Quicktipp: Technik Was tun, wenn Smartphone oder Tablet weg sind?

3-D-Positionsmarkierung auf einer fiktiven Landkarte
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MDR JUMP Mi 16.08.2017 02:10Uhr 01:57 min

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Für Besitzer von Smartphones und Tablets ist es der Ernstfall: Das Gerät ist weg! Liegen gelassen oder gar gestohlen. Meist geht es nicht nur um den Wert des Smartphones an sich. Im Speicher sind in der Regel private Nachrichten, Bilder und Videos. Die Hersteller der Betriebssysteme, einige Handyfirmen und Programmierer von Sicherheitsapps bieten aber mehrere Möglichkeiten, die wichtigen Geräte aus der Ferne zu orten. Wir haben uns mit Experten vom Technikmagazin CHIP und vom Computermagazin c’t die Ortungsdienste genauer angesehen. Außerdem geben wir Rechtstipps für den Fall, dass ein Dieb das Smartphone trotz Ortung nicht herausgeben will.

Schutz schon ab Werk

Eine Frau sitzt am Tisch und gibt einen Code in ihr Tablet ein
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Inzwischen verbauen die Hersteller der Smartphone-Betriebssysteme, also Apple, Microsoft und Google schon ab Werk einen Ortungsdienst. Bei dieser Funktion greift die Software auf die GPS- oder WLAN-Daten des Handys zurück. Sie beinhalten die Koordinaten des aktuellen Aufenthaltsortes des Gerätes. "Bei iPhones hat man dann eine Apple-ID, die man beim ersten Einrichten des Handys bekommt. Damit loggt man sich auf iCloud.com ein und kann alle Geräte sehen", sagt Jörg Geiger von CHIP. Ähnlich funktionieren auch die Dienste bei Google und Microsoft. Voraussetzung für die Ortung ist aber ein stets aktivierter GPS-Sensor. "Dann kann die Ortung auf fünf bis 15 Meter genau sein", sagt Jörg Geiger. Allerdings gilt diese Angabe in der Regel nur für eine Ortung unter freiem Himmel. Liegt das Smartphone in einer Wohnung, dann weicht die geortete Position im Extremfall deutlich stärker vom realen Standort ab.

Ortung muss aktiviert werden

Ist die GPS-Ortung am Smartphone aus, muss auf Daten aus WLAN-Netzen oder Mobilfunkzellen zurückgegriffen werden. Damit lässt sich das Handy aber schlechter orten als via GPS. "Das ist in der Stadt vielleicht auf ein paar hundert Meter genau, auf dem Land ist es noch ungenauer", sagt Jörg Geiger. Michael Link von c‘t weist noch darauf hin, dass die Ortungsfunktion der Betriebssystem-Hersteller einmal aktiviert werden muss: "Nachher geht es nicht mehr, da ist das Kind in den Brunnen gefallen." Die Funktion ist aus Datenschutz-Gründen ausgeschaltet. Zusätzlich zur Ortung bieten die Betriebssystem-Hersteller noch andere Funktionen an: So können Daten aus der Ferne gelöscht, eine Meldung auf dem verlorengegangenen Smartphone eingeblendet oder ein Alarmton abgespielt werden.

Doppelt gemoppelt: Ortungsdienste von Handyherstellern

Zusätzlich bieten Handyhersteller wie Sony und Samsung für manche Modelle noch Ortungsdienste an. "Das ist aber auf dem Rückgang. Vor ein paar Jahren war das noch interessanter, weil das Apple und Google nicht anboten", sagt Jörg Geiger. Michael Link von c’t ergänzt: "Die Handybauer bieten kaum Extrafunktionen gegenüber den Betriebssystemen." Zudem stützten sich die Hersteller von Smartphones bei der Ortung wie etwa Samsung auf Google-Dienste. "Da ist dann die Frage, warum man das machen soll", sagt unser Experte.

