Quicktipp: Auto Die richtigen Reifen für den Winter

Ganzjahresreifen oder Winterreifen?

Wenn Sie im Winter wenig und meist nur  in schneearmer Region unterwegs sind, sind Ganzjahresreifen durchaus eine Alternative. Sie sparen das Geld für Lagerung, den halbjährlichen Wechsel und den zweiten Satz Felgen. Das gilt für Klein- und Kompaktwagen. "Wer sein Fahrzeug nur regional bewegt und es bei Extremwetter auch mal stehen lassen kann, für den sind Ganzjahresreifen eine Möglichkeit. Wer ins Bergland will oder größere Autos fährt, für den sind Winterreifen alternativlos." rät ADAC-Experte Ruprecht Müller. Der ADAC hat im September 2016 Reifen getestet. Die Qualität der Ganzjahresreifen hat sich im Vergleich zum Test 2014 zwar verbessert, sie können aber nach wie vor nicht die Eigenschaften der jahreszeitspezifisch ausgelegten Sommer- oder Winterreifen in sich vereinen.

Sind Winterreifen Pflicht?

Nahaufnahme eines montierten Winterreifens auf einer verschneiten Straße.
Bildrechte: IMAGO

Es gibt eine gesetzlich situative Pflicht. Das bedeutet, es muss mit Winterreifen gefahren werden, wenn die Witterungsverhältnisse es erfordern. Bei mildem Winterwetter darf man rein rechtlich also auch mit Sommerreifen unterwegs sein. Kommt es dann aber zu einem überraschenden Wintereinbruch, hat man bei einem Unfall mit Sommerreifen ganz schlechte Karten. Bis zu 120 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg können im Zweifel fällig werden, wenn man bei Schneematsch, Schnee-, Eis- oder Reifglätte nicht mit entsprechender Ausrüstung unterwegs ist. Mit Winterreifen oder auch Ganzjahresreifen ist man also auf der sicheren Seite.

Von wann bis wann sollte ich mit Winterreifen fahren?

Die goldene Regel lautet "Von O bis O", also von Oktober bis Ostern. Da Ostern nun jedes Jahr auf einen anderen Termin fällt, verfahren Sie am besten so: Sobald oder solange die Temperaturen nachts unter 7° Celsius sinken, sind Winterreifen, die beste Besohlung für Ihr Auto. Das ist die Temperatur bei der die Gummimischung von Sommerreifen an ihre Grenzen kommt.

Woran erkenne ich Winterreifen?

Im Unterschied zu Sommerreifen weist das Profil von Winterreifen zusätzlich Lamellen auf. Diese befinden sich in den Profilblöcken, reichen bis auf den Profilgrund und verhaken sich auf verschneiten oder glatten Fahrbahnen, um den Grip beim Bremsen und Wenden zu verbessern. Wichtig ist aber auch, wie sich die Reifen bei Nässe verhalten. Das lässt sich für den Verbraucher jedoch kaum erkennen und deshalb empfehlen Experten, sich in aktuellen Produkttests zu informieren.

Symbol mit Schneeflocke und Bergen auf einem Winterreifen
Winterreifen mit diesem Symbol weisen eine Mindestgriffigkeit auf Schnee auf. Bildrechte: IMAGO

In Deutschland müssen Winterreifen mit dem M+S-Zeichen gekennzeichnet sein. Die besten Winterreifen zu erkennen, ist aber nicht leicht. Ein gutes Indiz ist auf jeden Fall das Schneeflocken-Symbol, denn das dürfen nur Reifen tragen, die eine Mindestgriffigkeit auf Schnee aufweisen. Winterreifen, die älter als sechs Jahre sind, sollten ersetzt werden, da im Laufe der Zeit die Gummimischung verhärtet und die Hafteigenschaften der Reifen deutlich nachlassen, selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist.

Billig oder teuer?

"Man kann nicht sagen, dass billige Reifen grundsätzlich schlecht sind", sagt ADAC-Experte Müller. Er empfiehlt bei der Kaufentscheidung auch auf die eigene Erfahrung zu vertrauen. War das bisher gefahrene Modell gut, sollte man durchaus dabei bleiben. Eine weitere Orientierung bieten Tests. Der aktuelle ADAC-Test zeigt, dass viele gute und sehr gute Eigenschaften bei Winterreifen den Käufern die Wahl lassen. Auto-BILD hat 50 Winterreifen für die Kompaktklasse getestet (Ausgabe 40/2016). Hier kommt man zu dem Schluss, dass Billig-Reifen nicht zu trauen ist. Zu beachten ist aber, dass Tests immer nur einen Bruchteil des Marktes abbilden. Es lohnt also, mehrere Tests zur Kaufentscheidung heranzuziehen und sich auch vom Händler beraten zu lassen. Generell sind gute Winterreifen für Kleinwagen und die Kompaktklasse ab 75 Euro zu haben. In der Mittelklasse kostet ein mit "gut" getesteter Pneu ab 145 Euro.

Sind runderneuerte Winterreifen empfehlenswert?

