Quicktipp: Technik Wohin mit alten Handys?

Übereinandergestapelte Handys neben einem iPhone
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MDR JUMP Mi 26.10.2016 02:10Uhr 02:00 min

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Rund einhundert Millionen alte Handys verstauben laut Branchenverband Bitkom in Deutschland in Schubladen, Kisten und Schreibtischen. Darunter sind Schiebehandys, Klapp-Handys oder die ersten Smartphones mit Touchscreen. Umweltschützer machen regelmäßig mit Aktionen darauf aufmerksam, dass die Altgeräte besser gespendet werden sollten. Die ungenutzten Geräte enthalten oft noch zahlreiche wertvolle Rohstoffe. Zudem können alte Handys oft noch in Entwicklungsländern genutzt werden.

Noch viel drin!

Gold, Silber, Palladium und Kobalt sind die wichtigsten Rohstoffe, die aus alten Handys beim Recycling herausgeholt werden können. In alten Tastenhandys sind von den genannten Metallen übrigens noch mehr drin als in modernen Smartphones. Richtig Geld machen lasse sich mit den Rohstoffen aber nicht, sagt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe: "So ein altes Handy hat vom Materialwert vielleicht einen Euro und man muss ja sehen, dass beim Entsorgen noch große Kosten für die Logistik und so weiter anfallen."

Rücknahme einfach gemacht

mehrere Nokia-Handys liegen auf einem Tisch
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Mobilfunkunternehmen wie Telekom oder O2 nehmen alte Handys und Smartphones in ihren Shops an und belohnen dafür manchmal Kunden mit Gutscheinen. Die Geräte können auch bei den Wertstoffhöfen der Gemeinden abgegeben werden. Außerdem müssen seit Ende Juli auch die großen Elektronikhändler und Onlineshops Handys und andere Kleingeräte unentgeltlich zurücknehmen. Alternativ kann auf der Internetseite "Handys für die Umwelt" ein Versandschein fürs kostenlose Verschicken per Post ausgedruckt werden.

Kein Gütesiegel

Beim Zurückgeben sollte man darauf achten, dass hinter der Sammelaktion bekannte Namen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) oder der Naturschutzbund (NABU) stehen, rät Abfallexperte Sommer: "Es gibt in Deutschland kein Gütesiegel, das den Rücknahmeprozess bewertet." Die Deutsche Umwelthilfe und andere namhafte Organisationen prüften die Geräte zunächst darauf, ob die Handys eventuell noch im Ausland weiterverwendet werden können. Defekte Geräte würden bei zertifizierten Entsorgern recycelt. "Anders ist es, wenn man das Handy an kleine Sammler gibt. Die sind auf den reinen Schrottwert aus", sagt Philipp Sommer. Bei den bekannten Verbänden gingen Nutzer zudem auf Nummer sicher, dass keine privaten Daten in falsche Hände geraten: "Wenn Handys über uns oder andere anerkannte Sammelsysteme reinkommen, wird immer noch eine zweite Sicherheit, eine Datenlöschung, gemacht in einem zertifizierten Prozess."

Nicht in den Müll!

In die normale gelbe Tonne oder den Hausmüll gehören alte Geräte laut Philipp Sommer nie: "Kleine Elektrogeräte wie Handys enthalten immer noch Schadstoffe, in den Batterien, in den Kunststoffen. Da sind oft noch Flammschutzmittel drin." Der Abfallexperte warnt auch davor, die Handys etwa in die "Gelbe Tonne Plus" zu werfen. Bei diesem Pilotprojekt der Stadt Leipzig können alte Elektrogeräte über die Tonne abgegeben werden. "Das sehen wir kritisch. Wenn kleine Elektrogeräte wie Handys Schadstoffe enthalten, gehen die auf den anderen Stoffstrom wie Verpackungen über und verschlechtert deren Qualität", warnt Philipp Sommer. Außerdem könnten die in der Tonne gesammelten Geräte nur noch recycelt und nicht mehr wiederverwendet werden. Letzteres sei aber aus ökologischer Sicht die bessere Lösung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 12. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 02:10 Uhr