Quicktipp: Trinkwasserqualität Worauf man achten sollte

Der größte Teil des Trinkwassers wird in Deutschland über Brunnen aus dem Grundwasser, ein kleinerer Teil aus Oberflächenwasser über Talsperren, entnommen. Auch an Flussufern mit kieshaltigen Bodenschichten wird Wasser als sogenanntes Uferfiltrat gewonnen. In Wasserwerken wird das Wasser gefiltert, wenn nötig desinfiziert und in die zentrale Wasserversorgung eingespeist. Erst dann spricht man von Trinkwasser. Das Wasser kann regional unterschiedliche Eigenschaften haben. Die darin gelösten Mineralien sorgen für unterschiedliche Härtegrade. Das kann sich unter anderem auf Geschmack und Reinigungsverhalten des Wassers auswirken. 

Wasserwerke, Gesundheitsämter und das Umweltbundesamt achten streng darauf, dass bestehende Grenzwerte nicht überschritten werden. "Wenn Sie überhaupt mal Fremdstoffe darin finden, dann sind die Konzentrationen so gering, dass sie für den Menschen ungefährlich sind", sagt Dr. Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badewasserqualität am Umweltbundesamt.  

Belastetes Wasser muss kostenspieliger gereinigt werden

Pflanzenschutzmittel und Dünger können das Grundwasser stark belasten. Ganz aktuell steigen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden die Nitratwerte wieder an. "Für die Gewinnung von Biosprit wird vermehrt und großflächig Mais angebaut. Die Flächen werden stark gedüngt. Damit wird ein positiver Trend der letzten zehn bis zwanzig Jahre wieder umgekehrt", so Dr. Chorus. Zuletzt waren die Nitratwerte kontinuierlich leicht gesunken. Durch den neuerlichen Anstieg muss das Wasser aufwendiger gereinigt werden. Das Umweltbundesamt und Verbraucherverbände befürchten in betroffenen Gegenden deshalb in naher Zukunft einen deutlichen Anstieg der Wasserpreise. 32 bis 45 Prozent Preissteigerung sind im Gespräch.

Belastung durch Medikamente und Radioaktivität?

Die oft beschworene Belastung der Gewässer durch Medikamentenrückstände spielt hingegen laut unserer Expertin beim aufbereiteten Trinkwasser kaum eine Rolle. "Wir sprechen da von Konzentrationen von ein paar Tabletten auf die Wassermenge des Bodensees", erklärt die Expertin.  Auch eine Belastung durch Radioaktivität spielt keine besorgniserregende Rolle.    

Auf die Leitung kommt es an

"Die Wasserleitungen sind aus meiner Sicht die Verpackung des Lebensmittels Trinkwasser. Sie sollten genauso umsichtig und kritisch behandelt werden, wie alle anderen Lebensmittelverpackungen", mahnt Dr. Chorus. Vom Wasserwerk zum Hausanschluss gelten strenge Richtlinien. Wasser- und Stadtwerke wenden aktuell Millionenbeträge auf, um das deutsche Netz zu modernisieren. Alte Graugussleitungen, die Graphitbestandteile ins Wasser gelöst haben, werden gegen unbedenkliche Kunststoff- oder Metallleitungen ausgetauscht. Da durch diese Leitungen täglich große Mengen frisches Trinkwasser fließen, können sich praktisch keine Ablagerungen als Nährböden für Bakterien oder Keime bilden.

Anders sieht es bei der Leitung ab Wasseranschluss im Haus aus. Dafür ist der Hauseigentümer verantwortlich. Zur Leitung gehören neben den eigentlichen Rohren auch Warmwasser-Behälter, Verbindungsstücke, Dichtungen und die Armaturen aus denen der Verbraucher das Wasser entnimmt. Es gibt keine europaweiten Standards, aus welchem Material diese Bestandteile sein müssen. So kann ein Edelstahlrohr mit Kunststoffbeschichtung an einer Armatur mit Chrom-Nickel-Bestandteilen enden. Unterschiedliche Materialien aber können miteinander reagieren und Stoffe ins Wasser absondern, die der Verbraucher dann zu sich nimmt. Alle in Deutschland zugelassenen Materialien, wie Kupfer, Edelstahl und bestimmte Kunststoffe sind bei fachgerechter Planung und Bau des Wassernetzes im Haus theoretisch unbedenklich.  

