Quicktipp: Tracking-Blocker So entkommst du Online-Schnüfflern

Hände tippen an einem Laptop (Symbolbild)
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MDR JUMP Do 05.10.2017 02:10Uhr 01:58 min

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Laut Stiftung Warentest sind es rund 30 bis 40 Firmen, die dich beim Besuchen einer Webseite ausspähen – manchmal noch viel mehr. Denn um an Informationen über den Internetnutzer zu gelangen, überwachen Unternehmen mit sogenannten "Trackern" - also kleinen Spähern - das Onlineverhalten der User. "Es ist ganz selten, dass eine Seite gar keinen Tracker hat. Einen oder zwei gibt es immer", sagt Martin Gobbin, Multimediaredakteur bei Stiftung Warentest. Dabei kann sich die genaue Anzahl dieser Späher stetig ändern. Gesammelt werden beispielsweise Daten über aufgerufene Seiten, wie oft eine Seite besucht wird, über die Verweildauer, das Betriebssystem des Computers und andere Hardware-Informationen. Durch das Tracking können Vorlieben, Wünsche und Sorgen der Nutzer gespeichert und Persönlichkeitsprofile erstellt werden. Hinter diesem Sammeleifer stecken meist Werbeunternehmen, Soziale Medien oder Datenanalysefirmen. 

Cookies und Fingerprinting

Die Verfolgung des Surfverhaltens erfolgt hauptsächlich auf zwei Wegen: durch Cookies und durch Fingerprinting. Cookies sind kleine Dateien, die auf dem Computer gespeichert werden, wenn eine Seite aufgerufen wird. Auf diesen Vorgang wird meist am Bildschirmrand hingewiesen. Sie führen zum Beispiel dazu, dass gezielt Werbung erscheint.
Wenn du etwa auf den Seiten von Amazon, Zalando oder Ebay gewesen bist, wird dir auch auf anderen Internetseiten Werbung dieser Firmen angezeigt.

Ein Fingerabdruck.
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Doch Technikexperte Gobbin meint: "Cookies sind heute fast schon veraltet ". Das Erstellen eines digitalen Fingerabdrucks des Surfers, sei heute viel effektiver. Dieses sogenannte Fingerprinting liest auch Hardwaredaten aus, also umfangreiche Gerätemerkmale wie Informationen über Arbeitsspeicher, Computertyp und Bildschirmauflösung. Diese Daten können im Gegensatz zu den Cookies vom Surfenden nicht gelöscht werden, weshalb es einfacher ist, den Nutzer zu identifizieren.

Trackingblocker schützen vor Überwachung

Um dieser Überwachung zu entkommen, wurden sogenannte Trackingblocker entwickelt. Das sind kleine Plug-ins bzw. Add-ons des Browsers, die man rechts oben neben der Suchleiste installieren kann. Diese Erweiterungen sind laut Gobbin durchaus sinnvoll: "Sie können einen Großteil der Tracker blockieren. " Außerdem beschleunigen die Blocker tendenziell das Surfen, da viele Tracking-Elemente nicht mehr im Hintergrund ablaufen. "Jeder sollte einen Trackingblocker verwenden", plädiert er. "Er schützt die Privatsphäre, ist kostenlos und in einer Minute heruntergeladen." Möglich sei auch, mehrere Trackingblocker zu verwenden, da diese sich nicht wie Anti-Viren-Programme negativ beeinflussen. Das Gute daran: Man kann selbst einstellen, wie stark das Programm blocken soll, damit nicht gewünschte Elemente einer Webseite mitgeblockt werden. Lieblingsseiten können außerdem vom Zugriff der Trackingblocker ausgespart werden.

Doch auch den Trackingblockern kann man nicht blind vertrauen, denn auch sie könnten persönliche Daten weiterverkaufen. "Am besten ist es, sich über das Unternehmen zu informieren und schauen, ob es schon auffällig geworden ist", rät Gobbin.

Daten auf dem Smartphone schützen

Für Smartphone-Apps gibt es keine Erweiterungen, die vor Tracking schützen können. Besser ist es, wenn man statt Apps einfach den Browser auf dem Handy benutzt, in dem der Blocker installiert ist. "Da muss man eben mit Bequemlichkeitseinbußen rechnen, wenn man Datenschutz haben will", erklärt Technikexperte Gobbin.

Tipps um es den "Spähern" schwerer zu machen

Ein Laptop, ein Tablet und ein Smartphone liegen auf einem Cafétisch.
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Willst du trotz allem keinen Trackingblocker installieren, gibt es noch andere sinnvolle Dinge, die du laut Gobbin gegen das Überwachen tun kannst: Du solltest surfen ohne irgendwo eingeloggt zu sein, um keine persönlichen Daten zu streuen – also nicht alle Angebote von Google oder Apple nutzen. Besser ist es, einen bezahlten Email-Account verwenden, der nicht so freigiebig mit Nutzerdaten ist. Sinnvoll ist auch, weniger Clouddienste zu benutzen und Angebote für das Verschleiern der IP-Adresse zu verwenden. Cookies löschen oder das dauerhafte Speichern deaktivieren bringt auch etwas – so können die kleinen Spähdateien nur zeitweilig und nicht ständig Daten auslesen.

Anonymes Surfen

Benutzt du deinen Computer nicht nur selbst, sondern zusammen mit anderen Menschen, ist es empfehlenswert, im anonymen Modus des Browsers zu surfen. Das schützt dich vor der Neugier anderer. Allerdings werden deine Suchanfragen so vor Google und den Browseranbietern nicht verschleiert, nur lokal auf dem PC wird nichts erfasst. Genauso ist es auch mit dem Löschen des Verlaufs. Dabei wird nur lokal gelöscht, die Tracker aber bekommen immer noch alle Informationen über das Suchverhalten.

Übrigens: Kaufst du dir einen neuen Computer, hilft auch das nicht, der Überwachung zu entrinnen. Denn wird eine bestimmte Mailadresse immer von derselben IP-Adresse aus aufgerufen, können Zusammenhänge enttarnt werden. Persönlichkeitsprofile können auf diese Weise über Jahre hinweg vervollständigt werden.  

Fazit

Nutze einen Tracking-Blocker! Deine Privatsphäre ist damit besser geschützt, als wenn du ganz darauf verzichtest.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 05. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2017, 02:10 Uhr