Quicktipp: Unwetter Was tun bei Regen- und Hagelschäden?

Die richtige Absicherung vor den Folgen extremer Wetterereignisse beginnt im Vorfeld. Informiere dich bei deiner Versicherung, welche Schadensereignisse abgesichert sind und wo eventuell Lücken im Schutz bestehen. Gerade bei extremen Wetterlagen solltest du dich zudem regelmäßig bei einem zuverlässigen Wetterbericht über Unwetterwarnungen informieren. Wertvolle Gegenstände gehören nicht in Räume, die überflutet werden könnten oder schon einmal vollgelaufen sind. Bei drohendem Hagel gehören Autos möglichst in die Garage.

Verhalten im Schadensfall

Sollte es dich tatsächlich erwischen, empfiehlt Bianca Boss vom Bund der Versicherten folgende grundsätzliche Verhaltensregeln: "Verständigen Sie als erstes immer Ihre Versicherung! Dokumentieren Sie noch vor einer Reparatur oder dem Aufräumen den Schaden mit aussagekräftigen Fotos! Lassen Sie sich den Schaden von Zeugen bestätigen und beginnen Sie mit dem Aufräumen beziehungsweise einer Reparatur erst nach Besichtigung durch die Versicherung oder zumindest nach Absprache." Dafür musst du allerdings keine Folgeschäden in Kauf nehmen. Sollte also der Hagelschlag das Dachfenster des Autos zerstört haben, dann kannst du das natürlich sofort mit entsprechenden Mitteln sichern, damit der Innenraum nicht nass wird. Ein Foto vom Schaden sollte trotz allem möglichst vorher gemacht werden. Versuche außerdem, die Kaufbelege für alle beschädigten Gegenstände rauszusuchen. Fertige schließlich eine Liste mit allem an, was das Unwetter zerstört hat.

Der vollgelaufene Keller

Steht Wasser im Keller, muss zunächst geklärt werden, wie es dort hineingekommen ist? Das klingt etwas seltsam, ist aber für die Regulierung des Schadens wichtig. Bricht etwa ein Wasserrohr, dann kommt für den dadurch entstehenden Schaden am Gebäude die normale Gebäudeversicherung des Hausbesitzers auf. Solltest du als Mieter in diesem Haus einen Keller haben, dann bezahlt deine Hausratversicherung den Schaden an eingelagerten Gegenständen.

Ein Feuerwehrauto steht nach einem Starkregen auf einer unter Wasser stehenden Straße und pumpt Wasser aus den anliegenden Häusern
Bildrechte: IMAGO

Ganz anders sieht das bei Schäden durch Oberflächenwasser oder eine Überschwemmung durch einen über die Ufer getretenen Fluss aus, erklärt die Versicherungsexpertin: "In diesen Fällen spricht man von Elementarschäden und die müssen sowohl der Hausbesitzer in seiner Gebäudeversicherung als auch der Mieter in seiner Hausratversicherung extra absichern." Das hebt zwar den Versicherungsbetrag an, kann dich aber im Schadensfall vor einem Totalverlust retten.

Die Elementarklausel in der Hausratversicherung ist für dich auch dann wichtig, wenn du nicht in der Nähe eines Gewässers wohnst. "Es ist ja gerade das Oberflächenwasser beim Starkregen, das der Boden nicht aufnehmen kann. Das läuft über Kellerfenster ins Haus und ist in der normalen Police ohne Elementarklausel eben nicht abgesichert", warnt Bianca Boss.

Die Tiefgarage unter Wasser

Ob im Privathaus, in der öffentlichen Tiefgarage oder auch in plötzlich volllaufenden Unterführungen: Sollte dein Auto wetterbedingt im Wasser stehen, springt nur die Teilkasko ein. "Sie können den Tiefgaragenbesitzer schließlich nicht fürs Wetter haftbar machen", erklärt die Expertin. Eine Haftpflichtversicherung des Tiefgaragenbetreibers springt demzufolge nicht ein. Solltest du also keine Teilkasko oder logischerweise Vollkasko haben, bleibst du auf deinem Schaden sitzen. Mit entsprechendem Versicherungsschutz dokumentierst du auch hier zunächst den Zustand mindestens per Foto, bevor du dafür sorgst, dass der Schaden nicht noch größer wird. Entsprechende Reparaturen lässt du erst erledigen, wenn ein Gutachter der Versicherung den Schaden besichtigt und eingeschätzt hat.

Hagelschäden am Auto

Ein Auto mit Dellen und zerstörten Scheiben nach einem Hagelschauer
Bildrechte: IMAGO

Auch für Hagelschäden wie Dellen im Blech und zerstörte Autoscheiben kommt die Teil- oder Vollkasko auf. Eine Haftpflicht allein reicht nicht. Achte auch hier darauf, dass zunächst ein Gutachter bewerten muss, wie hoch die Reparaturkosten ausfallen dürfen oder ob du bei Totalschaden den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs ersetzt bekommst. Den Gutachter bezahlt die Versicherung auch dann, wenn er keinen relevanten Schaden feststellt. Gerade bei neueren Modellen können ja schon kleine Dellen zu einer großen Wertminderung führen. Wenn du also nach einem Hagelschlag unsicher bist, ob das Auto eine Delle hat oder nicht, informierst du lieber deine Versicherung.

Beim Hagel muss diese Information allgemein nicht sofort geschehen. Der Schaden muss aber mit dem Wetterereignis in Verbindung gebracht werden können. Die Teilkasko bezahlt in der Regel auch die Abschleppkosten für dein beschädigtes und nicht mehr fahrbereites Auto. Ob du Anspruch auf einen Mietwagen hast, kommt auf deinen individuellen Versicherungsvertrag an.

Weitere Wetterschäden

Hagel und Starkregen gehen häufig mit Sturm und Gewitter einher. Erst ab Windstärke acht reguliert die Gebäudeversicherung Sturmschäden am Haus. Die Hausratversicherung ist dann für Schäden in der Wohnung zuständig. Bläst der Wind schwächer, bekommst du keinen Schaden ersetzt. Wann in deinem Ort Windstärke acht geherrscht hat, erfährst du vom Deutschen Wetterdienst. Dessen Angaben werden von den Versicherungen anerkannt.

Wichtig bei Sturmschäden am Dach: Neueindeckungen müssen nach gültigen Standards erfolgen. Für Dachziegel gibt es spezielle Klammern, die nach einem vorgegebenen Muster angebracht werden müssen. Deckst du dein Dach selbst und vergisst das, geht dir unter Umständen der Versicherungsschutz verloren.

Schäden durch umgefallene Bäume und Strommasten bezahlt die Wohngebäudeversicherung. Auch Wasserschäden, die durch ein abgedecktes Dach entstehen werden dadurch reguliert. Für Überspannungsschäden durch einen Blitz ist die Hausratversicherung zuständig.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 08.08.2017 | 9:20 Uhr
MDR UMSCHAU | MDR FERNSEHEN | 08.08.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 02:10 Uhr

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