Kind steckt Wahlzettel in bunte Wahlurne
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wahlrecht von Geburt an Sollten auch Kinder die Wahl haben?

Deutschland soll kinderfreundlicher werden. Aber wie soll das gehen, wenn hier immer mehr ältere Menschen wohnen? Ein Vorschlag sorgt im Moment für Furore: Ein Wahlrecht von Geburt an könnte helfen. Denn mit dem dürften auch die 13 Millionen Kinder in Deutschland mitbestimmen. Aber ist das auch sinnvoll?

Kind steckt Wahlzettel in bunte Wahlurne
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Bei Facebook, Twitter und Co kann man es ständig lesen: ‚Deutschland ist nicht kinderfreundlich‘ und ‚Familien werden nicht genug gefördert‘ – so sehen das viele Eltern. Ändern könnten das Politiker. Doch die werden immer häufiger von älteren Menschen gewählt.

Gerade erst hat eine Berechnung ergeben: Zur Bundestagswahl 2017 werden Senioren zum ersten Mal die größte Wählergruppe stellen - und somit die Wahl entscheidend beeinflussen. Denn die wählen natürlich Politiker, die ihre Interessen vertreten. Was die Familien wollen, könnte dann auf der Strecke bleiben. Der Deutsche Familienverband warnt davor und fordert ein Wahlrecht von Geburt an. Nur so könnten Millionen Minderjährigen eine politische Stimme gegeben werden.

In der Praxis

Wahlrecht von Geburt an - das klingt kurios. Schließlich können Säuglinge und Kleinkinder natürlich keine politischen Entscheidungen treffen. In der Praxis bedeutet der Vorschlag, dass Eltern die Stimme für ihre Kinder abgeben, bis die selbst Interesse an Politik und Mitbestimmung entwickeln und sich ins Wahlregister eintragen lassen. Das kann auch schon vor dem 18. Geburtstag passieren. Schirmherrin der Kampagne ist die frühere Familienministerin Renate Schmidt von der SPD. Sie sagt:

Wir plädieren dafür, dass Kinder das Wahlrecht in dem Alter an sich ziehen, wo sie einigermaßen durchblicken. Also zum Beispiel das Alter der Religionsmündigkeit – mit 12 oder 14 Jahren.

Was würde sich ändern?

Zumindest auf dem Papier haben sich alle Parteien Familienfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben: Die SPD will bessere Bildungschancen für alle, die CDU will Familien unterstützen, die Grünen wollen ein kinderfreundliches Deutschland, die Linken auch. Und für die FDP sind die Kinder die Zukunft. Was würde sich also ändern?

Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen: Wir reden seit Monaten oder gar Jahren über Altersarmut. Drei Prozent der Menschen über 65 leben von der Grundsicherung. Gleichzeitig leben seit fast einem Jahrzehnt rund zehn Prozent Kinder und Jugendliche, die von Grundsicherung leben müssen. Das spielt in der Politik keine Rolle.

Den Machern der Kampagne gehe es darum, dass ein größeres Gleichgewicht der Generationen auch im Wahlrecht stattfindet.

So stehen die Chancen

Der Vorschlag ist nicht ganz neu: 2003 kam im Bundestag schon die Idee auf - wurde aber abgelehnt. Vor rund 8 Jahren wurde auch nochmal darüber diskutiert. Aber passiert ist nichts. Ob der neue Vorstoß diesmal zum Erfolg führt, ist völlig offen. Schirmherrin der Kampagne, Renate Schmidt, ist trotzdem zuversichtlich.

Man muss es immer wieder versuchen. Ich werde das Wahlrecht von Geburt an noch erleben!

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP - Die Themen des Tages | 21.03.2017 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 17:49 Uhr