Quicktipp: Drohnen Was Hobbypiloten beachten sollten

Oktokopter-Drohne mit DSLR-Kamera und Rig.
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MDR JUMP Di 24.01.2017 02:10Uhr 02:02 min

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Drohnen, also unbemannte Flugobjekte, für jedermann liegen seit Jahren im Trend. Für jeden Geldbeutel gibt es sie zu kaufen, selbst als Bausatz im Weihnachtskalender für Kinder. Doch immer wieder hört man auch von Beinahe-Kollisionen und einigen Unfällen, verursacht durch Drohnen. Mit der zunehmenden Nutzung der kleinen Flugobjekte haben sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert.

Punkt 1: Genehmigung

Innerhalb von Deutschland gibt es bestimmte Regelungen zum Umgang und Verkehr mit Drohnen. Die Nutzung von Fluggeräten ist im Luftverkehrsgesetz und in der Luftverkehrsordnung geregelt. Danach handelt es sich bei Drohnen um unbemannte Luftfahrtsysteme, sofern sie "nicht ausschließlich zur Sport- oder Freizeitgestaltung betrieben werden, sondern zu einem gewerblichen Zwecke genutzt werden". Bei reiner Freizeitnutzung gelten sie dagegen als Flugmodelle, deren Nutzung weniger streng reglementiert ist.

Ein Junge steuert eine Spielzeugdrohne.
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Genehmigungspflichtig sind Drohnenflüge im rein privaten Einsatz nur für den Fall, dass das Gerät mehr als fünf Kilo wiegt. Bei leichteren Modellen braucht man für die Nutzung keine behördliche Erlaubnis. Auch eine spezielle Schulung ist nicht zwingend erforderlich. Es dürfen also theoretisch auch Kinder und Jugendliche uneingeschränkt derartige Flugkörper bedienen. Angesichts der bestehenden tatsächlichen und rechtlichen Risiken empfiehlt es sich aber, dies unter Aufsicht zu tun. Will man kommerziell arbeiten, zum Beispiel Luftbilder erstellen und verkaufen, ist eine Aufstiegsgenehmigung durch die jeweils zuständigen Landesbehörden notwendig.

Punkt 2: Wo und wie hoch?

Die gesetzlichen Bestimmungen legen fest:

Eine Drohne fliegt vor einem blauen Himmel, auf dem in der Ferne ein Flugzeug mit Kondensstreifen zu sehen ist.
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  • Auch wenn man eine Aufstiegsgenehmigung hat, darf man maximal 762 Meter über dem Boden fliegen. Hier endet der unkontrollierte Luftraum. Will man höher fliegen, bedarf es einer Sondergenehmigung.
  • Unter bestimmten Umständen wird diese Höhe des unkontrollierten Flugraums noch weiter eingeschränkt, zum Beispiel. in der Nähe von Flugplätzen. Hier ist die Höhe im Vorfeld bereits schrittweise auf 518,15 Meter und 304,8 Meter reduziert und der unkontrollierte Flugraum endet sogar gänzlich dort, wo die Kontrollzone, zum Beispiel der Flugplatz beginnt.
  • Seit dem 1. Juni 2015 gilt im Umkreis der 16 internationalen deutschen Verkehrsflughäfen eine neue Regelung: Danach schützt eine sogenannte Kontrollzone individueller Lage und Ausdehnung den an- und abfliegenden Verkehr des Flughafens. Innerhalb eines Abstandes von 1,5 Kilometern vom Flughafenzaun ist die Nutzung von Drohnen und Flugmodellen grundsätzlich ganz verboten. Außerhalb dieses Abstandes benötigt jedes Luftfahrzeug, das in die Kontrollzone einfliegt, eine Freigabe der Flugsicherung. Dies gilt auch für Drohnen. Die Freigabe für Flüge von Drohnen bis fünf Kilo Gesamtgewicht und einer Höhe von höchstens 30 Metern über Grund gilt mit der neuen Regelung pauschal als erteilt. Für Drohnen bis 25 Kilo Gesamtgewicht gilt dies bis zu 50 Meter Flughöhe.
  • Der Flugbetrieb darf grundsätzlich nur in direkter Sichtweite des Steuerers stattfinden. Zusätzlich genutzte Hilfsmittel wie Ferngläser, On-Board Kameras, Nachtsichtgeräte oder ähnliche technische Hilfsmittel dürfen nicht zur Verlängerung der Sichtweite genutzt werden. Die Sichtweite entspricht auf freier Fläche einer Maximalentfernung von 200 bis 300 Metern. Hinsichtlich der Flughöhe sehen einige Bundesländer ein Maximum von 30 bis 100 Metern vor. Der Luftraum ist während des Fluges, insbesondere im Hinblick auf anderen Verkehr, ständig vom Steuerer oder einer zweiten Person, die mit dem Steuerer in Kontakt steht, zu beobachten.
  • Über Menschenmengen, militärischen Objekten, Kraftwerken und Krankenhäusern darf grundsätzlich nicht geflogen werden. Gerät eine Drohne außer Kontrolle, ist dies unverzüglich der Flugsicherung zu melden.

