Quicktipp: Technik Outdoor-Ladegeräte für Smartphone und Tablet

Ein junger Mann fotografiert auf einer Hochebene seine im Zelt sitzende Partnerin.
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MDR JUMP Mi 02.08.2017 02:10Uhr 01:48 min

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Die meisten Smartphones müssen schon nach einem Tag ans Ladekabel. Bei Camping-, Wander- oder Fahrradtouren wird das zum echten Problem. Eine Steckdose ist dann oft weit entfernt und Powerbanks können meist nur einen Teil der Tour überbrücken. Sogenannte Outdoor-Ladegeräte bieten die Möglichkeit, den Smartphone-Akku auch ohne Steckdose zu füllen. Wir fassen zusammen, wie urlaubstauglich die Stromlieferanten inzwischen sind und ob sie Smartphone-Nutzer für einige Tage wirklich unabhängig machen.

Solar-Ladegeräte mit kleiner Fläche

Solar-Ladegeräte beziehen ihren Strom aus Solarzellen und lassen sich über einen USB-Anschluss mit dem Smartphone verbinden. Das klingt nach einer umweltfreundlichen Idee. Im Handel gibt es sehr billige Solar-Ladegeräte schon ab 20 Euro, höherwertige Modelle fangen preislich bei 50 Euro an.

Eine Solarzelle in Form eines Kofferanhängers
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Sehr günstige Geräte sind meist eine Kombination aus Akku und darauf angebrachten Solarzellen. Diese Fläche ist aber meist schlicht zu klein, um selbst bei voller Sonneneinstrahlung den Akku des Smartphones voll zu laden. "Diese Geräte sind eher ein Notbehelf und höchstens eine Ergänzung zur Powerbank", sagt Stefan Kirchner von teltarif.de.

Mehr Fläche durch Falt-Panels

Teurere Modelle haben dagegen oft ein Solarpanel zum Auffalten. Das kann dann entweder auf dem Boden aufgestellt werden oder bei Wanderungen am Rucksack montiert werden und befüllt dann auch über USB den Smartphone-Akku oder auch eine Powerbank.

Ein Mann geht durch eine Straße und schaut auf sein Smartphone, das mit faltbaren Solarzellen verbunden ist, die er über seine Schulter gehängt hat.
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Die Falt-Panels bieten mehrere Vorteile: Sie lassen sich zusammengeklappt sehr klein im Rucksack verstauen, bieten aufgeklappt aber mehr Fläche fürs Sonnenlicht und liefern somit auch mehr Ausgangsleistung. Damit lässt sich dann etwa ein Smartphone-Akku in anderthalb Stunden auf 70 Prozent aufladen. "Zudem kommen die Falt-Panels mit den sogenannten amorphen Zellen. Sie haben zwar nicht so einen tollen Wirkungsgrad, liefern den aber auch bei nicht so tollem Wetter", erklärt Michael Link von c’t. "Leider kommen die großen Solarpanels zum Falten meist ohne integrierten Akku. Der sollte aber dabei sein, um einen konstanten Ladestrom zu garantieren. Sonst ist das nicht gut für den Energiespeicher des Handys", sagt Stefan Kirchner.

Ähnlich sieht das auch Michael Link: "Am besten koppelt man die Solarlade-Geräte grundsätzlich mit einer Powerbank und lädt die den Tag über. Am Abend habe ich dann Strom, wenn ich ihn brauche." Stefan Kirchner rät zudem: "Man sollte auch drauf achten, dass man sein Smartphone nicht unterhalb von diesen Solarpanel aufbewahrt. Denn die Temperaturen können so hoch sein, so dass die Geräte Schaden nehmen."

Ladegeräte mit Kurbel, Brennstoffzellen oder Kocher

Eher ein Gimmick als eine echte Alternative zur Steckdose sind Kurbel-Akkus ab 30 Euro. Hier erzeugt der Nutzer ähnlich wie früher bei Kurbelradios mit Muskelkraft Strom, der dann über einen USB-Anschluss an den Smartphone-Akku abgegeben wird. Zehn Minuten Kurbeln liefern aber nur rund eine Minute Akku-Laufzeit.

Eine sehr teure Spielerei sind derzeit noch Ladegeräte mit Brennstoffzellen. "Solche Lösung sind meist noch im Förderstudium stecken geblieben. Nutzer spenden dafür Geld und werden dann sehr lange vertröstet", sagt c’t-Experte Link. Ein Modell sei zwar inzwischen auf dem Markt. Das kostet derzeit ab 100 Euro aufwärts. Dafür müssen aber noch sogenannte Brennstoffzellen-Pucks oder -Pellets für etwa fünf Euro gekauft werden, die dann die eigentliche Energie liefern. "Um einen handelsüblichen Smartphone-Akku aufzuladen, braucht man mindestens zwei von solchen Pucks", sagt Stefan Kirchner.

Aus seiner Sicht machen auch Campingkocher mit USB-Anschluss Smartphone-Nutzer derzeit noch nicht wirklich unabhängig. Diese Geräte kosten mindestens 100 Euro. In den Kochern wird Laub, Holz oder Kohle verbrannt und als Nebeneffekt die entstehende Hitze in Energie umgewandelt. Allerdings liefert das meist nur für wenige Minuten Akku-Laufzeit, sagt Michael Link: "Ich hab bei einem Ladegerät mal nachgemessen, was überhaupt an dem USB-Ausgang da bereit gestellt wird. Und das waren ernüchternde 500 Milliampere." Um ein Smartphone wenigstens aufzuladen, müsse ein Kocher dann schon sechs Stunden in Betrieb sein.   

Radfahren und Smartphone aufladen

Zumindest für Radfahrer gibt es derzeit schon eine echte Alternative: Ab 20 Euro aufwärts kosten Ladegeräte, die über den Dynamo des Fahrrads Strom ans Smartphone liefern. Die Modelle können meist ohne Umbauten mit einem Nabendynamo gekoppelt werden.

Ein Smartphone hängt in einer Befestigung an einem Fahrradlenker.
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"Bei den einfachen Geräten hat man oft das Problem, dass die erzeugten Spannungen zu groß und die Geräte zu heiß werden", sagt Michael Link. Er rät Radfahrern zu Ladegeräten ab 100 Euro aufwärts. "Bei den Lösungen fürs Fahrrad sollte man aber bedenken, dass erst ab einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h überhaupt ein messbarer Strom am Dynamo anliegt", sagt Stefan Kirchner.

Er rät wie Michael Link zu Ladegeräten mit Akku oder zu einer Powerbank als Zwischenspeicher. Sonst könne etwa beim Abbremsen der Aufladevorgang ständig abbrechen. Einen Haken haben aber auch die Outdoor-Ladegeräte fürs Fahrrad: Bei Dunkelheit geht der vom Dynamo erzeugte Strom direkt an die Beleuchtung.  

Fazit

Solar-Ladegeräte mit Faltpanel und Fahrrad-USB-Ladegeräte können Smartphone-Nutzer zumindest auf längeren Touren abseits von Steckdosen etwas unabhängiger machen. Beim Kauf sollten Nutzer aber Modelle mit einem eingebauten Akku wählen oder eine Powerbank als Zwischenspeicher nutzen. Mobile Zusatzakkus mit mindestens 10.000 mAh (ab 15 Euro aufwärts) wiegen zwar 300 Gramm und mehr. Sie können aber einen Smartphone-Akku in der Regel bis zu drei Mal wieder auffüllen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 02.08.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 02:10 Uhr

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