Mehlwurm und Heuschrecke als Lebensmittel
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Mehlwürmer als Lebensmittel In der Schweiz gibt es bald Burger mit Insektenfleisch zu kaufen

Burger und Hackbällchen mit Mehlwürmern: Diese für viele eher gewöhnungsbedürftigen Spezialitäten wird eine Schweizer Supermarktkette ab kommender Woche anbieten. In der Schweiz dürfen seit Mai Grillen, Wanderheuschrecke und auch Mehlwürmer für den menschlichen Verzehr verkauft werden.

Mehlwurm und Heuschrecke als Lebensmittel
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Die Burger kommen vom Züricher Startup Essento und bestehen vor allem aus Mehlwürmern. Das sind die proteinreichen Larven des Mehlkäfers. Zusätzlich enthalten die Burger noch Reis, Karotten, Sellerie, Lauch und eine Prise Chili. Im Angebot der zweitgrößten Schweizer Supermarktkette Coop finden Käufer ab Montag auch die „Insecto Balls“. Die erinnern an Hackbällchen und bestehen aus Mehlwürmern, Kichererbsen, Zwiebeln und Knoblauch.

So sehen die Insekten-Burger des Schweizer Start-Ups Essento aus, die in Schweizer Supermärkten verkauft werden.
Bildrechte: Tina Sturzenegger/Essento

In der Schweiz dürfen ausgewählte Insekten als Nahrungsmittel verkauft werden. Allerdings gelten dafür strenge Auflagen: Die Aufzucht der Tiere muss über vier Generationen von den Behörden für Lebensmittelsicherheit kontrolliert werden. Derzeit wird in dem Land noch kein Insektenfleisch produziert. Die Insekten werden daher unter strengen Auflagen importiert.

Gute Proteinquelle

Die Welternährungsorganisation FAO preist essbare Insekten seit Jahren als gute Proteinquelle an. Auch in Deutschland wird daran geforscht, etwa im Institut für Lebensmittelforschung in Quakenbrück. Der Forscher Dr.-Ing. Kemal Aganovic sagte MDR JUMP:

Dr.-Ing. Kemal Aganovic vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik e.V. Quakenbrück
Bildrechte: Jörg Sarbach/Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e.V.

Die Weltbevölkerung wächst, der Fleischkonsum steigt, daher muss die Lebensmittelherstellung fast verdoppelt werden. Gleichzeitig haben wir immer weniger Fläche für Landwirtschaft und weniger Wasser zur Verfügung und die Meere sind fast leergefischt. Lebensmittel aus Insekten würden da ein dringend benötigtes Extra liefern.

Denn die Tiere können auf vergleichsweise kleiner Fläche gehalten werden und liefern ungefähr dreimal so viel Protein wie Rinder, Schweine oder Hühner. Für den menschlichen Verzehr eignen sich laut unserem Experten mehr als 2.000 Insekten. Derzeit wird aber vor allem an Mehlwürmern, Grashüpfern und Soldatenfliegen geforscht.

"Wie Flips"

Wissenschaftler Kemal Aganovic hat selbst auch schon Insekten probiert. Die könnten zum einen getrocknet oder frittiert als Ganzes gegessen werden und erinnerten vom Geschmack an Flips oder Knabbergebäck.

Meist gehen wir aber in die Richtung, dass wir nur die Proteine aus den Insekten verwenden. Als Zusatzstoffe für Burger, Wurst oder Kroketten oder für Backwaren.

Der Forscher rechnet damit, dass in Deutschland in einigen Jahren auch ähnliche Burger wie jetzt in der Schweiz angeboten werden.

Kann noch dauern

In Deutschland dürften die Insekten-Burger und -Balls derzeit noch nicht verkauft werden, sagten uns Experten für Lebensmittelrecht. Aber es gibt auch hierProdukte mit Insekten, etwa Proteinriegel. Das Ganze ist aber eine Grauzone und wird von den Behörden vereinfacht gesagt geduldet. Ähnlich auch in Belgien, Frankreich und den Niederlanden: Dort können ganze Insekten für den menschlichen Verzehr mit Duldung der Behörden verkauft werden. Das Ganze könnte aber mit einem neuen EU-Gesetz ab Anfang 2018 vorbei sein. Dann muss für jedes Nahrungsmittel mit ganzen Mehlwürmern oder Grillen oder auch nur mit deren Bestandteilen eine eigene Zulassung bei der EU beantragt werden.

Dieses Thema auch im Programm: MDR JUMP am Nachmittag | 15.08.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2017, 15:45 Uhr

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