Quicktipp: Alternativen für Zucker Welche sind gesünder und greifen die Zähne weniger an?

Stevia
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MDR JUMP Di 21.11.2017 02:10Uhr 01:58 min

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Zwischen 35 und 45 Kilogramm Zucker verbraucht jeder Deutsche verschiedenen Studien zufolge pro Jahr. Das ist aus Sicht von Ernährungsexperten und Zahnärzten deutlich zu viel. Zucker macht dick und schädigt die Zähne. Diese Nachteile kennen die meisten. Aber der Verzicht auf die Süße in den Lebensmitteln fällt schwer. Glaubt man der Werbung, sollte das aber kein Problem sein: Immerhin gebe es genug gute Alternativen, die Verbraucher selbst fürs Backen oder Süßen kaufen können oder die Lebensmitteln zugesetzt werden und sich in der Zutatenliste wiederfinden. Wir geben einen Überblick, welche Alternativen tatsächlich gesünder als Zucker sind.

Stevia

Stevia
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Stevia wird gern als „natürliche Super-Süße“ beworben: Die Alternative hat keine Kalorien, ist hundertmal süßer als Zucker und stammt ursprünglich aus einer Pflanze in Südamerika. Die Hersteller von Lebensmitteln mit Stevia werben daher gern mit dem grünen Image des Süßstoffs. Doch in Europa sind die Stevia-Blätter selbst gar nicht zugelassen. Gesüßt werden darf hier nur mit Steviolglykosiden, die mit zahlreichen komplizierten chemischen Verfahren wie Entfärben oder Entsalzen aus den Blättern der Pflanze gewonnen werden. Von einem Natur- oder gar Bioprodukt könne man trotzdem nicht sprechen, sagen Ernährungsexperten. Leider würden die meisten Lebensmittel trotz Stevia-Aufdruckes doch nicht ohne weitere Kalorien gesüßt, sagt Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung: „In der Zutatenliste findet man meist noch andere Süßungsmittel mit zusätzlichen Kalorien“. Die meisten Produkte könnten allein mit Stevia-Süße gar nicht verfeinert werden. „Die schmecken dann so, dass die Verbraucher das Produkt ablehnen würden: nach Lakritz und sehr eigen“, sagt unsere Expertin.

Agavendicksaft

Die aus Kakteen in Mittelamerika gewonne Süße gilt als gesunder Zucker-Ersatz. Den gibt es inzwischen nicht mehr nur im Reformhaus oder Bioladen, sondern auch in vielen Supermärkten. Agavendicksaft enthält vor allem Fruchtzucker. Kalorienfrei ist die Süße damit nicht, und die Zähne greift sie auch an. „Agavendicksaft ist etwas kräftiger im Geschmack, daher kann man damit etwas Süße sparen“, sagt Britta Klein. Allerdings halten manche Lebensmittel wie Marmelade mit Agavendicksaft statt Zucker auch nicht so lange wie gewohnt. Denn Zucker dient auch als Konservierungsmittel.

Honig und Ahornsirup

 Ein Teelöffel voll mit Honig
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Auch die beiden natürlichen Zuckeralternativen Honig und Ahornsirup enthalten reichlich Fruchtzucker und sind damit schädlich für die Zähne. Honig hat zudem ähnlich viel Kalorien wie Zucker, bei Ahornsirup sind es im Vergleich etwas weniger. Beide Alternativen sind daher eher eine geschmackliche Abwechslung zu Zucker. Den etwas herben Geschmack des Sirups aus Bäumen mögen allerdings nicht alle. Als Süße für Pfannkuchen oder für Dressings kann die Süße aber trotzdem eingesetzt werden. „Viele Verbraucher kaufen Ahornsirup wegen der zusätzlichen Nährstoffe. Davon sind aber so verschwindend wenige drin – die holt man sich besser aus Obst und Gemüse“, sagt Britta Klein. Sie weist darauf hin, dass Verbraucher beim Einsatz von Honig etwas üben müssten: „Beim Kuchenbacken etwa wird der Teig mit Honig statt Zucker etwas anders. Der ist etwas weniger locker und hat weniger Volumen.“

Isoglukosesirup

Fehlt auf der Zutatenliste Zucker und steht stattdessen Iso-Glukose oder Isoglukosesirup drin, bringt das für Figur und Zähne keinen Vorteil im Vergleich zu Zucker. „Den Sirup kann man aus Weizen oder Mais herstellen und er ist billiger als Rübenzucker“, sagt Britta Klein. Isoglukosesirup werde vor allem in den USA hergestellt und eingesetzt. Die Hersteller drängen auch hier in Deutschland zunehmend auf den Markt. Sowohl der klassische weiße Zucker als auch Iso-Glukose bestehen laut unserer Expertin aber aus einem ähnlichen Gemisch aus Glukose und Fructose.

Brauner Rohrzucker

Braunen Rohrzucker schließlich halten viele Verbraucher für gesünder als weißen Zucker aus Rüben. Rohrzucker schmeckt allerdings nur etwas intensiver, hat aber genauso viel Kalorien. „Außerdem sollte man bedenken: Rohrzucker muss von weit her importiert werden, Rübenzucker dagegen nicht“, sagt Britta Klein. Einen Vorteil kann Rohrzucker aber haben: Weil er am Ende nicht raffiniert, also speziell gereinigt wird wie Rübenzucker, enthält er noch einen Rest an Vitaminen und Mineralstoffen. Die Mengen sind laut Bundeszentrum für Ernährung aber so gering, dass sie für die Nährstoffzufuhr unbedeutend sind.

Die Menge macht‘s

Aus Sicht von Ernährungsexperten ist weißer Zucker nicht automatisch schlecht für die Gesundheit. Maximal 100g pro Tag sind in der Regel völlig okay. Das sollte man aber wissen: Maximal zwanzig Prozent unserer täglichen Zuckermenge macht der Löffel weiße Süße für den Kaffee, für den Joghurt oder den Obstsalat aus. Die Mehrzahl der Zucker nehmen wir versteckt zu uns. So findet sich Zucker zum Beispiel auch in Fleisch, in Wurst, in der Fischbüchse, in Ketchup, Senf oder Backwaren. In vielen Lebensmitteln dient die aus Rüben oder Zuckerrohr gewonnene Süße nicht nur als Geschmacksverstärker, sondern auch als Konservierungsmittel.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 21. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2017, 02:10 Uhr