Quicktipp: Preise für Strom und Gas Versteckte Preiserhöhungen bei Energieanbietern

Die üblichen Tricks

Die Versorger haben die Pflicht, dich über eine Preiserhöhung rechtzeitig zu informieren. Da ein einfacher Brief mit der Information, dass man zukünftig mehr Geld will, bei dem Kunden vielleicht Wechselabsichten weckt, werden klare Informationen nicht auf den ersten Blick deutlich gemacht. Die Information zur Preiserhöhung steckt dann nicht im Anschreiben direkt, sondern in einem meist mehrseitigen Schreiben. Oftmals sprechen Versorger dabei von einer "individuellen Preisinformation" oder einer "Preisanpassung". Auch Begriffmonster wie "personalisierte Preisentwicklung und Prognose"sollen von der eigentlichen Sache ablenken. Gern wird die Preiserhöhung auch in einem ewig langen Text verschleiert. Meist geschieht das, indem zunächst nur auf Teuerungen bei den Techniken der erneuerbaren Energien und auf Seiten des Staates abgezielt wird. Inhaltlich ist dann meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Kunden mit einer Preiserhöhung rechnen müssen.

So müsste es laufen

Ein Stromzähler
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Laut eines Urteils des Oberlandesgerichtes Düsseldorf vom 20. Oktober 2016 müssen die Versorger dich ohne Tricks und Verschleierungstaktik über eine geplante Preiserhöhung informieren, wie Dr. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt: "Der Versorger muss Sie transparent und verständlich darüber informieren, dass es sich um eine Preiserhöhung handelt. Das heißt, der Kunde muss das auf den ersten Blick verstehen." Auch die Form muss so gewählt sein, dass du als Kunde die Information ohne Missverständnisse bekommst. Eine Werbebroschüre ist nicht der richtige Weg. Hast du deinen Vertrag schriftlich abgeschlossen und keine Einwilligung in einen Mailverkehr gegeben, kann der Versorger dich nicht einfach anmailen oder gar per SMS über eine Preiserhöhung informieren.

Das Recht auf deiner Seite

Nach oben genanntem Urteil musst du eine versteckte Preiserhöhung nicht akzeptieren. Das gilt auch dann, wenn du von dieser Erhöhung erst bei der nächsten Abrechnung etwas mitbekommst. In diesem Fall kannst du dein Geld zurückfordern. "Sie müssen das nicht stillschweigend hinnehmen, auch wenn schon einige Wochen seit der Benachrichtigung ins Land gegangen sind. Denn, wenn Sie die Preiserhöhung nicht als solche erkannt haben, ist sie auch nicht wirksam", so Katja Henschler. Konkret bedeutet das, du zahlst vorerst nur den bisherigen Preis weiter, die Erhöhung behältst du ein.

So reagierst du richtig

Das gilt natürlich nicht bei einer ordnungsgemäßen Ankündigung. Hier hast du aber auch rund vier Wochen Zeit, um gegen die Preiserhöhung Widerspruch einzulegen, wenn du diese für ungerechtfertigt hältst. Außerdem hast du bei den meisten Verträgen ein Sonderkündigungsrecht im Falle einer Preiserhöhung.

Warmwasserhahn mit Handtuch
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"Sie müssen dann den Vertrag nur noch erfüllen, solange der alte Preis gilt. Wird die Erhöhung zum Beispiel am 1. Januar gültig, sind Sie noch bis zum 31.Dezember gebunden und können dann aus dem Vertrag raus", erklärt unsere Expertin. Die Kündigung des Vertrages musst du dem Versorger schriftlich mit Nachweis zukommen lassen. Entweder postalisch per Einschreiben, per E-Mail oder Fax, mit entsprechender Signatur und Speicherung. "Gut ist auch, wenn Sie einen Zeugen haben, der bestätigt, dass Sie an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit ein entsprechendes Schreiben abgeschickt haben", rät Dr. Henschler. Eine Preiserhöhung musst du nur dann akzeptieren, wenn du verständlich darüber informiert wurdest und die neuen Preise im Vergleich zu den anderen Anbietern nicht aus dem Rahmen fallen.

Keine kalte Wohnung

Gasflamme
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Versorger dürfen dir im Falle einer Kündigung nicht damit drohen, den Strom oder die Gaszufuhr abzudrehen. Wenn du alle bisherigen Rechnungen bezahlt hast und noch keinen neuen Versorger gefunden hast, dann übernimmt ab dem Zeitpunkt der wirksamen Kündigung ein Grundversorger deine Belieferung. Das ist in der Regel der größte ortsansässige Versorger.

Fazit

Eine versteckte Preiserhöhung musst du nicht akzeptieren. Der Versorger muss dich transparent und verständlich informieren. Um Missverständnissen vorzubeugen, informierst du deinen Versorger am besten darüber, dass du keine Werbung von ihm möchtest. Lies alle Informationen immer sorgfältig durch. Solltest du dich nicht gut informiert fühlen oder eine Preiserhöhung für ungerechtfertigt halten, dann wechsle den Versorger.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 04. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 02:10 Uhr

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