Engelsfigur hockt auf einem Grabstein
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Bis in den Tod vereint Umstrittene Bestattung von Herrchen und Haustier

Es gibt Menschen, die ein so inniges Verhältnis zu ihrem Haustier haben, dass sie sich mit ihm auch bestatten lassen möchten. In Görlitz und Magdeburg ist das schon möglich. Nun möchte auch Leipzig einen gemeinsamen Friedhof für Mensch und Haustier anbieten.

Engelsfigur hockt auf einem Grabstein
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Auf einem Teil des Leipziger Ostfriedhofs soll eine gemeinsame Bestattungsfläche für Mensch und Haustier entstehen. Volker Mewes, zuständig für Friedhöfe der Stadt Leipzig, erklärt, die Bestattungskultur unterliege einem ständigen Wandel. Viele Menschen seien mit ihren Haustieren so verbunden, dass sie auch nach dem Tode mit ihnen vereint sein möchten:

Aus einer Umfrage, die die Verbraucherinitiative Aeternitas veröffentlicht hatte, wurde uns deutlich, dass es eine große Resonanz in der Bevölkerung gibt. 49 Prozent hatten angegeben, dass es gemeinsame Grabstätten von Haustier und Menschen geben sollte.

Das sei der Anlass gewesen darüber nachzudenken, ob nicht auch die städtischen Friedhöfe in Leipzig so etwas anbieten sollten. Die Stadtverwaltung möchte eine Fläche am Leipziger Ostfriedhof einrichten, auf der Mensch und Haustier gemeinsam beerdigt werden dürfen. Dies funktioniert nur mit einer juristischen Spitzfindigkeit, denn eigentlich dürfen Tiere laut Bestattungsgesetz nicht auf einem Friedhof für Menschen begraben werden. Tiere gelten rechtlich jedoch als Gegenstände und so spricht die Stadt von einer Grabbeilage, wie Volker Mewes erklärt:

Es handelt sich bei den Tieren dann um eingeäscherte Kleintiere, die als sogenannte Grabbeigabe hinzugefügt werden. Auch der Begriff Bestattung wäre in diesem Zusammenhang nicht korrekt.

Kirche lehnt Bestattung mit Haustier ab

Die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens lehnt eine Bestattung mit Haustier ab. Holger Enke, Referent für Friedhofsangelegenheiten, erklärt: "Der Friedhof ist in besonderer Ort und in ausschließlicher Weise der Bestattung und dem Gedenken verstorbener Menschen gewidmet und wird so zur identitätsstiftenden Gemeinschaftsaufgabe." Die Gestaltung und Pflege des Friedhofes erfordere besondere Sorgfalt, damit die persönliche Würde der Toten wie der Lebenden gewahrt und die Bestattungskultur in der Gesellschaft erhalten bleibe.

Zwar sei für die Kirche die Trauer um den Tod des Haustieres nachvollziehbar, allerdings könne "für die meisten Menschen eine Urne mit den menschlichen Überresten nicht mit der Urne gleichgesetzt werden, die die Asche eines Tieres enthält." Die besonderen Nöte von Menschen, die ein langjähriges Heimtier verloren haben, würden bereits in vielfältiger Weise aufgenommen, sei es durch die Möglichkeit des Vergrabens auf eigenem Grund, sei es durch das Angebot bestehender Tierfriedhöfe.

Tiere sind nach christlicher Auffassung selbstverständlich Teil der Schöpfung und Mitgeschöpfe des Menschen. Diese Mitgeschöpflichkeit gilt jedoch allen Tieren. Die Frage nach der gemeinsamen Bestattung von Mensch und Tier nimmt im Gegensatz dazu ausschließlich eine besondere Gruppe von Heimtieren in den Blick. Dies setzt einen Trend fort, der das Leiden unbekannter, ferner Geschöpfe – der Nutztiere – toleriert oder ignoriert und die emotionale Verbindung zu den eigenen privaten Heimtieren besonders betont.

So käme es für einen kirchlichen Friedhof nicht in Frage Mensch und Tier gemeinsam zu bestatten. Das Pietätempfinden derer, die nicht mit einem Tier gemeinsam auf einem Friedhof bestattet werden möchten, müsse berücksichtig werden. "Für einen kirchlichen Friedhof ist davon auszugehen, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung Anstoß an einer gemeinsamen Bestattung von Mensch und Tier nimmt", so Enke.

Niemand soll in seiner Trauer gestört werden

Der Stadt Leipzig sei bewusst, dass rund 50 Prozent der Menschen auch bei der Befragung sagten: "Wir akzeptieren so eine Bestattungsform nicht!", so Volker Mewes. Deswegen solle die Grabfläche auf dem Ostfriedhof auch räumlich von den anderen Gräbern getrennt werden, erklärt er: "Auch, weil die Gräber eine völlig andere Gestaltung oberirdisch haben werden, als wir es gemeinhin kennen." Es solle Bezug genommen werden auf das Tier, das dort mit seinem Herrchen ruht.

Die Stadt Leipzig plant im Laufe des Jahres 2018 erste Bestattungen von Mensch und Haustier anbieten zu können. Bis dahin müssen noch einige offene Fragen geklärt werden, zum Beispiel, was passiert, wenn das Haustier vor seinem Besitzer stirbt oder der Hund sein Herrchen überlebt. "Da sind verschiedene Herangehensweisen denkbar", so Mewes. Endgültig entschieden ist noch nichts. Auch die Friedhofssatzung müsse noch in einer Ratssitzung verändert werden.

Das Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 02.08.2017 | 12.27 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2017, 11:42 Uhr

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