Kind fährt mit dem Fahrrad auf dem Gehweg
Bildrechte: IMAGO

Urteil der Woche Elfjähriger haftet für Unfall auf dem Gehweg

Kinder dürfen mit dem Fahrrad auf dem Fußweg fahren. Doch mit elf Jahren ist man dafür zu alt. Das hat ein Gericht entschieden und einen Jungen für einen Unfall verurteilt.

Kind fährt mit dem Fahrrad auf dem Gehweg
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Schon 2009 kam es zu dem Unfall: Der damals Elfjährige fuhr mit hoher Geschwindigkeit entgegen der Fahrtrichtung mit seinem Fahrrad auf einem Bürgersteig. Dabei ist er an einer Abbiegung mit einer damals 57-jährigen Radfahrerin zusammengestoßen. Das Oberlandesgericht in Hamm hat nun entschieden: Der Junge ist für sein Verhalten selbst verantwortlich und muss haften - über 50.000 Euro.

Kinder ab 10 müssen auf der Straße fahren

Das Gesetz sagt: Kinder ab 10 Jahren müssen mit dem Fahrrad die Straße benutzen. Und auch das Oberlandesgericht in Hamm ist der Meinung, der Junge sei zu alt gewesen, um noch auf dem Bürgersteig zu fahren. Außerdem hat er der Radfahrerin die Vorfahrt genommen. Der Klägerin stehen, nun schon in zweiter Instanz entschieden, Schmerzensgeld, Schadensersatz und eine Rente zu - so lautet das Urteil.

Zusammen bedeutet das ein Betrag von fast 27.000 Euro plus 25.000 Euro. Weil sie ihren Haushalt nicht mehr alleine führen kann, kommt noch eine vierteljährliche Rente von 820 Euro hinzu. Die Klägerin leidet bis heute unter ihren damaligen Verletzungen an Knie und Sprunggelenk und musste operiert werden.

Eltern haften für ihre Kinder?!

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski weiß die Antwort:

Das ist einer der meistverbreitetsten Rechtsirrtümer in Deutschland. Eltern haften nur dafür, dass sie ihre Kinder ordentlich erziehen, beaufsichtigen und anleiten. Wenn die Eltern in diesem Fall dem Jungen nicht gesagt haben: "Du darfst nicht auf mehr dem Gehweg fahren!", dann kommt unter Umständen eine Haftung in Betracht.

Zwar ist der Junge schuldig, doch woher soll das ganze Geld kommen?

Die Klägerin hat nur die Möglichkeit zu warten, bis der Junge irgendwann Geld verdient - in seinem jungen Alter ist er also bereits hochverschuldet. Sonst gibt es nur eine Alternative, weiß Rechtsanwalt Thomas Knischewski:

Vermutlich wird die Klägerin versuchen über die Eltern an das Geld zu kommen. Ich kann den Eltern nur wünschen, dass sie eine gute Familienhaftpflicht-Versicherung haben. Die ist jetzt eintrittspflichtig mit Rechtskraft der Entscheidung.

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 04.02.2017 | 12:40 Uhr

Das "Urteil der Woche" bei MDR JUMP