grauer Hintergrund mit weißer Schrift, die schwarz hinterlegt ist. Der Text: "You must go offline to view this page. Disconnect to continue."
Bildrechte: Chris Bolin

Geh mal offline! Wie dir das Netz deine Konzentration raubt

128 Minuten. So lange nutzen wir im Schnitt täglich das Internet, so die ARD/ZDF Onlinestudie 2016. Die Ü30er sogar über vier Stunden täglich. Am häufigsten kommt dabei das Smartphone zum Einsatz. Eine Internetseite möchte uns ins „echte“ Leben zurückholen: Sie funktioniert nur offline.

grauer Hintergrund mit weißer Schrift, die schwarz hinterlegt ist. Der Text: "You must go offline to view this page. Disconnect to continue."
Bildrechte: Chris Bolin

Chris Bolin ist Softwareentwickler aus Denver. Nicht nur berufsbedingt, auch in seiner Freizeit verbringt er viel Zeit am Rechner. Und dabei ist ihm aufgefallen, dass die Menschen online nicht viel Sinnvolles tun. Sie gucken Katzenvideos, springen über Links von Seite zu Seite und wundern sich am Ende, wo die Zeit hin ist. Den Text auf seiner Seite kann man deshalb nur lesen, wenn man die Verbindung ins Netz trennt – oder in den Flugmodus wechselt.

Was, wenn bestimmte Inhalte es erforderten, die Verbindung zu trennen?

Chris Bolin

Bolin will uns daran erinnern, „produktiv“ zu sein. Und das geht seiner Meinung nach am besten ohne das World Wide Web, denn das lenke uns ab. Egal, ob Messenger-Nachrichten, E-Mails oder weiterführende Links, sie ploppen auf und lenken unsere Aufmerksamkeit auf sich, weg von dem, was wir gerade tun, hören oder sehen. Selbst, wenn wir die Benachrichtigungen ausstellen, sind es oft unsere Gedanken, die uns wieder ins Web bringen. Kurz etwas googlen, der Neugierde nachgehen, ob nicht doch eine Mail im Postfach gelandet ist. Chris Bolins Experiment will, dass wir unserer Neugier widerstehen und so viel mehr von dem haben, was wir gerade tun. Denn darauf kommt es an, sich die Zeit für etwas zu nehmen. Und dann könnten wir selbst produktiver sein.

Mach die Recherche online, arbeite offline.

Chris Bolin

Die Aufmerksamkeit eines Goldfischs?

Dass unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, zeigt eine Studie von Microsoft aus dem Jahr 2015. Demnach liegt die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen bei acht Sekunden. Und damit noch unter der eines Goldfischs! Der schafft es immerhin neun Sekunden lang, sich nicht ablenken zu lassen. Dabei müssen aber verschiedene Formen der Aufmerksamkeit unterschieden werden. Konzentration wird meist mit Aufmerksamkeit gleichgesetzt, ist aber nur eine Form davon. Eine andere ist selektive Aufmerksamkeit. Das bedeutet, auch bei neuen Reizen die Aufmerksamkeit nicht abschweifen zu lassen. Außerdem gibt es noch das Multitasking, die alternierende Aufmerksamkeit, bei der wir schnell zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln, unter höchster Konzentration.

Mutter mit Baby hält Smartphone
Bildrechte: IMAGO

Schon die Kleinsten bekommen die Folgen von Multitasking und ständigem Surfen zu spüren. Deren Entwicklung kann darunter leiden, wenn die Eltern nebenbei oft das Smartphone bedienen. Die sogenannte Blikk-Studie untersucht die Auswirkungen von übermäßigem Medienkonsum. Schon Babys leiden demnach häufiger unter Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Eltern das Kind auf dem Arm und gleichzeitig das Handy in der Hand haben. Das kann ein Hinweis auf spätere Bindungsprobleme sein. Außerdem können Kinder, die selbst viel auf dem Smartphone oder Tablet spielen, Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung und der Konzentration bekommen. Kinder unter drei Jahren sollten deshalb gar keine Zeit mit elektronischen Medien verbringen.

Auf ins „Real Life“

Obwohl uns Chris Bolins Seite zwingt, die Verbindung ins Netz zu kappen, entlässt er uns nach dem Lesen – die Lesedauer ist übrigens nur zwei Minuten – wieder in unseren gewohnten Internetkonsum.

Denk nur dran, dir ab und zu das Geschenk des Offlineseins zu machen.

Chris Bolin

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP ... |

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 09. September 2017 | 20:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2017, 14:46 Uhr