Quicktipp: Ernährung Vegane Lebensmittel

In eine Banane ist das Wort - VEGAN - geritzt
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MDR JUMP Fr 09.06.2017 02:10Uhr 02:00 min

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Weniger Massentierhaltung, weniger Umweltbelastung, gesünderes Leben, das sind einige der Gründe, sich vegan zu ernähren. Worauf sollte man achten, wenn man sich so ernähren will und für wen ist vegane Ernährung nicht geeignet? 

Vor– und Nachteile

Gemüse auf einem Markt in Funchal
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Veganer verzichten komplett auf tierische Lebensmittel und alle aus Tieren gewonnenen und hergestellten Produkte wie Milch, Käse, Eier usw. Der Vorteil: Durch die Ernährung mit ausschließlich pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Nüssen, Samen, guten Pflanzenölen usw. wird der Körper weniger mit Stoffen wie Cholesterin und gesättigten Fettsäuren belastet. Gemeinsam mit der guten Versorgung mit Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen schützt das vor Herz-Kreislauferkrankungen und Magen-Darmkrankheiten. Auch Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht lassen sich mit einer veganen Ernährung positiv beeinflussen. Nachteil: Einige Vitamine und Mineralstoffe können wir bei der Ernährung nur über tierische Produkte aufnehmen. Fehlen diese Stoffe über lange Zeit in der Nahrung, können Mangelerscheinungen auftreten. 

Mangelerscheinungen

Hauptproblem bei der veganen Ernährung ist ein Mangel an Vitamin B12. Das ist unter anderem wichtig für die Blutbildung, das Herz-Kreislauf-System und die Nerven. Vitamin B12 findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln. Solltest du dich vegan ernähren, musst du das Vitamin in künstlicher Form zu sich nehmen. Gleiches gilt für bestimmte Mineralstoffe wie Kalzium, Zink, Eisen und Vitamin D. Einen eventuell bestehenden Nähstoffmangel kannst du bei deinem Hausarzt überprüfen lassen. Gesunde Erwachsene können die Mangelerscheinungen einer veganen Ernährungsweise für einen gewissen Zeitraum aushalten, ohne dabei Schaden zu nehmen. Gefährlich wird es aber für Menschen, die auf eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen angewiesen sind. Dazu zählen besonders Kinder und Jugendliche, Schwangere, stillende Mütter und außerdem ältere und kranke Menschen. Besprich eine konsequent vegane Ernährung am besten vorher mit deinem Arzt.

Geschmacksprobleme

Neben den fehlenden Nährstoffen ist auch oft der fade Geschmack bei vegetarischen Produkten ein Problem. Tierische Fette sind Geschmacksträger und sorgen in vielen Lebensmitteln für das entsprechende Aroma. Um ähnliche Geschmackserlebnisse zu erreichen, werden vegane Lebensmittel oft vielfach verarbeitet und mit Zusatzstoffen versehen. Wurst- und Käseimitate sind deshalb oft mit reichlich Zucker, pflanzlichem Fett, Salz und Geschmacksverstärkern versetzt.    

Test von Ökotest

Nicht nur tierische, auch pflanzliche Öle und Fette sind Geschmacksträger. Ihr oft großer Eigengeschmack ist in den meisten Fällen jedoch nicht erwünscht. Deshalb werden pflanzliche Speiseöle raffiniert und gereinigt. Ihr Geschmack wird neutraler und die Öle besser haltbar. Dabei werden die Öle auf über 200 Grad erhitzt. So entstehen Schadstoffe wie Glycidil und 3 MCPD-Fettsäureester. Deren Folgeprodukte können krebserregend und giftig sein und haben in Tierversuchen Nieren, Hoden und Brustdrüsen geschädigt. Sei besonders vorsichtig bei Produkten, die Palmfett als Grundlage haben. Hier entstehen laut Ökotest die meisten Schadstoffe. Außerdem wurden bei einem Test des Verbrauchermagazins in vielen Brotaufstrichen Mineralölbestandteile gefunden. Diese gelangen offenbar während der Verarbeitung in die Aufstriche. Wohlgemerkt kommen diese Mineralölbestandteile nur in ganz kleinen Mengen vor. Zu suchen haben sie in Lebensmitteln trotzdem nichts. Denn daraus resultierende gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (kurz MOSH) und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (kurz MOAH) können Krebs auslösen und Organe schädigen. Veganer Wurst- und Fleischersatz ist also nicht in jedem Fall die gesündere Wahl. Steht in der Zutatenliste Öl oder Fett an zweiter oder dritter Stelle, führst du dir beim Verzehr reichlich Energie zu.

Vegane Wurst- und Fleischprodukte

Vegane- und vegetarische Wurstersatzprodukte
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Veggie-Wurst, Tofuschnitzel und vegane Bouletten sollen ein Ausgleich für Fleisch und Roster sein. Für die Grundmasse verwenden Hersteller oft den aus Soja gewonnenen Tofu. Geschmacksneutral und dadurch vielseitig verwendbar, wird Tofu oft mit vielen Zusätzen wie Farbstoffen und Stabilisatoren zu Tofuwurst, Tofuschnitzel und anderen fleischähnlichen Produkten verarbeitet. Geschmacklich kommen diese Produkte oft erstaunlich nah an das Original  heran. Das sensorische Erlebnis im Mund lässt bei vielen Produkten aber zu wünschen übrig. Anders gesagt: es fehlen der Biss und die richtige Konsistenz. Außerdem sind Wurst- und Käseimitate oft genauso fettig und damit kalorienreich wie Produkte aus Milch und Fleisch. Die zugesetzten Öle und Fette sind pflanzlich und gelten deshalb als gesünder. Gleiches gilt auch für die vielen verschiedenen veganen Brotaufstriche, die Fleischprodukte nachahmen. Aber: Auch hier sind oft reichlich Fette, Öle und Zusätze drin. Achte also beim Kauf auf möglichst wenig verarbeitete Produkte.  

Fazit

Vegane Ernährung ist eine mögliche Form, sich gesund zu ernähren. Allerdings solltest du keine Vorerkrankungen haben, deinen Nährstoffhaushalt regelmäßig überprüfen und mögliche Nährstoffdefizite ausgleichen. Achte bei veganen Lebensmitteln auf möglichst wenig verarbeitete Produkte. Einige Hersteller verwenden viele Zusatzstoffe, um Geschmack und Konsistenz der Produkte zu verbessern. Vegane Lebensmittel können zudem reichlich Öl und Fett enthalten.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 09.06.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2017, 02:10 Uhr