Ohrdruf Wölfin hat Nachwuchs - Jungtiere sollen getötet werden

Die auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Kreis Gotha lebende Wölfin hat sechs Jungtiere. Das teilte das Thüringer Umweltministerium am Donnerstag mit. Bei den vier weiblichen und zwei männlichen Tieren handele es sich nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) um Hybride - also Mischungen zwischen Wolf und Hund. Die Tiere seien etwa fünf Monate alt. Sie sollen laut Ministerium getötet werden.

Wolf läuft in Fotofalle
Die von einer Fotofalle erfasste Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf Bildrechte: NABU Thüringen

Wie das Ministerium weiter mitteilte, ist die Wölfin mit ihren sechs Jungtieren von Fotofallen in den vergangenen Tagen erfasst worden. Die Entscheidung zur "letalen Entnahme" sei in enger Abstimmung mit der DBBW erfolgt. Die Experten hätten darauf hingewiesen, dass "die Jungtiere aus Artenschutzgründen aus der Natur entnommen werden müssen". Eine Vermischung der Gene würde den Fortbestand der Wolfspopulation gefährden. Erfahrungen aus Sachsen hätten aber auch gezeigt, dass die Betäubung der Hybride und ihr Transport in ein Gehege keine Alternative sei. Die Tiere in Sachsen hätten unter der Gehege-Haltung sehr gelitten.

Da die Jungtiere im Winter geschlechtsreif sein werden, werde von Experten die möglichst schnelle Tötung empfohlen. Die arten- und tierschutzrechtlichen Voraussetzungen dafür würden nun geschaffen.

Ohrdruf Bilder von Wolfhybriden veröffentlicht

Die Ohrdrufer Wölfin hat offenbar sechs Jungen. Dabei handelt es sich um Mischungen zwischen Wolf und Hund. Das Umweltministerium gab jetzt Fotos des Nachwuchses frei - eingefangen von einer Kamera.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Dort war eine Kamera befestigt. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Der Angriff scheiterte laut Umweltministerium am Zaun. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Am Donnerstag gab das Umweltministerium bekannt, dass die Ohrdrufer Wölfin Junge bekommen hat. Bildrechte: Bundesforst
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Der Thüringer Naturschutzbund (NABU) warf dem Umweltministerium Versagen beim Wolfsmanagement vor. Man habe das Ministerium schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass es auf dem Truppenübungsplatz streunende Hunde gebe, sagte NABU-Sprecher Silvester Tamas. Passiert sei gar nichts. Zudem sei viel zu spät mit dem Wolfsmonitoring begonnen worden. Damit habe das Ministerium eine Kreuzung zwischen Wolf und Hund zumindest fahrlässig in Kauf genommen.

Die CDU erneuerte ihre Forderung nach einer Wolfsverordnung, die auch eine sogenannte Schutzjagd ermögliche. Vize-Fraktionschef Egon Primas sagte, die Vergrämung und gegebenenfalls auch der Abschuss von Wölfen mit problematischem Verhalten müsse klär geregelt werden.

Eine große, graue Wölfin trabt mit gesenktem Kopf durch ein Waldstück.
Bildrechte: NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf/S. Böttner

Debatte seit Ende August über Hybrid-Rudel

In den vergangenen Monaten waren in der Region rund um den Standortübungsplatz der Bundeswehr bei Ohrdruf zahlreiche Nutztiere mutmaßlich von einem Wolf gerissen worden. Laut Umweltministerium waren es insgesamt 65 Schafe und 14 Ziegen. Bei zwei von 13 Vorfällen sei die Ohrdrufer Wölfin eindeutig als Angreiferin nachgewiesen worden.

Bereits Ende August hatte MDR THÜRINGEN berichtet, dass es in Thüringen möglicherweise ein erstes Wolfsrudel gibt. Damals hatten verschiedene Experten vermutet, dass ein Rudel für die vielen Risse von Schafen und Ziegen in der Nähe des Truppenübungsplatzes Ohrdruf verantwortlich sein könnte. Bereits damals wurde vermutet, dass es sich bei dem Rudel auch um Hybride handelt könnte. Diese Vermutung hatte das Umweltministerium nicht bestätigt. Ein Ministeriumssprecher hatte MDR THÜRINGEN Ende August mitgeteilt, die Vielzahl der Übergriffe auf Schafe und Ziegen sei merkwürdig. Da müsse mehr sein als nur eine Wölfin.

Sollen die sechs Wolfswelpen getötet werden?

16% 2375 Stimmen   Ja, abschießen. Sie sind eine Gefahr für Tier und Mensch!
67% 9858 Stimmen   Auf keinen Fall! Das ist Mord! Lasst sie leben!
17% 2444 Stimmen   Schafft sie in ein sicheres Gehege oder in einen Zoo.
0% 70 Stimmen   Mir doch egal. Ich bin Großstädter.

Stand: 16.10.2017 17:55:52 Uhr 14747 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Die Abstimmung ist beendet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Oktober 2017 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 20:43 Uhr