Quicktipp: Verkehr Wie zuverlässig messen Promilletester?

Einmal reinpusten, dann zeigt der Promilletester ab, ob man noch Auto fahren darf. Einfache Geräte gibt es schon ab 20 Euro, präzisere ab 200 Euro. Trotzdem sollte man ihnen nicht blind vertrauen. Wir erklären, warum.

Ein Mann pustet in einen Einweg-Alkoholtester.
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MDR JUMP Mo 27.02.2017 02:10Uhr 01:46 min

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Alkohol im Luftstrom

Die Promilletester zum Selbstkaufen funktionieren im Wesentlichen wie die Testgeräte der Polizei auch. Hat man getrunken, wird Alkohol aus dem Blut in der Lunge an die Atemluft abgegeben. "Im Gerät ist je nach Hersteller eine Alkoholmessung, die entweder elektrochemisch erfolgt oder über das Infrarot-Spektrum", erklärt Dr. Katja Jachau, Rechtsmedizinerin an der Uniklinik Magdeburg. Über bekannte Formeln rechnen die Geräte dann schnell aus, wie viel Alkohol die Testperson wahrscheinlich im Körper hat.

Zahlreiche Messfehler möglich

Ein Polizist steht mit dem Rücken zum Betrachter an einer Straße
Die Geräte der Polizei erkennen Messfehler in der Regel. Das tun einfache Promilletester oft nicht. Bildrechte: IMAGO

Das Messen kann allerdings gleich aus mehreren Gründen verfälscht werden. So spielt es etwa eine Rolle, ob jemand Asthma hat oder ein starker Raucher ist. Alkohol aus Asthmasprays, die Inhaltsstoffe von Feuerzeugen beim Anzünden eine Zigarette und sogar Parfüm am Hals können den Wert verändern. Und es gibt noch ein Problem, sagt unsere Expertin: "Wenn man nach dem Trinken aufstößt, steigt auch Alkohol aus dem Magen mit auf und sorgt dann für einen zu hohen Messwert." Manche teureren Promilletester ab 200 Euro aufwärts und auch die Polizei-Geräte können diesen speziellen Fehler erkennen und ausgleichen.

Blutalkoholwert kann von Atemalkoholwert deutlich abweichen

Verschiedene Alkoholtestgeräte
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Seinen Führerschein sollte man allerdings auch solchen aufwendigeren Geräten nicht anvertrauen, wie Tests der Magdeburger Rechtsmediziner zeigen. Sie hatten Testpersonen eine Blutprobe abgenommen und sie gleichzeitig in einen Promilletester und ein Polizeigerät pusten lassen.  "Wir hatten also für einen Punkt X gleich drei Messungen: Einmal Blutprobe und zweimal Atemalkohol-Messung und da haben wir Abweichungen von plus minus 0,5 Promille gesehen", sagt unsere Expertin. Aus ihrer Sicht wiegen die Geräteanwender auch in falscher Sicherheit: "Alkohol wird erst in der Mundhöhle und später im Magen und dann im Darm aufgenommen und diese Passage dauert einige Zeit". Diese Zeitspanne könne aber in einzelnen Fällen zum Problem werden, sagt Dr. Jachau: "Wenn ich direkt nach dem Trinken messe, habe ich vielleicht einen hohen Atemalkoholwert. Und dann warte ich zwei, drei Stunden, fühle mich sicher und messe nicht nochmal. In der Zeit läuft aber die Alkoholaufnahme ins Blut.". Wer dann von der Polizei kontrolliert werde, habe möglicherweise trotz Wartens einen Blutalkoholwert über der wichtigen 0,5-Promille-Grenze.

"Das Auto bleibt stehen."

Der Autohersteller Volvo bietet Kunden für viele seiner Modelle ein "Alcoguard" genanntes System an, dass für knapp 1.000 Euro ins Fahrzeug eingebaut werden kann. Dann muss der Fahrer eine Atemprobe abgeben, bevor sich das Fahrzeug starten lässt. Die Kontrolle lässt sich vorab auf verschiedene Promillewerte einstellen. Rechtsmedizinerin Jachau hält solche Systeme grundsätzlich für sinnvoll, wenn die Geräte ähnlich aufwendig wie die Polizeigeräte konstruiert sind und Messfehler möglichst ausschließen: "Die Technik muss dann schon so hochwertig sein, dass sie den Fahrer nicht aus anderen Gründen am Losfahren hindert." Komplett sparen könne man sich allerdings das Geld für die Promilletester, die in Clubs oder Tiefgaragen hängen. Da verfärbt sich nur ein Röhrchen als Hinweis auf Alkoholgenuss. Eine wirkliche Info über den eigenen Promille-Wert bekommt man so nicht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP | 27.02.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2017, 02:10 Uhr

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