Ein Mädchen sitzt eine Blume haltend im Gras.
Bildrechte: Colourbox.de

Urteil der Woche Gleich viel Zeit bei Mama und Papa

Jedes zweite Wochenende darf das Kind den Papa sehen? Getrennt lebende Eltern haben ab jetzt den gleichen Anspruch auf Zeit mit den Kindern. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski erklärt das Urteil.

Ein Mädchen sitzt eine Blume haltend im Gras.
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Bislang war bei einer Trennung der Eltern das Residenzmodell üblich. Das heißt, die Kinder leben überwiegend bei einem Elternteil und sehen an bestimmten Tagen, zum Beispiel alle zwei Wochen, das andere Elternteil. Nun gibt es ein Novum in der deutschen Rechtssprechung, erklärt der Dresdner Rechtsanwalt Thomas Kinschewski:

Jetzt hat der Bundesgerichtshof das erste Mal gesagt: Wenn das Kind es nicht ablehnt, kann das Wechselmodell angeordnet werden. Sofern keine Kindeswohlgründe dagegen sprechen.

Mehr Gleichberechtigung, auch wenn ein Elternteil sich sträubt

Mit dem Wechselmodell ist gemeint, dass die gemeinsamen Kinder nach der Trennung in beiden Haushalten leben und die Eltern sich den Umgang 50:50 aufteilen. Das kann das Gericht auch anordnen, wenn sich ein Elternteil dagegen wehrt, so Kinschewski:

Das hat auch etwas mit einem veränderten Rollenverständnis der Väter zu tun. Viele Väter sind heutzutage viel mehr in der Erziehung eingebunden und die Mütter reklamieren dann im Trennungsfall meistens doch für sich, der besser Elternteil zu sein. Und da hat der BGH jetzt gesagt: Liebe Väter, ihr seid genauso wichtig als Elternteil und die Kinder brauchen euch auch. Wenn nichts dagegen spricht und es das Kind auch will, dann soll das Wechselmodell gelten.

Das Kind hat Mitspracherecht

Am wichtigsten bei dieser Entscheidung bleibt die Meinung des Kindes. Es kann nicht gezwungen werden bei einem Elternteil zu leben, wenn es das nicht möchte:

Kinder unter drei Jahren werden in der Regel nicht gefragt, weil sie noch keinen kindestypischen Willen rational entwickeln können. Spätestens ab fünf bis sieben Jahren werden Kinder von den Familiengerichten immer angehört. Und spätestens ab 14 Jahren, kann nicht gegen den Willen eines Kindes ein Pflichtbesuch angeordnet werden.

Das Urteil Aktenzeichen XII ZB 601/15

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 04.03.2017 | 12:40 Uhr

Das "Urteil der Woche" bei MDR JUMP