Quicktipp: Der richtige Wanderschuh Worauf muss ich beim Kauf achten?

Je länger man zu Fuß unterwegs ist, umso wichtiger wird die Auswahl des richtigen Schuhwerks. Vor allem Wanderschuhe werden besonders beansprucht. Wir haben zusammengefasst, was du vor dem Kauf bedenken solltest.

Outdoor und Trekking Stiefel
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Umschau-Quicktipp Wanderschuhe

Wanderschuhe

MDR JUMP Fr 29.09.2017 02:10Uhr 01:57 min

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Wer seinen Füßen Gutes tun will, steckt sie in passende Schuhe. Je länger man zu Fuß unterwegs ist, umso wichtiger wird die Auswahl des richtigen Schuhwerks. Vor allem Wanderschuhe werden in besonderer Weise beansprucht. Deswegen sollten vor allem Wanderfreunde beim Kauf die Augen offen halten.

Kategorien von Wanderschuhen

Vor jedem Kauf sollte klar sein, in welchem Terrain man die Schuhe überhaupt benutzten wird.  Eine Einteilung, die von vielen Herstellern genutzt wird, geht auf den Unternehmer Alfons Meindl zurück. Das sogenannte Schuh-ABC deckt vom Einsatz bei leichteren Wanderungen bis hin zum Bergesteigen alles ab.

  • Kategorie A: Dabei handelt es sich um leichte Wanderschuhe, meist Halbschuhe oder auch Multifunktionsschuhe, die auch für ausgedehnte Spaziergänge oder andere Outdooraktivitäten getragen werden können. Sie haben eine flexible Sohle, aber wenig Dämpfung. Sie kommen dann infrage, wenn man auf gut ausgebauten und mehrheitlich ebenen Strecken mit wenig Gepäck wandert.
  • Kategorie A/B: Modelle der Kategorie A/B sind bereits knöchelhohe Leichtwanderstiefel. Sie eigenen sich für Tagestouren auf weitgehend befestigten Wegen wie etwa in Mittelgebirgen. Durch ihr noch relativ geringes Gewicht bieten die A/B-Stiefel einen hohen Tragekomfort. Die Sohle ist ein wenig dicker als die der Kategorie A, aber noch verwindbar. 
  • Kategorie B: In die B-Kategorie fallen klassische Wander- oder Trekkingstiefel, die bis zum Knöchel reichen und auch auf anspruchsvolleren Touren getragen werden. Sie erfüllen ihren Zweck auf ausgebauten, aber auch auf unbefestigten Bergstrecken und bieten durch den hohen Schaft guten Schutz vorm Umknicken. Das Begehen von vorhandenen Wegen im alpinen Gelände oder ausgedehnte Touren mit schwerem Gepäck ist mit B-Stiefeln gut möglich. Diese Modelle rollen noch gut ab, sind aber deutlich verwindungssteifer als Leichtwanderstiefel. Je verwindungssteifer ein Wanderschuh ausfällt, desto anspruchsvoller kann das Terrain sein. Durch eine Zwischensohle sind die Schuhe gut gedämpft.
  • Kategorie B/C: Diese Schuhe sind schwerere Trekkingstiefel mit steifer Sohle und tiefem Profil. Sie haben einen hohen stabilen Schaft und dadurch eine noch höhere Stabilität. Diese Trekkingstiefel sind für Touren in unwegsamem, steilem Gelände geeignet. Bei den meisten Modellen können Steigeisen angelegt werden.
  • Kategorie C, C/D und D: Für das extreme Hochgebirge oder für Bergtouren auf groben, steilen Untergründen abseits von Wegen taugen Bergstiefel beziehungsweise Expeditionsstiefel. Sie sind verhältnismäßig schwer, aber extrem robust verarbeitet und voll steigeisentauglich. Zum eigentlichen Wandern sind diese Schuhe nicht mehr geeignet, da sie in keiner Weise abrollen.

Synthetik oder Leder?

Wanderinnen machen eine Pause im Gebirge
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Eine Anforderung, die unabhängig von der Wanderstrecke für alle Wanderschuhe gilt, betrifft vor allem das Fußklima. Damit Schuhe vor eindringendem Wasser geschützt werden, sind sie oft mit einer wasserdichten und atmungsaktiven Membran ausgestattet. So bleiben Füße selbst bei stundenlangen Regentouren trocken. Allerdings haben Schuhe mit Membranen auch Nachteile: An warmen oder heißen Tagen schwitzt man deutlich mehr als in einem membranfreien Schuh, da dann die Atmungsaktivität der Membran an ihre Leistungsgrenze kommt. Wer auf angenehmes Fußklima nicht verzichten möchte, aber dennoch so gut wie wasserdicht unterwegs sein will, kann alternativ auf einen Volllederstiefel ohne Membran ausweichen. Richtig gepflegt und gründlich mit Wachs imprägniert, halten sie problemlos einige Stunden im Regen trocken und bewältigen auch kurze Bachquerungen. Allerdings sind Volllederschuhe ab 200 Euro oft teurer als Synthetikstiefel und zudem meist etwas schwerer am Fuß. Gute, halbhohe Wanderschuhe der Kategorie A bekommt man ab circa 130 Euro. Sie können aber abhängig von Ausstattung und Marke auch bis 180 Euro kosten. Zuverlässige A/B-Leichtwanderstiefel und B-Wanderstiefel gibt es ab circa 170 Euro, wobei ein moderner Textilschuh genau wie ein Lederschuh auch über 200 Euro kosten kann.

