Familienpatin Ruth Friedrich spielt mit Luca Pascal (5 Jahre, re.) und den dreijährigen Zwillingen Marc-Leon (li), Julien-Marcel (Mitte).
Bildrechte: IMAGO

Urteil der Woche Kann man den Großeltern den Umgang mit ihren Enkeln verbieten?

Auch zwischen Eltern und Großeltern kann es zum ernsthaften Streit um die Erziehung der Enkel kommen. Manchmal stellt sich die Frage, ob man Oma und Opa den Umgang mit den Kindern verbieten kann. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat darüber entschieden.

Familienpatin Ruth Friedrich spielt mit Luca Pascal (5 Jahre, re.) und den dreijährigen Zwillingen Marc-Leon (li), Julien-Marcel (Mitte).
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Großeltern aus dem Raum Erding wollten den Umgang mit ihren heute acht und zehn Jahre alten Enkeln gerichtlich erzwingen. Anfangs gab es noch regen Kontakt zu den Kindern. Dann kam es 2009 zum Abbruch des Kontakts, der 2011 wiederhergestellt wurde, als sie den Kindeseltern ein Darlehen anboten. Doch dann mischten sich die Großeltern zunehmend in die Erziehung der Kinder ein. Beim Jugendamt warfen sie den Eltern "seelische Misshandlung" vor. Daraufhin verboten die Eltern jeglichen weiteren Umgang mit dem Nachwuchs. Die Kinder selbst wollten zu Opa und Oma, aber erst wenn der Streit beendet würde.

Das Urteil

Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil gefällt. Das wurde so begründet:

Die Kinder dürfen erstmal nicht mehr zu zu den Großeltern - es wurde also zugunsten der Eltern entschieden. Erstens zeige die Tatsache, dass versucht wurde, sich den Kontakt zu erkaufen, wie tief der Konflikt sein muss. Zweitens wollten die Kinder selbst erst nach Ende des Streites zu den Großeltern, weil sie in einem Loyalitätskonflikt stecken. Und drittens sei das Kindeswohl wegen des Streits so gefährdet, dass ihre Entwicklung gestört wird und so lange sich Eltern und Großeltern nicht einig sind, bleiben die Kinder zu Hause.

Welche Pflichten und Rechte haben Großeltern eigentlich? Jurist Thomas Kinschewski erklärt:

Das Umgangsrecht ist ganz genau geregelt: Die Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind und sobald das Kindeswohl gefährdet ist, kann man dieses Recht beschneiden oder ganz ausschließen.

Wie sieht das bei geschiedenen Elternteilen aus? Haben die Großeltern jeder Seite ein Recht, das Kind zu sehen?

Ganz klar: ja! Das Umgangsrecht beruht auf Blutsverwandschaft. Das heißt, grundsätzlich haben immer nur die Anverwandten in gerader Linie das Umgangsrecht. Einzige Ausnahme sind adoptierte Kinder, die den blutsverwandten gleichstehen - alle anderen, also Onkel, Tanten und andere, haben kein Recht auf Umgang.

Hintergrund ist, dass die Gerichte seit Jahrhunderten mit Familienfällen zu tun haben, wo versucht wurde, über den Nachwuchs Druck auf den anderen Ehepartner auszuüben. Daher wurde es bereits vor langer Zeit rechtlich geregelt. Da das Hin und Her ums Kind sehr unangenehm für alle Beteiligten werden kann, sollte man hier vor allem an das Wohl des Kindes denken.

Das Aktenzeichen VI R 9/16

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Wochenende | 25.08.17 | 12.40 Uhr

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