich zurückzieht, seine Freude an den Tätigkeiten verliert, die ihm bisher viel Spaß gemacht haben. Und kein Interesse mehr zeigt. Vielleicht auch viel im Bett bleibt, niedergeschlagen wirkt und antriebslos ist. Keinen Appetit mehr zeigt.

So könnt ihr helfen

Sollten euch diese Veränderungen an Freunden, Bekannten oder Menschen aus der Familie auffallen, solltet ihr die Person direkt ansprechen, empfiehlt Nicole Koburger.

Viele Betroffene, die aus der Erkrankung rauskommen oder eine suizidale Krise überleben, berichten, dass es ihnen geholfen hat, dass sie jemand angesprochen hat. Oder das sie sich gewünscht hätten, dass sie jemand anspricht. Es ist falsch zu denken, dass man damit Suizidgedanken auslöst. Es ist eine Entlastung, wenn man einfühlsam gesagt bekommt: "Ich beobachte, du hast dich verändert. Was ist denn da los? Kann ich dir helfen?"

Außerdem gibt es viele Vereine, Stiftungen, Hilfshotlines- und Webseiten, die bei Depressionen helfen können. Auch euer Hausarzt kann ein erster Ansprechpartner sein.


Du hast Selbsttötungsgedanken oder eine persönlichen Krise? Die Telefonseelsorge hilft dir rund um die Uhr: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Auf der Webseite www.telefonseelsorge.de findest du weitere Hilfsangebote, zum Beispiel per E-Mail oder im Chat.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Abend | 21.07.2017 | 19:10 Uhr