Quicktipp: Notfall-Apps Wie gut sind die ständigen Begleiter fürs Smartphone?

Frau mit rosa Fingernägeln hält ein Smartphone, auf dem Bildschirm sind Icons zu sehen
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Ständiger Begleiter

Die Apps heißen WayGuard oder bSafe, können kostenlos aus den App-Stores aufs Smartphone geladen werden und funktionieren ähnlich: Für den Heimweg startet man die App. Die übermittelt dann ständig die eigenen GPS-Koordinaten an eine zweite Person. Bei der App WayGuard beispielsweise, die aus einem Versuchslabor der Versicherung AXA kommt, kann ein Freund oder jemand aus der Familie den Weg verfolgen. Dafür muss der andere auch die App auf dem Smartphone haben. Ähnlich funktioniert das Ganze auch bei bSafe.

Leitstelle begleitet

3-D-Positionsmarkierung auf einer fiktiven Landkarte
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Bei der App WayGuard lässt sich der eigene Heimweg auch von einer Leitstelle überwachen, die von der AXA finanziert wird. Das Unternehmen ist aktuell die einzige Versicherung, die eine Notfall-App unterstützt. Laut Sprecherin Anja Kroll ist die Leitstelle rund um die Uhr besetzt: "Wenn die Leitstelle sieht, dass sich der Nutzer nicht bewegt, gibt es drei Anrufe. Vielleicht wartet man ja nur an einer Ampel oder hat jemand getroffen. Wenn man nicht reagiert, dann wird der Notruf ausgelöst." Wer sicher zu Hause angekommen ist, kann den Begleitschutz durch Freunde oder die Leitstelle einfach stoppen. Das Schließen der App reicht.

Schnelle Hilfe, wenn etwas passiert

Ein Smartphone in der Hand einer Frau
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Die Apps haben auch einen Notfallknopf, mit dem Nutzer sofort Hilfe rufen können. Ortung und Notruf funktionieren allerdings nur, wenn das Handy auch Empfang hat. Trotz dieser Einschränkung hält Buchautor Leo Martin die Apps für sinnvoll. Er hat jahrelang für den Geheimdienst im Bereich Organisierte Kriminalität gearbeitet und sagt: "Der große Nutzen solcher Apps ist, dass sie deinen Standort peilen, Hilfe alarmieren und manche sogar per Foto eventuell Beweise sichern können. Das sind alles Maßnahmen, die wichtig sind und zu denen man in einer Paniksituation eventuell nicht mehr in der Lage ist." Nutzer müssten auch nicht befürchten, für einen eventuellen Fehlalarm über die App bestraft zu werden. "Der Missbrauch von offiziellen Notrufen ist unter Strafe gestellt. Da ist aber Vorsatz gefordert. Wenn man versehentlich einen Alarm auslöst, wird das nicht bestraft", sagt Leo Martin.

Abschreckend

Smartphone und Zahlen
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Einige Apps wie etwa Shake2Safety bieten zusätzlich noch einen Schrillton, der bei einem Überfall Täter abschrecken soll. Auch das ist aus Sicht von Leo Martin eine gute Idee: "Die drei großen L bieten Sicherheit: Licht, Lärm und Leute. Der laute schrille Ton sorgt für Aufmerksamkeit und kann den Täter in die Flucht schlagen." Unser Experte empfiehlt allerdings einen schrillen Alarm, der nicht auf dem Handy abgespielt werden muss. Solche Geräte gibt es mit Schlaufe fürs Handgelenk. "Wenn du etwa von hinten überfallen wirst, dann wirst du vermutlich keinen Knopf mehr auf einem Touchpad oder Bildschirm drücken können. Da muss alles automatisch gehen. Und dann zerstört der Täter nicht dein Handy sondern erstmal den Schrillalarm", sagt Leo Martin.

Apps als Anregung, über den Heimweg nachzudenken

Unser Experte warnt aber davor, sich allein auf die Apps zu verlassen. Die könnten keinen Überfall verhindern, nur für schnelle Hilfe im Ernstfall sorgen: "Um einen möglichen Überfall zu vermeiden, solltest du andere Maßnahmen treffen. Das sind die Klassiker: Vermeide verlassene Orte, geh lieber den langen, hellen Weg als den kurzen dunklen oder lass dich von einem Freund begleiten." Für den Ernstfall rät der Ex-Agent zudem, sich möglichst selbstbewusst zu geben: "Wechsel etwa plötzlich im 90-Grad-Winkel die Straße, dann merkt man schnell, ob der andere  einem wirklich folgt. Such Licht, Lärm und Leute – die bieten dir Schutz und im Notfall gehst du auf irgendein Haus zu, klingelst, sorgst für Aufmerksamkeit." Auch die AXA als Anbieter von WayGuard warnt ausdrücklich davor, sich zu stark auf die App zu verlassen. "Unsere App ist keine Notruf-App. Das ist nur eine Funktion von vielen. In der App haben wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Polizei Köln Verhaltenstipps integriert", sagt AXA-Sprecherin Anja Kroll. Mit dem Programm wolle man vielmehr dazu anregen, den Heimweg gut und sicher zu planen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 11. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 02:10 Uhr