Quicktipp: Zahnspange für Kinder Was muss ich wissen?

Feste Zahnspange im Mund von einem Mädchen.
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MDR JUMP Mo 25.09.2017 02:10Uhr 01:59 min

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Nichts geht über ein strahlendes Kinderlachen. Und blickt man dann auch noch auf zwei Reihen gerade stehender Zähne, ist alles perfekt. Für dieses perfekte Lachen greifen immer mehr Eltern für ihre Kinder und Jugendliche freiwillig zur Zahnspange.

Wann benötigt ein Kind eine Zahnspange?

Es gibt verschiedene Arten von Zahnfehlstellungen, die das Tragen einer Zahnspange notwendig machen. Die häufigsten sind:

  • Engstand: Etwa die Hälfte aller Fehlstellungen ist durch den Engstand bedingt. Dabei haben die neu durchbrechenden Zähne nicht genug Platz im Kiefer, weil dieser nicht groß genug ist oder aber die Zähne selbst zu groß sind.
  • Lückenbiss: Beim Lückenbiss ist der Kiefer im Verhältnis zu den Zähnen zu groß. Zwischen diesen gibt es deshalb große Lücken.
  • Kreuzbiss: Beim Kreuzbiss beißen die Zähne versetzt aufeinander. Das kann nur einzelne Zähne betreffen, oder sich aus einem Missverhältnis der Kieferknochen entwickeln.
  • Überbiss und Vorbiss: Bei beiden Fehlstellungen ist das Größenverhältnis von Ober- und Unterkiefer unharmonisch. Beim Überbiss ist der Oberkiefer zu groß und die oberen Zähne liegen weit vor denen des Unterkiefers. Beim Vorbiss hingeben ist es genau umgekehrt und die unteren Zähne stehen vor.
  • Tiefer oder offener Biss: Beim tiefen Biss überdecken die Schneidezähne die unteren Zähne zu weit. Hingegen fehlt beim offenen Biss der Kontakt im Bereich der Schneide- oder Backenzähne.

Stellt der Zahnarzt bei der regelmäßigen Kontrolle der Zähne des Kindes eine Fehlstellung fest, wird er die Eltern des Kindes darauf ansprechen. Die Eltern sollten aber auch selbst darauf achten, wie sich die bleibenden Zähne ihres Kindes entwickeln, und beim Verdacht auf sich ankündigende Probleme den Zahnarzt oder Kieferorthopäden ihres Vertrauens ansprechen. Grundsätzlich sollte eine kieferorthopädische Korrektur begonnen werden, wenn bei einem Kind die Milchzähne ausfallen und sich Backenzähne des bleibenden Gebisses zeigen – also im Alter von neun oder zehn Jahren. Es gibt jedoch Altersschwankungen. Zudem hinken Jungen bei der Gebissentwicklung den Mädchen meist etwas hinterher. Handelt es sich um Zahnfehlstellungen, die eine Hemmung des Kieferwachstums verursachen können, kann mit der Behandlung auch schon ab dem vierten Lebensjahr begonnen werden.

Welche Arten von Zahnspangen gibt es?

Zahnspange
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Unterschieden werden feste und lose Zahnspangen. Die gesetzliche Kasse zahlt das Basismodell mit sogenannten Metallbrackets und Stahlbögen. Die Brackets sind fest auf den Zähnen verankert und die Stahlbögen werden mit Gummis daran befestigt. Experten erachten dieses Basismodell als völlig ausreichend für die Behandlung einer Zahnfehlstellung. Optisch unauffälliger und komfortabler sind Brackets und Zahnbögen aus Kunststoff oder Keramik. Für diese fallen allerdings Kosten von oft über 1.000 Euro an, die nicht von der Kasse getragen werden. Lose Zahnspangen werden meist bei leichten Zahnfehlstellungen genutzt. Sie werden über Nacht getragen, da sie das Sprechen erschweren, und sind wesentlich kostengünstiger als feste Zahnspangen.

Wie lange muss die Zahnspange getragen werden?

Die Tragedauer einer Zahnspange kann sich von Fall zu Fall stark unterscheiden und reicht von eineinhalb bis zu vier Jahren. Dauert die Behandlung länger als vier Jahre, muss eine Verlängerung bei der Krankenkasse beantragt werden.

Wer übernimmt die Kosten?

Zahnarzt oder Kieferorthopäde müssen den Schweregrad der Zahnfehlstellung auf einer Skala von 0 (keine Fehlstellung) bis 5 (extreme Fehlstellung) bewerten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten erst ab Schweregrad 3, private Krankenkassen häufig auch bei niedrigeren Graden. Nach Prüfung und Genehmigung des Behandlungsplans übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen zunächst 80 Prozent der Kosten, bei gleichzeitiger Behandlung von weiteren im gleichen Haushalt lebenden Kindern sogar 90 Prozent. Die restlichen 20 bzw. 10 Prozent der Kosten müssen die Eltern zwischenzeitlich als Eigenanteil zahlen, bekommen diesen aber nach Abschluss der Behandlung von den Kassen erstattet.

Mädchen bei einem Zahnarzt
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Neuere diagnostische und therapeutische Varianten, wie z. B. Keramik- oder Komfortbrackets und sogenannte unsichtbare Zahnspangen werden von den Kassen nicht bezahlt. Soll es eine solche Spange fürs Kind sein, müssen die Eltern die Mehrkosten, die über die Grundversorgung bei Zahnspangen hinausgeht, zuzahlen. In jedem Fall sind Zahnarzt oder Kieferorthopäde aber verpflichtet, über die Möglichkeit der kostenfreien Behandlung aufzuklären. Sie dürfen eine Behandlung auch nicht von der Wahl einer kostenintensiveren Spangenvariante abhängig machen.

Kann ich eine Zahnspange vermeiden?

Ist die Zahnfehlstellung angeboren, lässt sich eine Zahnspange nicht vermeiden. Etwa zwei Drittel der Zahnfehlstellungen sind allerdings durch äußere Faktoren verursacht, und die kann man sehr wohl beeinflussen. Schon im Baby- und Kleinkindalter können Eltern Zahnfehlstellungen vorbeugen. So sollten Daumenlutschen, zu langes Nuckeln an der Flasche und ungeeignete Nuckel unbedingt vermieden werden. Auch ein frühzeitiger Verlust der Milchzähne, z. B. durch Karies, fördert Zahnfehlstellungen des bleibenden Gebisses. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind deshalb gerade für Kinder unerlässlich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 25. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 02:10 Uhr