Punkt 3: Haftpflichtversicherung

Prinzipiell ist das Fliegen mit Drohnen versicherungspflichtig. Egal ob dies zu reinen Hobbyzwecken oder aus gewerblichen Ambitionen heraus geschieht. Eine Haftpflichtversicherung ist Pflicht. Was viele nicht wissen: Die private Haftpflichtversicherung deckt dies in der Regel nicht ab! Es muss also eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden.

Sollte die Drohne aufgrund technischer Fehler oder sogar aufgrund einer Fehlbedienung abstürzen, sorgt eine Haftpflichtversicherung im Fall der Fälle für die Erstattung der teils immensen Kosten, wie folgendes Horrorszenario zeigt: Die Drohne stürzt in der Nähe von fahrenden Autos ab und sorgt für einen Massencrash. Aber selbst durch scheinbar kleine Vorfälle – wenn etwa die Drohne gegen eine Windkraft- oder Photovoltaikanlage fliegt – können unwahrscheinlich hohe Kosten entstehen. Die Risiken beim Drohnen-Flug sind also ebensowenig zu unterschätzen wie die extrem hohen Kosten im Schadensfall. Besonders wichtig bei einer Haftpflichtversicherung ist die vereinbarte Versicherungs- bzw. Deckungssumme, denn mit ihr wird festgelegt, wie hoch der maximale Betrag für eine Erstattung im Schadensfall ist.

Punkt 4: Persönlichkeits- und Urheberrechte

Abgesehen von den Aufstiegsgenehmigungen und den Zwecken, für die man eine Drohne benutzt, sind weitere rechtliche Belange zu beachten:

  • Nur dort fliegen, wo man es auch darf: Die Drohne nicht über Gebiete und Grundstücke steuern, die man nicht betreten darf. Eigentumsverhältnisse gelten auch in der Luft.
  • Grundstückseigentümer fragen: Vor dem Flug immer den jeweiligen Grundstückseigentümer um Erlaubnis zu fragen.
  • Persönlichkeitsrecht: Das Recht am eigenen Bild gehört zu unseren gesetzlich verankerten Persönlichkeitsrechten. Wer nicht abgelichtet werden möchte, muss das auch nicht dulden. Das gilt auch für Bilder von Kameras, die an Drohnen montiert sind.
  • Experten weisen zudem darauf hin, dass Drohnen die Privatsphäre gefährden und daher nicht ohne weiteres überall herumfliegen dürfen. Es drohen eine Abmahnung oder gar eine Unterlassungsklage, wenn man zuwiderhandelt. In einem konkreten Fall ging ein Hobbypilot seiner sonnenbadenden Nachbarin mit seinem Fluggerät solange auf die Nerven, bis sie vor Gericht zog. Der Drohnenbesitzer, der gar keine Fotos von seiner Nachbarin gemacht hatte, wehrte sich und pochte auf seine schützenswerte allgemeine Handlungsfreiheit, mit der er seinem Hobby nachgehe. Doch die Richter werteten das Persönlichkeitsrecht der Frau höher (Amtsgericht Potsdam, Az.: 37 C 454/13).
  • Bei der Veröffentlichung von Fotos oder Videos im Web gelten natürlich die Bestimmungen des Urheberrechts, so wie sie für die Fotografie allgemein Geltung haben.

Punkt 5: Schärfere Regeln geplant

Das Bundeskabinett plant aktuell strengere Regeln für den privaten Einsatz von Drohnen. Ein Entwurf sieht vor, dass Drohnen künftig maximal 100 Meter aufsteigen dürfen und in sensiblen Bereichen wie Menschenansammlungen oder Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften ein generelles Flugverbot herrscht. Ab einem Gewicht von 250 Gramm sollen Drohnen dann mit der Adresse des Eigentümers gekennzeichnet werden um im Schadensfall den Besitzer leichter ermitteln zu können. Eine Art "Drohnen-Führerschein" wird dann schon ab einem Gewicht von zwei Kilogramm notwendig. Dafür gibt es ein Mindestalter: 16 Jahre. Ziel des Entwurfs von Bundesverkehrsminister Dobrindt sind neben diesen Beschränkungen für den privaten Gebrauch allerdings auch flexiblere Regelungen für den gewerblichen Einsatz.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 24.01.2017 | 9 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2017, 02:10 Uhr

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