Eine Zecke sitzt an einem Grashalm
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Urteil der Woche Ist ein Zeckenbiss ein Arbeitsunfall?

Wenn man beruflich im Freien arbeitet, kann es passieren, dass man von einer Zecke gebissen wird. Doch wird das als Arbeitsunfall anerkannt? Es kommt darauf an, wie ein Fall aus Thüringen zeigt.

Eine Zecke sitzt an einem Grashalm
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Eine Grundschullehrerin aus Ostthüringen hat bei einem Sportfest ihrer Schule draußen auf einer Wiese Aufsicht geführt. Abends entdeckte die Frau, dass sie von einer Zecke gebissen wurde. Später hatten sich bei ihr laut Gericht bestimmte Krankheitssymptome gezeigt, die sie dem Biss zuschrieb. Sie meldete den Vorfall der Unfallkasse. Deren Auffassung allerdings war, dass es sich nicht um einen Arbeitsunfall handle. Die Lehrerin klagte.

Das Urteil

Für das Landessozialgericht Erfurt ist der Fall eindeutig: Die Klage wurde abgewiesen.

Grundsätzlich sagt das Gericht, Zeckenbisse können Arbeitsunfälle sein. Aber hier hatte die Klägerin das Problem, dass sie nicht beweisen konnte, dass die Zecke sie während des Sportfests gebissen hat.

Thomas Kinschewski, Rechtsanwalt

Wer also einen Zeckenbiss und eine daraus resultierende Infektion als Arbeitsunfall gelten machen will, muss beweisen, dass ihn die Zecke tatsächlich während seiner Arbeitszeit gebissen hat. Das konnte in diesem Fall die Lehrerin nicht. Mit diesem Urteil bestätigte das Gericht in zweiter Instanz ein Urteil des Sozialgerichts Altenburg, das die Anerkennung als Arbeitsunfall ebenfalls abgelehnt hatte. Dagegen hatte die Lehrerin Berufung eingelegt.

Das Aktenzeichen L 1 U 150/17

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 09. September 2017 | 12:40 Uhr

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