Mit dem Kauf von runderneuerten Reifen lassen sich bis zu 50 Prozent im Vergleich zu fabrikneuen Pneus sparen. Beim Runderneuern wird die Lauffläche des Reifens von der Karkasse gelöst und mittels Vulkanisierung ein neues Profil auf den alten Unterbau gebracht. Die Karkasse war also bereits einem Alterungsprozess ausgesetzt. Das ist auch der Grund, weshalb runderneuerte Reifen immer in niedrigere Geschwindigkeitsklassen eingestuft werden als fabrikneue. Runderneuerte Reifen müssen gekennzeichnet werden und zwar mit "R", "retread", "retreaded" oder "runderneuert". Die Reifen haben einen hohen Rollwiderstand und hierdurch steigen Verschleiß und Spritkosten, was das Sparpotenzial des Kaufs mindert. Runderneuerte Reifen werden deshalb nur für Wenigfahrer mit leistungsschwächeren Autos als vertretbare Alternative empfohlen.

Kauf im Internet, Montage vor Ort?

Wer Reifen im Internet kaufen will, sollte die Folgekosten vorher kalkulieren. Die Pneus müssen in die Werkstatt transportiert werden und viele Händler und Werkstätten bieten – kauft man die Reifen nicht bei ihnen –­ für die alleinige Montage keinen günstigen Preis an. Deshalb: erst Monteur suchen und dann im Internet kaufen. Und auf jeden Fall vorher die Preise für Reifen und Montage vergleichen.

Beim Preisvergleich ist es wichtig darauf zu achten, dass auch wirklich alle Posten und mögliche Zusatzkosten in die Kalkulation einfließen. Neben dem Reifenaufziehen, der Demontage und Montage, sollten auch Kosten für die Altreifenentsorgung, für Ventile und für die bei neueren Fahrzeugen notwendige Wartung des Reifendruckkontrollsystems berücksichtigt werden.

Werkstatt oder Selbstmontage?

Wer über etwas handwerkliches Geschick verfügt, kann Winterreifen durchaus selbst montieren. In der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs wird der Reifenwechsel erklärt. Unser Experte empfiehlt, einen Hydraulikwagenheber zu verwenden, da der im Fahrzeug vorhandene nur einen Notbehelf darstellt. Genau wie ein normaler Kreuz- oder Hebelschlüssel. Verwendet man den, besteht die Gefahr, die Radschrauben zu fest oder zu lasch anzuziehen – mit womöglich fatalen Folgen. Radschrauben müssen mit einem definierten Wert, dem Drehmoment, angezogen werden. Hierbei garantiert der Einsatz eines verstellbaren Drehmomentschlüssels, im Baumarkt ab 40 Euro zu haben, den sicheren Sitz und Halt der Räder. Den Wert des Drehmomentes für ihr Fahrzeug finden sie ebenfalls in der Bedienungsanleitung.

Ein Auswuchten der Räder ist nicht unbedingt nötig. Gab es im Betrieb mit den Rädern keine Probleme, gibt es auch keinen Grund, neuerlich zu wuchten, so unser Fachmann.

Richtige lagern

Spätestens im Frühling, wenn Sommer- oder Ganzjahresreifen wieder am Fahrzeug sind, stellt sich die Frage: wie und wo sollten die Winterreifen gelagert werden. Fakt ist, wer hier Fehler macht, verkürzt die Lebensdauer der Pneus. Vor der Einlagerung sollten die Reifen auf Fremdkörper und Beschädigungen geprüft werden. Die Profiltiefe muss mindestens noch 1,6 mm betragen, sonst dürfen die Reifen nicht mehr gefahren werden. Wer Kompletträder lagern will, muss auch die Felgen kontrollieren. Hier sollte zum Beispiel Rost entfernt werden.

Lohnt sich die Einlagerung noch, dann sollte der Luftdruck um 0,5 Bar über dem vom Hersteller empfohlenen liegen, denn auch ungenutzte Reifen verlieren Luft. Nützlich ist eine Beschriftung der Räder mit Kreide oder Wachsstift – zum Beispiel mit VL und HR ("vorne links" und "hinten rechts"). So lassen sie sich in der nächsten Saison leicht achsweise tauschen. Um einem ungleichmäßigen Abfahren des Profils vorzubeugen, sollte das alle 10.000 Kilometer geschehen.

Wer genug Platz hat, kann die Reifen selbst lagern. Wichtig ist: die Umgebung sollte dunkel, kühl und trocken sein. Auch die Position ist wichtig. Reifen ohne Felgen lagert man am besten stehend und dreht sie alle sechs Wochen um ein Viertel. Kompletträder bewahrt man auf dem Boden liegend übereinandergestapelt, an einem Felgenbaum oder einer Wandhalterung auf.

Reicht der Platz im eigenen Heim nicht, bieten viele Werkstätten und Händler die Einlagerung an. Hierbei empfiehlt der ADAC, einen verbindlichen Vertrag abzuschließen und die Reifen zu fotografieren. Das beugt Streitigkeiten bei Verlust oder eventueller Beschädigung während der Lagerzeit vor.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2016, 02:10 Uhr