Quicktipp: Parkunfälle Warum es trotz moderner Technik immer wieder kracht

Ein Mann schaut beim einparken über die Schulter.
Bildrechte: IMAGO

MDR JUMP Di 19.09.2017 02:10Uhr 01:44 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,6 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 3,2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/quicktipp-parkunfaelle-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Der Faktor Mensch

Immer häufiger kracht es beim Einparken. In den letzten zehn Jahren haben Parkunfälle um ein Drittel zugenommen. Gleichzeitig steigt das technische Know-How und die Ausstattung unserer Autos. Wie passt das zusammen? Haben wir das Ausparken verlernt? Unfallforscher wissen: Der entscheidende Faktor bei Parkunfällen ist der Mensch. Er übersieht Hindernisse beim Parken, er überschätzt sich und die Technik.

Der Faktor Technik

Unsere Autos verändern sich. Moderne Karosserien unterscheiden sich in der Form deutlich von den Modellen von vor 30 Jahren. Sie werden immer windschnittiger und dynamischer. Viele Modelle haben hinten kleinere Fenster. Das liegt an zwei Trends: Das Dach fällt nach hinten stärker ab, um dem Auto beim Fahren mehr Dynamik zu verleihen. Zum Zweiten wird die so genannte Schulter höher. Ergebnis: Die Rückfenster sind kleiner und man sieht weniger. Dabei ist gerade der Blick nach hinten wichtig, denn die meisten Parkunfälle passieren beim Rückwärtsfahren. Hinzu kommt, dass moderne Autos im Durchschnitt immer größer werden, die Parklücken im Gegenzug jedoch nicht „mitwachsen“. Gerade in Städten drängen sich zudem immer mehr Autos in immer weniger Parklücken.

Moderne Assistenten helfen beim Einparken

Optische Anzeige der Einparkhilfe im Display des Navigationssystem.
Bildrechte: IMAGO

Auch die technische Ausstattung unserer Autos verändert sich. Fast alle modernen Autos haben Parkhilfen. Einige Systeme können sogar selbstständig einparken. Der Parkassistent wird aktiviert, erkennt die Parklücke, vermisst sie und lenkt automatisch hinein. Der Fahrer nimmt die Hände vom Lenkrad und muss nur noch bremsen und anfahren. Parkhilfen, die komplett selbst einparken, gibt es meist nur als Sonderausstattung. Aber auch in immer mehr kleinen Autos gehören Assistenzsysteme zum Standard: Abstandsmesser zum Beispiel, die warnen, wenn ein Hindernis zu nahe kommt.

Abstandsmesser nachrüsten

Wenn dein Auto noch keine elektronische Parkhilfe hat, kannst du das selbst nachrüsten. Einfache Abstandsmesser, die piepen, wenn man auf ein Hindernis zufährt, sind sehr nützlich, wenn man langsam fährt. Solche Systeme gibt es schon für unter 100 Euro. Wer beim Einbau auf Nummer sicher gehen will, lässt das System in der Werkstatt vom Fachmann einbauen.

Schwere Schäden trotz geringer Geschwindigkeit

Einparkhilfen sind sinnvoll, wenn sie richtig genutzt werden. Doch sie haben ihre Grenzen und diese sollte man kennen, raten Unfallforscher - besonders bei der Begegnung mit Fußgängern. Das Problem: Die meisten Parkhilfen erkennen stehende Hindernisse sehr zuverlässig, wie Bäume, Poller, Hauswände oder andere Autos. Sich bewegende Hindernisse können sie jedoch nur schwer oder gar nicht erkennen - Fußgänger zum Beispiel. Sie sind meist einfach zu schnell für das System. Ein großes Risiko, denn Crashtests zeigen, dass Fußgänger schon bei Unfällen mit sehr geringen Geschwindigkeiten schwer oder gar tödlich verletzt werden können. Dabei ist es meist nicht der Zusammenstoß mit dem Auto, der die schweren Verletzungen auslöst, sondern der Aufprall auf dem Boden. Gerade für ältere Leute ist das Verletzungsrisiko dabei immens.

Beim Einweisen nie hinter dem Auto stehen

Jemand parkt mit Hilfe eines Einweisers Hilfe in eine enge Parklücke ein.
Bildrechte: IMAGO

Wenn man als Fußgänger auf einem Parkplatz unterwegs ist, sollte man immer wachsam sein, raten Unfallforscher. Wenn du an einem Auto vorbeilaufen willst, dessen Motor läuft oder dessen weiße Rückfahrlampe schon leuchtet, solltest du warten. Es kann immer sein, dass der Fahrer im Wagen dich nicht sieht. Gleiches gilt, wenn du jemanden in eine Parklücke einweist. Sobald der Motor läuft, solltest du auf keinem Fall hinter dem Auto stehen, sondern immer seitlich davon, denn genau solche Situationen haben schon mehrfach zu tödlichen Unfällen geführt.

Nicht hetzen lassen!

Das oberste Gebot für Autofahrer beim Einparken: Immer langsam fahren, nicht hetzen lassen! Auch wenn hinter dir jemand drängelt und wartet, nimm dir Zeit. Schau dich um, ob sich ein Hindernis in deiner Umgebung befindet. Verlass dich nicht allein auf die Parkhilfen in deinem Wagen. Sie sind nur Hilfen. Viele Autos weisen darauf sogar explizit in ihren Displays darauf hin. Fahr langsam, denn du musst noch genug Zeit haben, auf eine Warnung deines Parkassistenzsystems zu reagieren.

Die Zukunft – Autos müssen noch intelligenter werden

Unfallforscher fordern, dass Park-Assistenz-Systeme noch intelligenter werden müssen. Wenn zum Beispiel ein Auto vor einem Hindernis warnt, der Fahrer aber nicht reagiert, dann muss das Fahrzeug in Zukunft automatisch reagieren und selbst bremsen. Solche Notbremsassistenten könnten nicht nur viele Blechschäden vermeiden, sondern vor allem Verletzungen vermeiden und Menschenleben retten.

Was tun, wenn doch ein Parkunfall passiert?

Am häufigsten sind Bagatellschäden – zum Beispiel ein Kratzer im Lack oder ein Blinker, der touchiert wird und zu Bruch geht. Nach so einem vermeintlich kleinen Crash einfach einen Zettel hinter die Windschutzscheibe zu klemmen, ist eine naheliegende Idee, aber riskant. Im Streitfall könnte das als Unfallflucht eingestuft werden und mit einer Geldstrafe oder dem Verlust des Führerscheins geahndet werden. Juristen raten dem Verursacher, 30 Minuten am Unfallort zu warten. Ist der Fahrer des beschädigten Autos bis dahin nicht zurück, sollte die Polizei verständigt werden. Gleiches gilt, wenn man selbst einen Schaden am eigenen Auto bemerkt, den ein anderer Fahrer verursacht hat. Der Grund: Versicherungen können eine offizielle Unfallaufnahme zur Bedingung für eine Regulierung machen. Es empfiehlt sich auch, Schäden immer selbst mit Fotos zu dokumentieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 19. September 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2017, 02:10 Uhr

Noch mehr Umschau-Quicktipps