Natürliche und künstliche Vitamine
Bildrechte: IMAGO

Stiftung Warentest Machen Vitaminpillen gesund?

Es schnieft und hüstelt an jeder Ecke: Die Erkältungszeit geht wieder los. Auf laufende Nasen und einen kratzigen Hals können wir aber verzichten. Viele werden deshalb präventiv tätig und nehmen Vitamin-Präparate zu sich. Die Idee ist einfach: Wer genug Vitamine zu sich nimmt, bleibt gesund. Aber klappt das tatsächlich so? Wir haben bei der Expertin nachgefragt.

Natürliche und künstliche Vitamine
Bildrechte: IMAGO

Ein Pülverchen zum Frühstück, zwei Vitamintabletten vor dem Schlafengehen und schon bleibt man gesund!? Das ist zumindest die Hoffnung, die viele Menschen in Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate setzen. Hilft eine Vitamin-C-Pille bei einer drohenden Erkältung? Dr. Bettina Sauer von der Stiftung Warentest ist da skeptisch:

Es gibt leider, laut den bisherigen Studien, nur ganz zarte Hinweise, dass das eventuell etwas vorbeugen oder abmildern kann. Versuch macht klug. Aber es gibt keine offizielle Empfehlung dafür.

Wer die Tabletten wirklich braucht!

Auch wenn die Power-Kur mit Vitaminen vielleicht nicht gegen die anstehende Erkältung hilft - unnütz sind die Präparate nicht automatisch. Denn laut Dr. Sauer gibt es einige Menschen, die durchaus von den Nahrungsergänzungsmitteln profitieren:

Es gibt ein paar Ausnahmegruppen: Das sind zum Beispiel Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangere.

Wer ein Kind erwartet oder plant, sollte Folsäure nehmen - so lautet die Empfehlung. Denn bei Folsäuremangel kann sich das Gehirn des Fötus nicht gesund entwickeln - auch eine Lippen-Gaumen-Spalte oder andere Missbildungen können die Folge sein. Neugeborene sollten - so empfehlen es die Ärzte - Vitamin K bekommen und Säuglinge im ersten Lebensjahr Vitamin D für den Knochenaufbau.

Vitamin D ist auch bei Erwachsenen kritisch, die nicht ans Tageslicht kommen - also bettlägerige Menschen. Und eine letzte Gruppe sind die Veganer. Auch da gibt es einige kritische Nährstoffe, auf die man achten muss: beispielsweise Vitamin B 12, Jod, Zink und auch einige Omega3-Fettsäuren.

Gesunde Ernährung als A und O

Verschiedene Lebensmittel liegen nebeneinander.
Bildrechte: Colourbox.de

Eine Umfrage der Verbraucherzentralen hat ergeben: 2016 haben rund 30 Prozent der Deutschen Vitaminpräparate oder andere Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Oft ist das völlig unnötig. Denn wer nicht zur Risikogruppe gehört, muss eigentlich nur eins berücksichtigen: eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Wer sich ganz normal ernährt und auch an Obst und Gemüse denkt, der hat in der Regel keine Mängel zu befürchten. Wer aber unsicher ist, sollte mit dem Hausarzt sprechen. Der kann leicht rausfinden, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt und welches Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll wäre.

Einfach auf Verdacht sollte niemand zu den frei verkäuflichen Pillen greifen, denn sie können bei Überdosierung teilweise schlimme Folgen haben, weiß Dr. Sauer:

Es gibt Befunde, dass Vitamin C und D im Übermaß schlecht für die Nieren sein könnten. Es gibt allgemein den Hinweis, dass das Prostatakrebs-Risiko unter Vitamin E steigen kann. Es gibt sogar Hinweise, dass es möglicherweise die Lebenserwartung negativ beeinflusst.

Die Stiftung Warentest hat gerade erst bei einer Untersuchung herausgefunden, dass viele Vitamintablette zu hoch dosiert sind. Vor allem Präparate aus dem Internet fielen den Testern negativ auf.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 27. September 2017 | 16:45 Uhr