Tipps für den Einkauf

Wanderschuhe kauft man am besten am Nachmittag, weil die Füße im Tagesverlauf immer etwas anschwellen, was auch beim Wandern der Fall ist. Morgens kauft man unter Umständen eine Nummer zu klein. Zum Schuhkauf nimmt am besten die persönlich bevorzugten Wandersocken mit, denn nicht jede Socken-Schuh-Kombination passt zueinander.

Wer neue Wanderschuhe kauft, sollte genau überlegen, bei welchen Wetterbedingungen er wandert, in welcher Region und wie lange bzw. mit wieviel Gepäck er unterwegs sein wird. Entsprechend der genannten Modellkategorien wird dann eine zuverlässige Einordnung möglich. Bei vielen Markenherstellern gibt es mittlerweile verschiedene Leistensysteme, also beispielsweise schmale, normale, breite oder Spezialleisten wie etwa für den hallux valgus.

Damit der Schuh nicht drückt, Fersen sowie Knöchel Halt und die Zehen ausreichend Spiel haben, besser Modelle unterschiedlicher Anbieter probieren! Fachgeschäfte bieten spezielle Wanderschuh-Teststrecken an. Dort kann man auf verschiedenen Untergründen ansteigende beziehungsweise absteigende Passagen absolvieren und so das Verhalten der Schuhe am Fuß testen. Insgesamt muss der Schuh vor allem an der Ferse perfekt sitzen und gleichzeitig dürfen die Zehen nicht nach vorn in die Schuhspitzen hineinrutschen oder anstoßen. Moderne Wanderschuhe, egal ob aus Synthetik oder Leder, müssen nicht mehr eingelaufen werden, sie müssen von Anfang an passen. Man sollte keine Kompromisse eingehen, wenn der Schuh bereits im Laden nicht gut sitzt.

Auch auf die Sohlen achten

Wird ein Wanderschuh oft benutzt, läuft sich das äußere Sohlenprofil rasch ab. Wurde die Sohle direkt angespritzt, lässt sie sich weder reparieren noch auswechseln. Wer beim Kauf jedoch darauf achtet, dass ein Schuh neu besohlt werden kann, spart im Zweifel Geld. Für 50 bis 80 Euro je nach Aufwand und Modell kann man sich eine neue Sohle anbringen lassen und kleinere Reparaturen beauftragen. Dazu nimmt man am besten Kontakt zum Hersteller auf und schickt den Schuh ein. Diesen Service übernehmen aber auch einige Outdoorgeschäfte für ihre Kunden.

Problem Hydrolyse

Sohle löst sich beim wandern von dem Wanderschuh
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Hydrolyse beschreibt das Phänomen, dass sich eine Sohle plötzlich vom Schuh ablöst. Grund ist ein chemischer Prozess, der in der Zwischensohle stattfindet. Viele Zwischensohlen enthalten zur Dämpfung Polyurethan, das sogenannte Weichmacher enthält. Verdampfen diese Weichmacher wird das Polyurethan hart und bröselig. Durch die Abrollbewegungen beim Laufen bricht die Laufsohle schließlich ab. Werden Schuhe längere Zeit nicht gebraucht, kann sich dieser Prozess beschleunigen. Regelmäßiges Bewegen und Aufwärmen des Schuhs verlangsamt den Prozess. Ob ein Schuh teuer oder preiswert war, spielt dafür im Übrigen keine Rolle. Hydrolyse tritt nur dann nicht auf, wenn Zwischensohlen aus dem Kunststoff EVA bestehen oder es sich um zwiegenähte Schuhe handelt. Standen die Schuhe lange im Schrank, empfiehlt es sich im Zweifel, diese zunächst einmal im Alltag zu tragen. Fällt dann die Sohle ab, ist das zumindest weniger verhängnisvoll als bei einer Wanderung fernab der Zivilisation.

Pflege

Grundsätzlich sollte man Wanderschuhe luftig und trocken lagern. Feuchte, Hitze und Kälte tun keinem Schuh gut. Zum Säubern der Schuhe nimmt man eine weiche Bürste und Wasser. Selbst wenn der Schuh trocken geblieben ist, reinigt man besser mit Wasser. Das stellt sicher, dass das Obermaterial nicht durch die Schmutzpartikel wie etwa Sandkörner in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch die Sohle gehört gereinigt. Denn nur eine saubere Sohle ohne Verkrustungen garantiert den nötigen Grip beim Wandern.

Schuhe trocknen am besten in einem warmen Raum. Wer die Einlegesohlen herausnimmt und Zeitungspapier hineinstopft, kann das Trocknen beschleunigen. Abzuraten ist es, feuchte Schuhe an der Heizung oder einer Feuerstelle zu platzieren, weil das Leder im Obermaterial so verhärtet.

Schuhwachs hält Leder elastisch und Wasser ab. Öle und Fette eignen sich insofern nicht, da diese die Luftdurchlässigkeit des Leders verhindern, indem sie die Poren verstopfen. Synthetisches und textiles Material bedarf weniger Pflegeaufwand, dennoch muss es auch gereinigt und imprägniert werden. Hier hält der Handel Sprays oder Pasten bereit. Die Imprägnierung wirkt am besten, wenn sie einige Stunden vor dem Einsatz der Schuhe erfolgt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 29. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 02:10 Uhr