Tatort-Check Tatort München "Hardcore"

Es ist der Termin in der Woche, auf den man sich verlassen kann: Sonntagabend, 20:15 Uhr, ARD. Zeit für den Tatort! Wir verraten euch schon jetzt, wer in dieser Woche ermittelt und was passiert.

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Tatort München
Steuerberatung in der Drehpause Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Steuerberatung in der Drehpause Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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„Viel Spaß heute Abend!“ Marie Wagner (Helen Barke), Künstlername "Luna Pink", auf dem Weg zu Porno-Dreharbeiten. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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In diesem Planschbecken wurde nicht geplanscht! Von links: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Fanz Leitmayr (Udo Wachtveitl) besprechen sich mit Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) am Tatort. Bildrechte: BR/Hagen Keller/Hager Moss Film GmbH
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Nebenjob: Unter dem Künstlernamen Luna Pink hat Marie Pornos gedreht, so auch am Abend vor ihrem Tod. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Schmierig & schwierig: Das beschlagnahmte Drehmaterial des Pornoproduzenten Olli Hauer gerät schnell in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Olli Hauer (Frederic Linkemann) ist sich unsicher darüber, was er mit den sensiblen Daten von seinen letzten Porno-Dreharbeiten anstellen soll. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Der Nachwuchs schläft nicht! Kommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) hat einen wichtigen Hinweis zur Identifizierung des Mörders gefunden: Ein Abgleich der Anmeldebögen mit der Anzahl der Laiendarsteller im Film ergibt, dass ein Darsteller mehr am Set war. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Alptraumjob: Von links: Die Kriminalkommissare Ritschy Semmler (Stefan Betz) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) sehen die Videos immer wieder durch, um einen entscheidenden Hinweis hinter all den Masken zu finden. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Hausbesuch ohne Anmeldung: Batic und Leitmayr befragen Stella Harms, eine Freundin von Marie, um mehr über das Opfer zu erfahren und finden dabei heraus, dass Marie in einem Altenpflegeheim gearbeitet hat. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Auch ein ganz Sympathischer! Über Stella erfahren die Ermittler auch von einem Konflikt, den Marie mit Sam Jordan hatte, einem weiteren Münchner Pornoproduzenten. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Der Künstler ist fassungslos: Pornoproduzent Sam Jordan (Markus Hering) kann nicht fassen, dass ihn die Kommissare bei seinen Dreharbeiten stören. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Tochter aus gutem Hause Als sich herausstellt, dass ausgerechnet Oberstaatsanwalt Kysela Maries Vater ist, spitzen sich die Dinge zu. Von links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) beobachten Oberstaatsanwalt Kysela (Goetz Schulte) bei der Identifizierung seiner toten Tochter. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Der einzige Gast mit Kleidung: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht während der Porno-Dreharbeiten jemanden zu finden. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Hat sich das Ganze ausgedacht: Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch am Set der Gerichtsmedizin. Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Hinter den Kulissen: Von links: Regisseur Philip Koch, Redakteurin Stephanie Heckner (Bayerischer Rundfunk, Redaktion Reihen und Mehrteiler) und Produzentin Kirsten Hager (Hager Moss Film GmbH) im Gespräch am Set des "Tatort: Hardcore". Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Der Tatort und seine Macher: Richard Ruzicka, Komponist der Filmmusik Bildrechte: BR/Hagen Keller
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Worum geht´s?

Die beiden Münchner TATORT-Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmeier werden in ein Bürogebäude gerufen. Das Büro ist leer. Merkwürdig: Im Eingangsbereich ist ein Buffet aufgebaut.

Merkwürdig auch: Der Geruch im Raum. Und: Mitten im Raum liegt eine tote Frau, erwürgt, bekleidet nur mit einem rosafarbenen Bikini. Wie sich herausstellt, hatte sie unmittelbar vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr, und zwar mit 26 Männern. Denn Marie Wagner, die Tote, arbeitete unter dem Künstlernamen Luna Pink nebenberuflich als Porno-Darstellerin.

Das heißt, die Kommissare haben den Täter auf Video?

