To-Do-Liste hängt an einer Kork-Pinnwand
Bildrechte: Colourbox.de

Lasst es sein Hört auf mit den "To-do-Listen", entspannt lieber!

Der Zeitforscher Jonas Geißler rät dazu mehr Dinge wegzulassen, als sich immer mehr auf die "To-Do"-Liste zu schreiben. Eine Hilfe könnten "Let-it-be"-Listen sein, denn erst der Müßiggang macht uns wirklich produktiv.

To-Do-Liste hängt an einer Kork-Pinnwand
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Wer mitten im Leben steht, kennt das: Diese unbearbeitete "To-do"-Liste, auf der Punkte stehen, die man schon immer mal machen wollte oder dringend noch machen sollte, die aber seit Wochen nicht erledigt werden. Manch einer nimmt den Stress und die Aufgaben sogar mit in die Freizeit: Man will doch noch ein Instrument lernen, wieder mehr Sport machen, endlich der alten Schulfreundin eine ausführliche Mail schreiben, den Keller entrümpeln und, und, und.

Statt seine "To-do"-Liste immer voller zu knallen, rät Zeitforscher Jonas Geißler allerdings zu "Let-it-be"-Listen:

Beide Listen sollen ja dazu führen, bessere Zeitentscheidungen zu treffen. Und wenn man da mal drauf guckt, dann ist es eben häufig so, dass wir den riesigen 'Berg des zu erledigen' haben, der mit Erwartungen verknüpft ist, die wir oder andere an uns stellen. Wenn wir aber ins Erleben kommen wollen, dann geht das häufig nicht über ein 'noch mehr tun', sondern um ein 'sein lassen'. Damit ich die Dinge, die ich dann tue, auch voll und ganz erleben kann.

Was macht deinen Tag gut?

Wir leben in einer Welt, in der wir mehr Möglichkeiten haben, als Generationen vor uns, allerdings sei unsere Wahrnehmung nicht mitgewachsen, erklärt Geißler. Das Problem sei, dass man immer die Angst habe etwas zu verpassen und unerledigte Dinge einem im Nacken sitzen:

Steve Jobs hat das mal so formuliert: Fokus heißt nicht 'ja' zu sagen zu der einen Aufgabe, auf die ich mich gerade konzentriere, sondern 'nein' zu sagen zu den hundert Sachen, die man stattdessen nicht macht.

Die Frage, die sich jeder stellen müsse: Was macht den Tag eigentlich gut für mich? Und das müsse nicht das ununterbrochene Abarbeiten von Aufgaben sein, denn der Rhythmus des Lebens ist ein Wechsel von Aktivität und Regeneration. "Kein Spitzensportler würde sagen: Ich mache jetzt 24 Stunden Training und lass die Pausen weg", erklärt Geißler. Der Mensch brauche Pausen und Müßiggang, nur so kann man wieder kreativ und produktiv sein.

Natürlich ist eine "Let-it-be"-Liste kein Allheilmittel. Es gibt Situationen, Arbeiten und Lebensumstände, da kann man nicht einfach etwas weglassen und weniger machen. Doch spätestens, wenn man das Gefühl hat im "Freizeitstress" zu versinken, sollte man die Handbremse ziehen. Man muss nicht immer alles mitmachen, man darf auch mal faul sein, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Wochenende | 12.08.17 | ab 08.40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 18:20 Uhr

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