Anbieter von Sicherheits-Apps wollen mit Extras punkten

Ein Smartphone wird aus einem Rucksack gestohlen
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Auch Anbieter von Sicherheits-Apps werben mit dem Versprechen, verloren gegangene Geräte aus der Ferne zu orten. Das kann vom PC aus oder von einem anderen Handy gemacht werden. Solche Apps werden etwa von Kaspersky, F-Secure oder Symantec angeboten und sind häufig nur für eine mehrwöchige Probephase kostenlos. Danach müssen Nutzer ein Abo abschließen, das zusätzliche Kosten verursacht. "Dafür versuchen die App-Anbieter, mit den Programmen einen Mehrwert zu bieten. Bei der Kaspersky-Schutz-App können etwa im Hintergrund Fotos gemacht werden", sagt Jörg Geiger. Über diese Fotos kann ein Nutzer im Optimalfall aus der Ferne den Dieb identifizieren. "Es ist aber die Frage, ob man das braucht", sagt Jörg Geiger. Aus seiner Sicht sind die Apps eher etwas für Nutzer, die für ihr Smartphone einen Virenschutz wollen oder die Berechtigungen von Programmen sehr genau einstellen wollen. Das bieten die Sicherheits-Apps und liefern die Ortungs-Funktion als Extra obendrauf. 

Keine hundertprozentige Sicherheit

Ein Smartphone mit Sperrbildschirm
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Aus Sicht unserer Experten sind die Ortungsdienste der Betriebssystem-Hersteller, Handybauer und Sicherheits-Apps kein Garant dafür, ein gestohlenes Gerät wirklich wiederzubekommen. "Diese Funktion ist recht leicht zu umgehen. Etwa schon dann, wenn die Internetverbindung gekappt ist. Handy ausschalten oder SIM-Karte raus, das geht schnell", sagt Jörg Geiger. "Wenn das Smartphone aus ist, kann man dem auch kein Kommando mehr geben, die Daten für eine Ortung zurück zu funken", gibt Michael Link zu bedenken. Die Ortungsdienste zeigen dann nur die letzte bekannte Position des Gerätes an. c’t-Experte Link rät, unabhängig von allen Ortungsdiensten immer auch die Displaysperre am Handy einzuschalten. Das heißt, man muss das Passwort kennen, um das Handy in einen nutzbaren Zustand zu versetzen. Für weniger professionelle Diebe stellt das schon eine Hürde dar.

Rechtslage

Auch aus rechtlicher Sicht gibt es für bestohlene Smartphone-Besitzer einige Hürden ­– selbst wenn sie ihr Gerät orten und dann mit Hilfe der IMEI-Nummer identifizieren. Diese Nummer wird für jedes Gerät einzeln vergeben und lässt sich mit der Eingabe der Tastenkombination "*#06#" anzeigen. "Sie haben das Recht, sich einen weggenommenen Gegenstand notfalls mit Gewalt zurückzuholen. Das Recht gilt aber nur, wenn sie einen Dieb sozusagen auf frischer Tat ertappen und nicht bei später georteten Geräten", erklärt Medienrechtsanwalt Christian Solmecke aus Köln. Der Experte für Internetrecht verweist aber auf das Recht zur Selbsthilfe. Das greift im konkreten Fall allerdings nur, wenn man einen Dieb über die Ortung ausfindig macht und die Polizei nicht rechtzeitig kommen kann. "Die muss grundsätzlich handeln und ermitteln, selbst bei einem gestohlenen Smartphone", sagt Christian Solmecke. Handybesitzer gehen auch dann nicht leer aus, wenn ein Dieb das Gerät weiterverkauft. "Es gibt keinen gutgläubigen Erwerb an Diebesgut, da hat der Käufer Pech gehabt. Wenn ich nachweisen kann, dass das mein Gerät ist, muss er das rausgeben", sagt der Leipziger Rechtsanwalt Jens Belter.

Fazit

Umschau-Quicktipp - Smartphone
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Gegen Profidiebe sind die Dienste der Hersteller und sämtliche Diebstahlschutz-Apps machtlos. Die Gauner entnehmen die SIM-Karte, versetzen das Gerät in den Flugmodus, schalten es aus oder umgehen eine Sperre durch sogenanntes Flashen des Handys. Häufig können sie zudem noch sensible Daten aus dem Telefonspeicher auslesen. Greift aber ein Gelegenheitsdieb ohne großes Technikwissen zu, hat man dagegen gute Chancen, aus der Ferne doch noch etwas auszurichten. Mit etwas Glück findet man das eigene Handy über die Ortungsmöglichkeiten wieder. Dabei reichen aber die Angebote von Apple, Google oder Microsoft aus.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 16.08.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2017, 02:10 Uhr