Die Schauspieler Ein Gespräch mit Axel Milberg, Sibel Kekilli und Jürgen Prochnow

Ein Gespräch mit dem Schauspieler Axel Milberg

(Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski)

Schauspieler Axel Milberg
Schauspieler Axel Milberg Bildrechte: NDR/Christine Schroeder

Warum konvertiert eine junge Deutsche zum Islam und will nach Syrien gehen? Haben Sie dafür Erklärungen gefunden?

Ich finde es völlig irre, als Mann oder Mädchen oder Frau freiwillig den schützenden Raum einer demokratischen Gesellschaft zu verlassen, um in einem fürchterlichen Blutbad Unschuldige abzuschlachten. Oder als Sexdienerin einem Mörder zugeteilt zu werden. Es sind wohl unglückliche Einzelgänger, die den sachlichen Berichten aus Syrien nicht glauben, aber den „Rekrutierern“.

Mussten Sie nicht befürchten, mit dem Film von Tagesaktuellen Ereignissen überholt zu werden?

Es ist immer schwierig, einen Filmstoff zu realisieren, der als Thema so fürchterlich aktuell ist. Daher haben wir uns auf dieses Mädchen und ihren Plan konzentriert. Damit mussten wir nicht auf die Tagesaktualität reagieren.

Ein Gespräch mit der Schauspielerin Sibel Kekilli

(Kriminalkommissarin Sarah Brandt)

Schauspielerin Sibel Kekilli
Schauspielerin Sibel Kekilli Bildrechte: NDR/Marion von der Mehden

Sarah Brandt sagt zu dem Mädchen Julia: „Du bist eine junge, intelligente Frau und setzt dich freiwillig dieser gewalttätigen, dämlichen Männerwelt aus.“ Hat Sie als junge Frau einen anderen Blick auf Julia als ihr Kollege Borowski?

Ja, das könnte sein. Sie kann einfach nicht verstehen, dass man in diesem Alter vielleicht sogar aus Langeweile oder grenzenloser Naivität sein normales Leben und die Familie aufgibt und sich radikalisiert. Und zwar für etwas, das sie gar nicht richtig kennt, geschweige denn verstanden hat. Dass man all die Freiheiten aufgibt und sich freiwillig unterdrücken lässt, nur, weil man unglücklich ist oder seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat.

Sarah Brandt sitzt immer bis tief in die Nacht im Kommissariat. Hat die Kommissarin kein Zuhause?

Natürlich hat sie ein Zuhause. Aber die Figur Sarah Brandt ist, wie bereits erwähnt, besessen von ihren Fällen und kann nicht so einfach abschalten. Für sie ist der Beruf ihre Berufung und es fällt ihr schwer, einmal die Füße still zu halten, ehe der Fall wirklich gelöst ist.

Ein Gespräch mit dem Schauspieler Jürgen Prochnow

(Staatsschützer Kesting)

Schauspieler Jürgen Prochnow
Schauspieler Jürgen Prochnow Bildrechte: NDR/Christine Schroeder

Sie leben in den USA. Wie nehmen Sie dort die islamistischen Anschläge in Europa wahr?

Ich bin seit einiger Zeit wieder häufiger in Deutschland und bekomme alles mit. Es ist eine furchtbare Zeit und es scheint immer schlimmer zu werden. Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, welche Politik dazu geführt hat, dass sich die ganze Welt in dieser Situation befindet, sondern nur so viel sagen: Es ist erschreckend.

Deutsche Mädchen ziehen in den Dschihad. Ist Ihnen diese Geschichte vorher bekannt gewesen?

In der Presse hatte ich gelesen, dass eine 15-Jährige aus ihrem Elternhaus ausgebüxt ist und sich dem IS angeschlossen hat. Wie der Verfassungsschutz Mädchen für seine Zwecke manipuliert, war mir allerdings völlig neu. Dass ein „Tatort“ eine solche Geschichte verarbeitet, halte ich für außerordentlich.

Was hat Sie bewogen, wieder einmal in einem „Tatort“ zu spielen?

Mir war zu Ohren gekommen, dass der „Tatort“ aus Kiel besonders gut ist. Dann fand ich das Drehbuch spannend, weil es einen aktuellen politischen Stoff aufgreift, der einem auf den Nägeln brennt. Das machen die amerikanischen Fernsehmacher auch immer so. Zu guter Letzt kenne ich Axel Milberg von früher. Er ist ein wunderbarer Schauspieler. Es ist immer schön zu wissen, wenn da jemand ist, mit dem man gut zusammenarbeiten kann.

Quelle: NDR