Stehendes Wasser ist kein gutes Wasser   

Wasser, das länger als vier Stunden in der Trinkwasser-Installation steht, bezeichnet man als Stagnationswasser. Das solltest du grundsätzlich nicht mehr zur Zubereitung von Speisen und Getränken nutzen. "Dafür eignet sich auch kein Wasser aus der Warmwasserleitung, weil das oft auch lange in den Warmwasserbehältern vorgehalten wird", betont die unsere Expertin. Das Problem: In stehendem Wasser können sich Stoffe aus der Wasserleitung lösen und sammeln.

Außerdem vermehren sich bei Temperaturen von 20 bis 45 Grad Celsius neben anderen Bakterien vor allem Legionellen. Die können beim Menschen schwere Gesundheitsschäden, wie etwa eine Lungenentzündung verursachen. Für kranke und schwache Menschen können sie tödlich sein. Werden Wasserleitungen längere Zeit nicht benutzt, zum Beispiel während des Urlaubs, solltest du das Wasser so lange laufen lassen, bis es wieder kühl und frisch aus deiner Leitung kommt. Das Warmwasser sollte mindestens drei Minuten ablaufen. In dieser Zeit verlässt du am Besten den entsprechenden Raum und öffnest die Fenster. Legionellen verbreiten sich nämlich durch feinen Sprühnebel und Wassertropfen. Danach sollte das Warmwasser mindestens bis auf 60 Grad aufgeheizt werden, bevor du es wieder benutzt.  

Wasser testen ? 

Dein Wasserversorger prüft in der Regel täglich die Zusammensetzung und Qualität des Wassers. Welche Stoffe darin enthalten sind, erfährst du bei ihm. Das ist wichtig, wenn du zum Beispiel deine Waschmaschine auf die richtige Wasserhärte einstellen willst. Für eine fachgerechte Installation und regelmäßige Überprüfung der Anlage auf Legionellenbefall ist bei Mietshäusern und Anlagen mit Speichern über 400 Liter Volumen der Hauseigentümer verantwortlich. Diese regelmäßigen Überprüfungen können vom Eigentümer auf die Mieter als Betriebskosten umlegt werden.

Wenn du unsicher bist, ob bei deinem Wasser Grenzwerte überschritten werden, etwa durch eine Belastung aus alten, nicht mehr erlaubten Bleirohren, Korrosion oder Stagnationswasser durch eine falsche Installation, dann solltest du das zuständige Gesundheitsamt informieren. Auch wenn dein Wasser bräunlich aus der Leitung kommt oder komisch riecht, informierst du das Wasserwerk oder Gesundheitsamt. Diese Stellen müssen dann dein Wasser überprüfen und entsprechende Maßnahmen einleiten oder beim Vermieter anordnen.

Vorsicht bei Selbsttests

Im Handel bekommst du Selbsttests für deine Wasseranalyse. Die sollen dir verraten, ob in deinem Trinkwasser Bakterien, Blei oder auch Pestizide enthalten sind. So einen Wassertest selbst durchzuführen, lehnt unsere Expertin allerdings ab. "Die Probe muss fachgerecht entnommen werden. Da können Sie einiges falsch machen. Schon ein ungeeignetes Gefäß kann so von vornherein das Ergebnis verfälschen. Außerdem können Sie als Laie die Qualität solcher Tests nicht beurteilen", erklärt Dr. Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badewasserqualität am Umweltbundesamt. Zudem sind Wassertests mit Preisen um 100 Euro sehr teuer. Alle wirklich relevanten Werte bekommst du, wie erwähnt, auf Nachfrage beim Wasserwerk.  

Fazit

Trinkwasser kommt sauber und unbedenklich bei dir an. Wenn du richtig damit umgehst und nur wirklich frisches Wasser für die sensibelsten Aufgaben verwendest, dann ist Trinkwasser ein sicheres und einwandfreies Lebensmittel.

Das Wasser selbst auf eventuelle Schadstoffe zu testen, ist nicht zu empfehlen. Informiere dich über die wichtigen Werte bei deinem Wasserversorger. Im begründeten Zweifel schalte das Gesundheitsamt ein.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 06. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 02:10 Uhr

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