Flüchtlinge in der Schule
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Check: Zahlen aus Mitteldeutschland Zwei von drei Flüchtlingen haben angeblich keinen Schulabschluss

Diese Zahl sorgt seit Anfang der Woche für Aufsehen. Doch wie gut sind Geflüchtete wirklich ausgebildet? Wir haben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nachgefragt.

Flüchtlinge in der Schule
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Haben wirklich so wenige Flüchtlinge einen Schulabschluss?

Wenn man auf alle drei Länder gemeinsam schaut, dann haben 38% der arbeitssuchenden Flüchtlinge keinen Schulabschluss. Bei weiteren 22% machen die Arbeitsagenturen keine Angabe. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen keinen Schulabschluss haben, sagt Kristian Veil. Er ist der Sprecher der Landesarbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen:

Letztendlich gibt es Menschen, die eben keinen Nachweis bringen können. Oftmals ist es so, dass gerade jüngere Menschen eine Fluchtgeschichte haben. Die hat dann auch die Schulzeit unterbrochen. So dass man auch nicht sagen kann, wie lange die Schule dann gedauert hat, welcher Schulabschluss erreicht wurde und zum anderen ist es ja auch so, dass viele Menschen auch keine Nachweise dabei haben.

Rechenfehler bei der Bundesagentur für Berufsbildung?

Anfang der Woche erklärte die Bundesagentur für Berufsbildung: Fast 60% der Flüchtlinge hätten keinen Schulabschluss, revidierte aber diese Angabe danach wieder. So hätte die Bundesagentur die Zahlen nicht herausgegeben, vermeldete sie. Aber wie kommt diese hohe Zahl zustande?

Es wurde gleich mehrfach falsch gerechnet. Denn es wurden auch Flüchtlinge einberechnet, bei denen man nicht weiß, welche Bildung sie haben oder bei denen die Nachweise fehlen. Bei der Berechnung wurden nur die Flüchtlinge einberechnet, die gerade Arbeit suchen. Zudem müsste man laut den Arbeitsagenturen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in dieser Rechnung, aber auch auf die Menschen schauen, die zu uns gekommen sind und die schon arbeiten. Dann ist der Anteil von Flüchtlingen mit Schulbildung sogar noch höher.

Welche Rolle spielt es im Arbeitsalltag, ob Flüchtlinge einen Schulabschluss haben?

Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte am unabhängigen Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erklärt, die Abschlüsse von Flüchtlingen seien nicht vergleichbar:

Wir haben in Deutschland zehn Jahre Regelschulzeit. In den Herkunftsländern der Flüchtlinge ist die Zeit kürzer. Syrien kommt immerhin auf neun Jahre. Aber Afghanistan und Irak auf sechs Jahre. Und selbst in dem Fall, wenn ein Schulabschluss vorliegt, dann ist der mit einem deutschen Hauptschulabschluss überhaupt nicht vergleichbar.

Karl Brenke sagt aber, für die Integration von Flüchtlingen sei es wichtig, dass sie einen Schulabschluss und eine gute Ausbildung haben. Denn für einfache Jobs, in denen man ohne Schulabschluss und Ausbildung arbeiten könne, gäbe es jetzt schon 12 Bewerber auf eine Stelle.

Statistik zu den Schulabschlüssen von Flüchtlingen (Juli 2017)
  Sachsen-Anhalt (13.490 arbeitssuchende Flüchtlinge) Thüringen (10.764 arbeitssuchende Flüchtlinge) Sachsen (17.923 arbeitssuchende Flüchtlinge)
keinen Hauptschulabschluss 5.974 3.768 6.341
Hauptschulabschluss 769 845 1.751
Mittlere Reife 446 688 1.346
Fachhochschulreife 342 232 553
Abitur 2.828 2.267 4.529
keine Angabe 3.131 2.964 3.403

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Abend | 24.08.2017 | 19:20 Uhr