Ja. Aber: Alle männlichen Filmschaffenden vor der Kamera trugen eine Maske. Kommissar Leitmayr beschreibt die Suche nach dem Täter so: „Gut. Also dann suchen wir jetzt einen Mann mit zwei Armen, zwei Beinen und einem eher unterdurchschnittlich großem Glied!“ Kollege Batic: „Das trifft auf halb München zu!“

Hört sich ein bisschen nach Krimi-Komödie an!

Der Tatort hat durchaus seine komischen Momente, besonders, wenn Batic und Laitmayr mit gewissen Praktiken der Branche konfrontiert werden. Aber der Film hat auch eine tragische Seite: Das Leid der Eltern des Opfers.

Wer guckt in Deutschland eigentlich Pornos?

Auf jeden Fall ziemlich viele: Deutschland ist der zweitgrößte Pornomarkt – der Welt!

Und wer spielt in Pornos mit?

Kurioserweise könnte man fast sagen: alle. Denn viele Darsteller gehen nebenher noch ganz normalen Jobs nach, sie sind Pfleger, Pädagogen, Apotheker, oder Lehrer. Viele betreiben es sogar nur hobbymäßig.

Ist der Tatort realistisch?

Bezeichnend ist eine Episode, die sich wirklich so zugetragen hat: Aus Rache, weil eine seiner Schauspielerinnen unter Exklusivvertrag mit einer anderen Produktionsfirma einen Film gedreht hat, setzte ein wütender Produzent anstelle ihres Porno-Pseudonyms ihren echten Namen auf das Cover der Hardcore-DVD – woraufhin es nicht lange dauerte, bis die geheim gehaltene Tätigkeit der Schauspielerin aufflog.

Fazit?

Wie Batic und Leitmeier sich durchs Milieu wühlen, ist wie immer spannend, teilweise höchst vergnüglich, aber manchmal auch eher abstoßend, da es sich bei vielen der Produktionen um Filme handelt, die, sagen wir mal vorsichtig, selbst unter Liebhabern des Genres nicht jedermanns Geschmack treffen.

Sonst noch was?

Naja, die Sprache des Films ist ungewöhnlich deftig, manche Szenen auch relativ eindeutig – nix für zart Besaitete und Kinder!

Zur deftigen Sprache sagt Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch:

Die Entscheidung zur Authentizität erfordert den Mut, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Den Mut zum Ekel. Denn die Welt und die Praktiken sind ekelhaft – für die einen mehr, für die anderen weniger. Offen gesprochen wird kaum darüber, vor allem nicht wertfrei. Und genau das soll der Ansatz sein, für den der Tatort als etablierte Institution ideal ist. Und da er den Sex nicht zeigen darf, soll der Film die Sache knallhart aussprechen. Let’s talk Sex. Um Bewusstsein zu schaffen. Denn wo nicht über Sex, Lust und, vor allem, die prekäre Grenze zur Perversion gesprochen wird, nur dort entsteht Missbrauch.

Was sagen die TATORT-Macher sonst noch so?

Stephanie Heckner, die Tatort-Redakteurin vom Bayerischen Rundfunk, sagt:

Der Tatort 'Hardcore' wirft ohne Voyeurismus einen aufklärerischen und klischeefreien Blick auf eine zugleich mit Scham und Faszination besetzte Branche, die derzeit mehr und mehr von Amateuren übernommen wird.

Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch sagt:

'Hardcore' soll einen authentischen, ehrlichen und schonungslos unverblümten Blick in diese Branche und ihre Menschen werfen, die mit unzähligen Klischees und Vorurteilen behaftet ist. Mit diesen Klischees soll aufgeräumt werden.

Und die Produzentin Kirsten Hager sagt:

Wir können mit Sicherheit sagen, dass dieser Dreh sehr skurril war und uns thematisch in ein Universum katapultiert hat, das uns viel Toleranz gegenüber den unterschiedlichen 'Neigungen' der Menschen abverlangt hat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. Oktober 2017 | 13:10 Uhr

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